TV. Nutzen der Autographen.
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pendiculär, als Ausdruck des Festen, ebenso quadratförmig, als Zei-chen der Unerschiitterlichkeit. Hier blos Vormauer und sich bre-chende Scheidewand.
So heiss die Einbildungskraft, das Blut des Morgenländers, soausschweifend seine Dichtungsart: so bilderreich, ausschweifend, heissauch gleichsam seine Handschrift. —
Je fester, trockener der Nerv, je unbeweglicher und mit demKnochen gleichsam Eins, je kälter die Empfindung: desto stehenderperpendiculärer der Buchstabe, desto regulärer ihre Ordnung, geradehorizontal ihre Linien und desto gleichbleibender die ganze Handschrift.Keine hinschweifenden unter einander liegenden Buchstaben, keinespringenden Züge, sondern Alles abgemessen, abgezirkelt und inProportion.
Festigkeit, Ruhe der Empfindung, Indolenz zeigt sich in demBuchstaben ebenso, wie in der Bewegung, im Fortschreiten des Fussesdurch ruhiges, kaltes Hinlegen, gerades Auftreten, Fortschreiten undtactmässiges, sich nicht übereilendes Aufheben desselben zum neuenNiederlass. Siehst du eine Handschrift, die Muster accurater Gleich-förmigkeit, sich immer gleichbleibender Stoicismus ist, so kannst dudich nicht täuschen — der Schreiber ist gewiss kein Mensch, der fürKunst, Schönheit, platonische Liebe Gefühl hat, sich zum Dichtungsgeisthinschwingen kann, sondern Actenwühler, mechanischer Händler, derkalt aussieht, kalt auch geniesst und kalt dein Freund ist.
Gott bewahre mich vor einer schönen Handschrift, wie vor einemkalten, unempfindenden Auge für Schönheit und einem unempfäng-lichen Herzen für Liebe und Freude Gottes! — Was heisst denn schönschreiben nach der gemeinen Sprache des Lebens? Einen Buchstabenwie den anderen hinsetzen, in eben der Proportion, Weite, Höhe, Dicke,eine Linie so horizontal wie die andere und so abgemessen distant voneinander und schöne Züge, d. h. die von dem festen, harten Nervenihres Schreibers zeigen. Könnte ich doch einen Aufwärter eines Na-turalienkabinets hinters Ohr schlagen, wenn er mir neben einer Wal-fischrippe auch, wie er sagt, eine schöne Handschrift zeigt, d. h. eineReihe von perpendiculären, gleichstarken, gleichhohen, gleichzuge-spitzten, eingepfählt dastehenden Buchstaben, die irgend ein Waisen-knabe, der mehr Talent zum Schneider, Schuster, Baumeister, als zumGelehrten hatte, dem Papiere aufgemalt hat. Lasst einen solchen Kna-ben, der so schön schreibt, dass es wie gedruckt aussieht, lieber ein