II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen. 37
1. Das Papier hat bei vielen dieser Handschriften ein unge-wöhnliches Format, kein reines Quart oder Octav, was daher kommenmag, dass, wie sich bei vielen Blättern ganz deutlich zeigt, dazu Vor-setzblätter aus alten Büchern genommen sind.
2. Die Papiersorten sind sehr verschieden, einzelne allerdingsso, wie sie in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts in hiesiger Ge-gend üblich waren, dagegen bei über Q 4 der Handschriften von sohohem Alter, wie sie schon längst vor Schillers Geburt nicht mehr imGebrauch gewesen sind.
3. Bei einzelnen Blättern scheint das Papier stockfleckig gewesenzu sein, ehe noch darauf geschrieben ward.
4. Andere Blätter haben so gleichartige Flecken, dass sie aufeine künstliche Erzeugung schliessen lassen und zwar, nach Geruchund Geschmack, durch Anspritzen von Lakritzenwasser mit etwasEisenvitriol.
5. Zu manchen Schriftstücken sind einzelne, wahrscheinlich ausalten Kollegienheften getrennte Blätter benutzt, die man durch Falzemit einander verbunden hat.
6. Die Tinte hat theils ein neues, in’s Bläuliche spielendes,theils ein auffallend gelbbraunes Aussehen, erscheint auch mitunterverwischt, als ob man ein feuchtes Papier, das nicht überall fest auf-gedrückt gewesen, von ihr abgezogen hätte. Die Sachverständigenhaben, durch Bereitung einer Tinte aus Eisenvitriol mit gewissen Zu-sätzen, den thatsächlichen Beweis geliefert, dass eine solche Tintedas Aussehen einer veralteten ziemlich täuschend wiedergebe.
Das interessanteste und wichtigste Gutachten ist das dritte, er-stattet von dem Hofrath Schöll, Director der Grossherzoglichen Kunst-anstalten, Hofrath Dr. Sauppe, Director des hiesigen Gymnasiums,und Gymnasial-Professor Zeiss, welches die inneren Gründe der Un-ächtheit der angeblich Schiller'schen Handschriften vom ästhetischenund literargeschichtlichen Standpunkte aus nachweist. Auch dieseslässt nur 4 von den 416 Autographen als wirklich von des Dichterseigner Hand stammende gelten; von allen übrigen erklärt es, dass siesich „als Erzeugnisse einer betrügerischen Fabrikation bezeichnen“,ünd zwar führt es dafür folgende Momente an:
Erstens die verdächtige Gleichartigkeit von Papier, Tinte, Schrift,die, im Widerspruch mit Schiller’s verschiedenen Aufenthaltsorten,seiner wahren Handschrift und ihren Unterschieden auf seinen ver-