Vom Wesen des Autographen.
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den toten Marmor belebend, und jener sinnend über die dunklenGeheimnisse des Geistes, der seinen himmlischen Vater und seineewige Heimat sucht, sie alle einst getrennt durch unendliche Räumeund Zeiten, alle im Tode — o nein, im ewigen Leben! — vereint!“
Vor mir liegt ein sauber geschriebener Brief des Herzogs KarlEugen von Württemberg an den preußischen König FriedrichWilhelm II. Aus seinen zierlichen Schriftzügen tritt mir sein Bildplastisch entgegen. Ich sehe vor mir seine hohe Gestalt mit einemZopfchen, das schüchtern hervorlugt unter seiner mit Buckeln ver-sehenen, gepuderten Frisur. In seinem kirschroten Rock, seinergelben Seidenweste, seinen gelben Beinkleidern, die in hohen Stie-feln stecken, dem Rock mit dem großen goldenen Knopf, sehe ichihn, wie er den jungen Schiller empfängt, der sich wegen seinereigenmächtigen Urlaubsreise nach Mannheim verantwortet. Der-selbe Blick, der auf dem in meinen Händen befindlichen ßrieferuhte, streifte den jungen Medikus; die Hand, die diese Schriftzügehinwarf, hielt nach gnädiger Entlassung das schmale Händchendes kecken Dichters; derselbe Namenszug wie auf meinem Blatteprangte unter der Bestallungsurkunde für den auf herzogliche Kostenausgebildeten Regimentschirurgus. Aus Hohenheim ist der Briefdatiert — Franziska von Hohenheim war sein „herzaller-liebstes Franzele“ — und erzählt von einer starken, reinen Minne, diebeglückend sich über die Kluft der gesellschaftlichen Unterschiedeund der eingewurzelten Vorurteile spann.
Wenn der einfache Mensch, der dem Autographensammelnfernsteht, handschriftliche Erinnerungszeichen an einen Großendieser Erde mit ehrfürchtiger Scheu betrachtet, darf man es demGeistesverwandten, dem Forscher, dem Kundigen kaum verdenken,wenn er dem Autograph gegenüber aus stolzer Zurückhaltungheraustritt oder in religiöse Andacht versinkt.
Der Biograph von Karl Maria von Weber erzählt:
Der Frankfurter Patrizier Andrd besaß eine große AnzahlMozartscher Partituren in der Originalniederschrift des Kompo-nisten. Weber hatte noch nie Musikautographen von Mozart gesehen; daß Andrd dergleichen Kostbarkeiten verwahrte, war