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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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XII. Beurtheilung und Werth der Autographen.

Wer wüide das einfache Billet, welches Fenelon unter dem 9. März1700 in Bezug auf die Streitigkeiten mit Bossuet an seinen FreundA. C. schrieb:

Rome a parle, ma reverend Pere, cest ä moi ä me soumettre et ämhumilier. Que Mr. de Meaux (Bossuet, Bischof v. Meaux) jouissede sa victoire, sil le peut. Je ne len estimerai pas moins pour cela.Celui qui lit au fond des coeurs nous jugera un jour, et cest ä sontribunal que je lattends.

nicht einer langen moralischen Vorlesung, die er dem Dauphin gehaltenin der Urschrift überreicht hätte, vorziehen wollen. Es ist nicht mög-lich, in grösserer Kürze mehr Demuth, Würde und wahrq Moral zuvereinigen.

Der commerzielle Werth der Autographen, je nach den Verhält-nissen der Wichtigkeit der Person und des Inhaltes, ist mit jedem Jahregestiegen, da sich die Vorliebe für diese historischen Dokumente überalle Länder und alle Klassen der Gesellschaft verbreitet hat. Schonlange bilden solche in Frankreich, England und Italien, so wie seit denletzten zwanzig Jahren auch in Deutschland einen nicht unwichtigenGegenstand des Handels. OefFentliche Versteigerungen und Verkäufeaus freier Hand linden vielfach Statt, während zwischen den Sammlernein lebhafter Verkehr durch den Austausch der Doubletten ins Lebengetreten ist.

In Bezug auf die Preise der Handschriften im Allgemeinenmöge hier folgende Scala genügen:

Bei der Versteigerung von Garniers Bibliothek zu Paris i. J. 1822wurden 28 Briefe der Frau v. Maintenon, obgleich sie schon gedrucktwaren, für 14,000 Franken erstanden. Freilich war der Käufer keinAnderer als König Ludwig XVHL

In der Auction des Herrn von Bruyeres - Chalabres Sammlung1833 zahlte man für einen Brief Heinrich IV. an die Marquise vonVerneuil 205 Fr. Er schien kurz nach dem Tode der Gabrielle dEstrees(10. Apr. 1599) von leidenschaftlicher Liebe geschrieben und hatte inder altfranzösischen Orthographie u. A. folgende Stelle:

. . . . un lyevre ma mene jusques aux rochers deuant Malesherbesou iay esprouue que des plesyrs passes est douce la souuenance.Je uous y ay souhettee entre mes bras come ie uous y ay veue ....Bon soir, mes cheres amours, sy ie dors, mes songes seront deuous, sy ie veylle, mes pensees ceront de mesmes.