38 II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen.
schiedenen Altersstufen, durch alle diese Manuscripte, Aufsätze, Ge-dichte, Briefe, Zettel herrscht.
a. Papier. Schiller fand nicht dieselben Papiersorten in seinerJugend zu Stuttgart, dann wieder in Leipzig, Dresden und zuletzt inJena und Weimar. Hier, im Gerstenbergk’schen Vorrath, herrschtenzwei Arten und in geringerer Zahl eine dritte Art Papier in den frü-hesten wie spätesten Handschriften ; sehr häufig ist eine starke Papier-art, die viel älter als Schiller ist, in Briefen seiner spätesten Zeit, wiein Jugendgedichten. Nicht findet sich hier das jüngere, feinere Papier,wie es ächte Briefe Schiller’s haben.
b. Tinte. Schiller wird nicht sein ganzes Leben hindurch miteiner und derselben Sorte schlechter Tinte geschrieben haben. Hierkehrt in allen diesen Schriften von den ungleichsten Daten dieselbeTinte, mit demselben Ton der Vergilbung, in wenigen Abstufungenund in höherem Grade, als meist an ächten Autographen Schiller’s,gleichmässig wieder, indem ein und derselbe widerlich bräunlicheSaft sowohl zur Bespritzung des Papiers (um den Schein von Feuch-tigkeitsflecken zu erzeugen), als auch zur Schrift selbst als Tinte an-gewendet worden ist.
c. Falsche Gleichförmigkeit der Handschrift. Schillerschrieb — nach zuverlässigen Autographen — noch um sein 28., ge-schweige denn in Stuttgart um sein 20. Jahr, in andern Zügen und inandern Weisen, als in seiner reifen Zeit zu Jena und zu Weimar. Hierliegt bei den angeblich frühesten wie spätesten Schriften immer nurdie Hand, welche Schiller in seiner letzten Periode schrieb, insoweitzu Grunde, dass die Form der Buchstaben und die nächsten Unter-schiede von ruhiger oder flüchtiger geführter Schrift wiedergegebensind, obwohl mit weniger Abwechselung der Form einzelner Buch-staben, als die ächten Schriften von Schiller, unter sich verglichen,wahrnehmen lassen. Aber selbst diese, der letzten Schreibweise Schil-ler’s entsprechende Form, die hier auf alle Zeiten Schiller’s an gewendetist, zeigt hier ebenso durchgängig einen Charakter, welcher der ZeitSchiller’s fremd ist, denn:
1. kommt durch alle Nachahmungen Schiller'scher Schriftzügeimmer die Hand eines nach sächsischem Ductus eingelernten Kanzli-sten hindurch;
2. tritt die unschöne Gewohnheit, die Schillern fremd war, über-all hervor, die Haarstriche der Buchstaben nicht fest und rein von