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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Wie erwirbt man Autographen?

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sich derartigen Wünschen gegenüber, wie die Obengenannten,wirklich grundsätzlich ablehnend verhält. Sich zwecks Erlangungeines Kant-Erstdruckes alsPastor auszugeben (Lieber HerrAmtsbruder!), wenn man Medizin studiert hat und musikwissen-schaftliche Vorträge hält 1 ), darf sich ein Autographensammler nichterlauben 2 ). Er vermeide auch jede Äußerung, die wie Lobhudelei aus-sieht. Ebenso hüte er sich vor stereotypen Redewendungen, wie:Da ich ein begeisterter Verehrer Ihrer Schriften bin oderIhreWerke sind mir seit meiner frühesten Jugend vertraut oderDerRuf, den Sie sich durch Ihre geniale Erfindung in der ganzen Welterworben haben. Eine Probe auf die Stichhaltigkeit derartigerübertriebener oder erlogener Angaben würde den Bittsteller argerVerlegenheit aussetzen.

Wer durch den Ton seines den Eindruck unbedingter Zuverlässig-keit erweckenden Schreibens im Herzen des Adressaten eine Saitezum Klingen bringt, bekommt in der Regel das gewünschte hand-schriftliche Andenken. Dieser Erfolg stellt sich ein, wenn dasUrteil über ein eben gelesenes Werk des Adressaten oder die Schil-derung des von einem Gemälde des berühmten Meisters hervor-gerufenen Eindrucks von künstlerischem Verständnis zeugt; wennzwischen der Berühmtheit und dem Bittsteller irgend welche Be-ziehungen persönlicher oder lokaler Art obwalten; wenn sich dasBittgesuch auf die Empfehlung einer dem Adressaten befreundetenoder anderweitig nahestehenden Persönlichkeit stützt. Wenn Mittels-

J ) Leopold Hirschberg ,Erinnerungen eines Bibliophilen,Berlin-Wilmersdorf, Bibliophiler Verlag, S. Goldschmidt-Gabrilli, S. 120.

a ) Der Amerikaner Laurence Mendenhall entschuldigt einderartiges Vorgehen in einem AufsatzUnter meinen Autographen:Autographensammler sind von Natur die vertrauenswürdigsten, un-schuldigsten und wahrheitsliebendsten Wesen in der Welt. Nur dieHartnäckigkeit unserer Opfer veranlaßt uns unglückliche Geschöpfe,unsere Zuflucht zu einem Vorwände zu nehmen. Sein LandsmannJoline denkt anders. Er sagt:Wie ein anständiger Mensch es mitseinem Gewissen vereinbaren kann, etwas zu versichern, was unwahrist, nur um damit andere zu betrügen, das geht über meinen Horizont(Rambles, S. 82 / 83 ).