44 II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen.
dass er die Druckfehler aus den Lilien mit abgeschrieben hat, darun-ter so sinnentstellende, dass sie unmöglich für Schreibfehler ausgege-ben werden können, die etwa Schiller selbst in seinen eigenen Gedich-ten, und zwar nur in den Abschriften für die „Lilien“, nicht aber bei denfrüher und den später wiederholten Ausgaben derselben Gedichte, ge-macht hätte. (Folgen Beispiele.) Dies lässt keinen Zweifel, dass dieseangeblichen Originalhandschriften nachgemachte Abschriften aus demGedruckten sind. Dieses Mittels der Fiction von Gedichten fürbestimmte Ausgaben, in welchen dieselben Gedichte wirklichehemals erschienen, hat sich der Fabrikant bedient, um mit gutemSchein dasselbe Autograph mehrfach auf dem Lager zu haben.
Ein zweites Vervielfältigungsmittel stellen dar: fingirte Briefe, wel-chen Schiller eines seiner neuesten Gedichte beifügt, eine sich empfeh-lende Art Waare, da sie ausser dem doppelten Autograph die beglau-bigende Unterschrift meistens des Briefs und des Gedichts enthält. DieAdressen dieser fingirten Briefe fehlen, einen einzigen ausgenommen,der an die Dichterin Am. v. Imhof gerichtet gewesen sein soll. Es istaber unglaublich, dass Schiller für andere, hier anonyme Collegen solange Gedichte (den Handschuh, die Kraniche des Ibycus u. a.) selbstabgeschrieben haben sollte, da es freundlich genug war, wenn er sieihnen in Abschriften mittheilte. Zudem sind nun aber die Briefe vordiesen Gedichtabschriften, näher betrachtet, so gar nicht im Styl undGeiste Schiller’s, so sichtlich gestoppelt, ja Nr. 92, der Begleitbriefdes Gedichts an die Freude, enthält einen grammatikalisch falschenConjunctiv Imperfecti, wie sich ihn Schiller nie zu Schulden kom-men liess.
(Wir übergehen hier einige w'eitere Klassen gefälschter Handschrif-ten, wie: Bestellzettel an Buchhändler oder Bibliotheken, Stoffnotizenfür Gedichte u. s. w. u. s. w., deren Unächtheit gleichfalls nachgewie-sen wird, und bemerken nur, dass hier wie anderwärts das Gutachtenauch die Quellen bezeichnet, aus denen die Handschriftenfabrik dienöthigen Notizen schöpfen konnte.)
Von ganz besonderer Wichtigkeit sind endlich noch die unbeglau-bigten und unverbürgten, Schillern mit Widerspruch oder ganz mitUnrecht beigelegten Producte, deren Menge, wie das Gutachten be-merkt, „die Verwegenheit der Fabrik, die steigende Begierde und Keck-heit der Vervielfältigung darstellt“. Dahin gehören in dem zu den Ak-ten gekommenen Vorrath