42 II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen.
dem Gerstenbergk’schen Autographenmagazin zu den Akten gekommen!Durch dieses Magazin sind die meisten, vielleicht (da gewiss nicht dieHälfte der daraus hervorgegangenen Sachen zu den Akten gekommenist) alle Schiller’schen Gedichte, theils einfach, theils mehrfach , alsAutographa hindurch gelaufen. Dies ist ein monströses Factum !
Wenn man auch voraussetzen will, dass Schiller, ausser den inden Druckereien gebliebenen Manuscripten seiner Poesieen, mundirteSelbstabschriften von allen, und zum Theil mehrfältige, gemacht habe,so müssen diese, da in der Familie nur wenige geblieben waren, ur-sprünglich in verschiedene Hände gekommen und in der seitdem ver-flossenen beträchtlichen Zeit mehr und mehr in der Welt zerstreutworden sein. Es ist schlechterdings unglaublich, dass es einem Ein-zelnen, selbst bei den ausgebreitetsten Bekanntschaften und vieljähri-gen Anstrengungen, glücken könnte, die Mehrzahl der Schiller’schenGedichte in autographischer Gestalt zusammenzubringen. Ein Maga-zin, aus dem binnen wenigen Jahren sie alle, grosse und kleine, her-vorgehen, und in Packeten, wie das, welches die Geh. Hofräthin Rie-mer von Gerstenbergk hatte, zu sechzigen, oder, wie die bei GrosseVorgefundenen, zu hunderten — ein solches Magazin kann sie nichtersammelt, es kann sie nur fabricirt haben.
Die Menge ist es also, was, neben der äusserlichen Gleich-heit von Material und Manufaktur und der auffallenden Häu-figkeit derNamensunterschrift, die Fabrikation verräth. Ganzdeutlich stellt sich die letztere heraus, wenn man
fünftens die Klassen und Arten dieser Autographen überblickt,die neben einander eine ganz waarenmässige Sortirung, in sich abersichere Spuren der Unächtheit haben. Da sind
1. ganze Manuscripte;
2. grössere Manuscriptbruchstücke;
3. kleinere Parcellen.
Es begreift sich, dass es dem Handel dient, die Waaren in so ver-schiedenen Grössen anbieten zu können und sich den einzelnen Artikeldadurch zu vervielfältigen, dass man ihn sowohl ganz, als in Stückenund in Restchen führt; es begreift sich aber nicht, wie dieser Handels-scala der Dichter selbst durch Schnittwaareneinrichtung seiner Auto-graphen und der Zufall durch Zusammenführen aller bei einem Au-to graphenhändler gedient haben soll.