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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen. 39

unten diagonal nach oben zu ziehen, sondern die Grundstriche durchunten herum geführte Bogenstriche zu verbinden.

Nach diesen gemeinsamen Fahrikeigenschaften gehen z. B. dieStücke aus den Räubern und jene aus dem Teil zusammen den Eindruckeines gleichzeitigen Manuscripts Blätter, zwischen denen 23 Jahreliegen sollen und von denen Schiller die ersteren als 21jähriger Jüng-ling, die letztem als 44jähriger Mann geschrieben hätte. Man müssteannehmen, Schiller habe seine früheren Gedichte, Aufsätze, Dramen20 Jahre und mehr, nachdem er sie geschrieben und sie gedruckt wa-ren, selbst wieder abgeschrieben. Dies ist aber gänzlich unhaltbar; denn

1. für den Wiederabdruck in seinen späteren Gedichtausgabenmachte er diese Abschriften nicht: a) weil er bei diesem Zwecke nichtdie einzelnen, wie hier gewöhnlich, mit seinem Namen unterzeichnethätte; b) weil er notorisch in dieser Zeit für die Reinschriften zumDruck sich der Abschreiber bedient hat; c) weil er eine Anzahl dersel-ben in keine seiner Gedichtausgahen aufgenommen, aufgenommeneaber geändert hat.

2. Zum blossen Zweck der Bewahrung für sich würde er eine sogrosse Zahl seiner frühesten Gedichte und zwei ebenso frühe Aufsätzenicht eigenhändig abgeschriehen haben, denn sie waren mehrmals ge-druckt vorhanden. Wozu sie also selbst abschreiben? Mit einer soüberflüssigen Arbeit würde er sich in jener Zeit nicht aufgehalten ha-ben, wo er unter den anspannendsten Arbeiten auf das Aeusserste mitseiner Zeit ökonomisirte.

3. Dass er zum Verschenken an Freunde oder Verehrer so vielealte Gedichte und ganze Prosaaufsätze selbst abgeschrieben hätte, da-für fehlt jede Spur Es liegt vielmehr vor, dass er seinen besten Freun-den Abschreiberkopieen seiner Dichtungen gesendet hat. Keinenfallswürde er zu solchem Zweck diese Jugenderzeugnisse gewählt haben,da er sie nach vorliegenden Aussprüchen theils verwarf, theils, inso-fern er ihnen ein gewisses historisches Interesse zugestand, ohne Be-hagen betrachtete. Auch hätte er sie dann nicht auf so altes Aktenpapiermit schmutzgelber Tinte geschrieben.

Nach den Gerstenbergk'schen Manuscripten hätte Schiller ausser-dem seine zwei ältesten Trauerspiele:Die Räuber undFiesko, inseiner letzten Periode eigenhändig abgeschriehen. Diese Jugenddramenhat aber Schiller in der Periode seiner Reife gar nicht umgearbeitet.Wozu hätte er die, mehrfach abgedruckten, abschreiben sollen?