II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen. 41
stücke aus' Gedichten Schiller’s und auch unter solchen den Namen.Dies wäre nur so zu erklären, dass Schiller die Gedichtzeilen grössten-theils als Geschenke für Solche, die um Etwas von seiner Hand gebe-ten, gefertigt hätte. Dann aber wäre die Wahl von Einzelstrophen auslyrischen Gedichten und von kleinen Dialogtheilen aus Dramen sehrseltsam, auch, da sie bei solcher Bestimmung in die Welt zerstreutworden wären, ihr Zusammenkommen in solcher Anzahl bei einemeinzigen Händler sehr auffallend.
Bei den Epigrammen kommen noch besondere Umstände vor, diesolcher Erklärung im Wege stehen. Da sind solche, die nicht zusam-mengehören , zu autographischen Ganzen verbunden: in No. 45 zweipolitische Xenien und darauf „Die Flüsse“, erstere das Ende einerGruppe, letztere eine Gruppe für sich. Hätte Schiller einem Freundezwei kleine Ganze aus den Xenien geben wollen, so würde er auchdie erstere kleine Gruppe ganz gegeben haben, statt nur die beidenletzten Xenien davon. Von diesen hat überdies das letzte: „DeutscherNationalruhm“, Schiller nicht in seine Gedichtsammlung aufgenommen,auch Körner nicht in die Ausgabe nach Schiller’s Tod und Schiller’sGattin hat dies Xenion Goethen zugeschrieben, wie auch die Kritikerder Xenien thun. (Folgen noch andere Beispiele.)
Hier liegt kein Zweck und Sinn Schiller’s, sondern die Absichtder Fabrik zu Grunde, neben einzelnen autographischen Epigrammenund neben einzelnen Gruppen auch Doppelgruppen für verschiedenePreise und Käuferkräfte zu haben.
Dieselbe Waarenmässigkeit, die Schiller’s Zweck nicht sein konnte,leuchtet ein, wenn unter einzelnen Sätzen aus Abhandlungen Schil-ler’s, z. B. in den Aphorismen, jedesmal ein S. steht, ja in eben diesenSammelsurien unter einem Blatt: „Sprüche der Orientalin“, welchealso doch nur Excerpte sein können, der volle Name Schiller.
Das dritte Merkmal der Fabrikmässigkeit sind die Doubletten,unter welche Kategorie nicht weniger als 42 Stücke in dem zu denAkten gekommenen Vorrath fallen, welche 13 ganze Doubletten, 1Triplette und 6 theilweise Wiederholungen neben den vorhandenenGanzen darstellen.
Hierzu gesellt sich, als viertes hervortretendes Merkmal, die Reich-lichkeit überhaupt dieses Autographenmagazins. Also der grössteTheil der Schiller’schen Gedichte, und viele davon in duplo, sind aus