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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen. 43

Beweis der Unächtheit dieser drei Klassen:

1. für Brouillons des Dichters oder für Theile des Brouillonskönnen keine der Manuscripte nnd Blätter dieser 3 Klassen gelten,denn es sind keine Abänderungen zu sehen; Alles ist mundirt.

2. Druckmanuscripte und Theile von solchen können sieebensowenig sein. Denn a) wo es Bogen und ganze Blätter sind, dahaben sie nirgends jene Zeichen mit dem Stift, welche in den Drucke-reien an allen Manuscripten die abgesetzten Seiten zu bezeichnen pfle-gen. Und, wo es h) einzelne Blätter und Blättchen sind, ist immerihre Rückseite unbeschrieben, die natürlich, wären sie Stücke ausganzen Manuscripten, ebenfalls beschrieben sein müsste. Wären aberc) die Parcellen geänderte, zum Einlegen in die Druckmanuscriptebestimmte Partieen, so müssten sie die Angabe der Seite und Zeilehaben, wo sie einzureihen wären, was bei keiner dieser (speciell an-geführten) Parcellen der Fall ist; sie würden dann die Namensunter-schrift nicht haben, welche sie doch hier so häufig besitzen, selbst dieeinzelnen Xenien, seihst die vereinzelte Endstrophe aus der Klage derCeres, selbst die einzelnen Stellen mitten aus Abhandlungen und eige-nen Briefen.

Man kann nicht die Ausflucht machen, Schiller habe die Manu-scripte mit solcher Bezeichnung ihrer Bestimmung eigenhändig mun-dirt, dann copiren und die Copieen an den Druckort gehen lassen. Estritt vielmehr der Betrug zu Tage bei jenen angeblich für dieLiliender deutschen Dichtung von Schiller ausgeschriebenen Gedichten.In dieser Anthologie hat nämlich der Herausgeber augenfällig undnach seinem eigenen Vorwort nur gedruckte Gedichte der verschieden-sten Verfasser zu einemBlumenbusch verbunden. Keiner derVerfasser hat ihm die Gedichte geschickt, sondern er hat sieaus alten Gedichtausgaben und den letzten Musenalmanachen zusam-mengetragen. Selbst wenn sich der Sammler unmittelbar an Schillergewendet hätte, würde dieser, unglaublich beschäftigt, wie er damalswar, doch wahrlich nicht die Zeit damit verschwendet haben, Gedichtefür diese Blumenlese selbst abzuschreiben, von welchen er kurzhindem Sammler bezeichnen konnte, wo sie gedruckt standen. Nun er-weist sich aber, dass nicht Schiller die 6 Manuscripte für die zu dru-ckenden Lilien geschrieben, sondern der Autographenfälscher sie ausden gedruckten abgeschriehen hat, auf das Unzweifelhafteste darin,