201
XII. Beurtheilung und Werth der Autographen.
Wer wüide das einfache Billet, welches Fenelon unter dem 9. März1700 in Bezug auf die Streitigkeiten mit Bossuet an seinen FreundA. C. schrieb:
„Rome a parle, ma reverend Pere, c’est ä moi ä me soumettre et äm’humilier. Que Mr. de Meaux (Bossuet, Bischof v. Meaux) jouissede sa victoire, s’il le peut. Je ne l’en estimerai pas moins pour cela.Celui qui lit au fond des coeurs nous jugera un jour, et c’est ä sontribunal que je l’attends.“
nicht einer langen moralischen Vorlesung, die er dem Dauphin gehaltenin der Urschrift überreicht hätte, vorziehen wollen. Es ist nicht mög-lich, in grösserer Kürze mehr Demuth, Würde und wahrq Moral zuvereinigen.
Der commerzielle W’erth der Autographen, je nach den Verhält-nissen der Wichtigkeit der Person und des Inhaltes, ist mit jedem Jahregestiegen, da sich die Vorliebe für diese historischen Dokumente überalle Länder und alle Klassen der Gesellschaft verbreitet hat. Schonlange bilden solche in Frankreich, England und Italien, so wie seit denletzten zwanzig Jahren auch in Deutschland einen nicht unwichtigenGegenstand des Handels. OefFentliche Versteigerungen und Verkäufeaus freier Hand linden vielfach Statt, während zwischen den Sammlernein lebhafter Verkehr durch den Austausch der Doubletten in’s Lebengetreten ist.
In Bezug auf die Preise der Handschriften im Allgemeinenmöge hier folgende Scala genügen:
Bei der Versteigerung von Garnier’s Bibliothek zu Paris i. J. 1822wurden 28 Briefe der Frau v. Maintenon, obgleich sie schon gedrucktwaren, für 14,000 Franken erstanden. Freilich war der Käufer keinAnderer als König Ludwig XVHL
In der Auction des Herrn von Bruyeres - Chalabre’s Sammlung1833 zahlte man für einen Brief Heinrich IV. an die Marquise vonVerneuil 205 Fr. Er schien kurz nach dem Tode der Gabrielle d’Estrees(10. Apr. 1599) von leidenschaftlicher Liebe geschrieben und hatte inder altfranzösischen Orthographie u. A. folgende Stelle:
. . . . un lyevre m’a mene jusques aux rochers deuant Malesherbesou i’ay esprouue que des plesyrs passes est douce la souuenance.Je uous y ay souhettee entre mes bras come ie uous y ay veue ....Bon soir, mes cheres amours, sy ie dors, — mes songes seront deuous, sy ie veylle, mes pensees ceront de mesmes.“