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IV. Nutzen der Autograplien.
unmittelbare Wirkung derselben auf die Handschrift bürgt uns dafür,dass wir aus derselben sichere Resultate und Schlüsse auf die Lebhaf-tigkeit, Ruhe, Feinheit der Empfindung, auf den Muth, die Kühnheit,Standhaftigkeit, Ausdauer des Menschen machen können, dass wirschon aus der Handschrift zu schliessen vermögen, welchen Patriotis-mus diesen beseelt — oh er blos aufbrausender Sanguinismus oderausdauernd und kühn, ob den Gefahren entgegengehend oder furcht-sam in sich zurückziehend.
So einfach der Buchstabe ist, so viel unendliche Richtungen sindin ihm möglich und ebenso viel verschiedene Charakterbestimmungenenthält er. Seine Höhe, Dicke, Schärfe, Verbindung, seine ganzeGestalt ist für die kleinsten Schilderungen des menschlichen Herzensentscheidend.
Wie sich das individuelle Alter des Menschen in der Handschriftabmalt und diese sich mit jenem verändert, so malt sich auch das Alterdes Menschengeschlechts in derselben ab. Der physische Zustand desMenschen, welche Perioden ist dieser nicht durchgegangen, und dieHandschrift, als Ausdruck des Nerven, sollte immer noch die des älte-ren Deutschen sein, immer noch das Harte, Unbiegsame desselben ansich tragen ? Nehmt die Handschriften unserer Vorfahren vor einigenJahrhunderten und vergleicht sie mit denen der jetzigen Zeit! Jenesprechen ganz von Alterthum, von fleissigem, unermüdetem Sammel-geiste und weitläufig voluminöser Gelehrsamkeit, diese dagegen vonEmpfindung, von philosophischem Geiste und mehr Weltumgang.
Nicht weniger giebt es Nationalhandschriften als Nationalcharak-tere und Nationalphysiognomieen. Schreibt der Franzose wol so wieder Engländer, der Deutsche wie der Franzose? Was wäre wol einbleibenderes Denkmal des Charakteristischen jeder Nation, als dasihrer Nationalphysiognomie? Die gute Vorwelt hat uns Beweise zurBestätigung dieser Behauptung hinterlassen.
Der Römer, so fest, rnuthig, männlich, ausharrend, gedrängt dasGefühl seiner Mannskraft w^ar, so voll seine Sprache, so gross seinePhysiognomik: so voll, so rund seine Handschrift.
Der Grieche, so sehr intellectuelle Schönheit, platonische Liebegeniessend, so weich, so geistig sein Nerv: so fortfliessend, sich fort-schlängelnd , wellenlinienmässig auch seine Buchstaben.
Der alte Bewohner Germaniens , wo die Natur noch ihre rohe an-geborene Festigkeit hatte, schrieb seine Buchstaben ebenso fest, so per-