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Drittes Kapitel.
Auf den Ton mehr oder minder scharfer Satire sind jedenfalls dieVersuche gestimmt, den Handschriftensammler als poetische Figurin die Literatur einzuführen: in Wilhelmine von Hillerns ein-aktigem Lustspiel „Der Autographensammler“ und in der humo-ristischen Erzählung „Der Autographensammler und sein Neffe“von Theodor Oelckers.
Der Verruf, welchem das Autographensammeln schlechthin inden Augen der uneingeweihten Außenstehenden ausgesetzt ist,rührt teilweise aus der Tatsache her, daß die Presse von Zeit zuZeit Anekdoten über die höhnische Abfertigung von Autographen-jägern durch die von ihnen heimgesuchten Tagesgrößen auftischt.Dergleichen Satiren setzen das ernsthafte, auf wissenschaftlicherGrundlage beruhende Sammeln oft in verletzender Weise herabund beeinträchtigen seine gedeihliche Weiterentwicklung. Daß dieHändler durch den von unberufener Seite betriebenen Autographen-„sport“ geschädigt werden,, sei nur nebenbei erwähnt.
Sachgemäße Aufklärung über das wahre Wesen des Autographen-sammelns, verbunden mit der Darbietung einer .Gelegenheit zurBetrachtung einer systematisch angelegten Sammlung, führt auchschon dem jugendlichen Sammler das Unpassende und Zweckloseder Autographenjagd vor Augen und stellt ihn gar bald vor dieAlternative: Autographenjäger oder wissenschaftlicher Sammler?
Verschiedenartig haben die Theoretiker des wissenschaftlichenAutographensammelns gegen dessen Herabwürdigung ihre Stimmeerhoben. Schriftsteller, Künstler und Gelehrte machten die Her-gabe ihrer Autographen von der Entrichtung einer kleinen Spendezugunsten irgendeines wohltätigen oder gemeinnützigen Zweckesabhängig (Felix Dahn , Maurus Jokai , Max Liebermann usw.).Der Autographenbettel ist dennoch nicht unterblieben.
Wenn auch mit den Jahren insofern eine Besserung eingetretenist, als die unbeteiligte Außenwelt durch Zeitungsnotizen über dieauf den Versteigerungen erzielten Preise eine andere Meinung vomAutographensammeln bekam, so könnten die Herren Antiquarejene „Landplage“ vielleicht ganz eindämmen, indem sie in ihrenKatalogen eine Rubrik „Für Anfänger“ eröffneten und dort Auto-