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Drittes Kapitel.
hinweisen, sondern auch die Aufmerksamkeit der Eltern, Erzieher,Vorsteher von Pensionaten usw. auf das Autographensammelnlenken. Derartige Inserate werden aber auch manchen Erwachse-nen für unsere Wissenschaft gewinnen, def sich uns — wenn er erstüber eine Grundlage, eine Stammsammlung, verfügt — freudigzugesellt.
Die erste Frage, die den Autographen kaufenden Anfänger be-unruhigt, ist die Frage der Echtheit. Er hat so viel von Fälschungengehört. Er weiß, daß seltene Briefmarken nicht immer echt sind —wie, wenn die „teuren“ Autographen sich als Nachbildungen er-weisen? Von dieser Sorge wird der junge Sammler durch den per-sönlichen Umgang mit dem Händler bald befreit, ganz abgesehendavon, daß ihm das Titelblatt eines jeden Kataloges die be-ruhigende Botschaft kündigt: „Die Echtheit der Autographen istgarantiert.“
Diese Zusicherung enthebt den jungen Sammler niemals derPflicht, sich selber mit den Kennzeichen echter Autographen ver-traut zu machen.
Im Verhältnis zu der Intensität, mit der es betrieben wird, ge-währleistet das Studium der Autographen einen nicht gerade un-fehlbaren, aber doch ziemlich sicheren Schutz gegen die Erwer-bung gefälschter Stücke.
Zunächst achte man genau auf den Briefstil der verschiedenenJahrhunderte: Anreden, Floskeln und Unterschriften, Faltung undSiegelung wechseln genau wie Ausdrücke und Rechtschreibung.Ein kurzes Dankschreiben \$äre im Zeitalter des galanten Rokokoebenso unhöflich, wie die Häufung von Titeln und Ergebenheits-formeln in den Briefen neuzeitlicher Amerikaner. Manche Rede-wendungen, meistens mit Fremdwörtern untermischt, sind fürgewisse Zeitalter geradezu kennzeichnend. Ebenso vollzieht sichzuweilen nicht nur ein Bedeutungswandel, sondern sogar ein Be-deutungstausch: „ahnden“ und „ahnen“ — „mir ahndete“ — habensich im ersten Drittel des 19- Jahrhunderts in diesem Sinne ge-ändert. Weist also ein Brief von Hölty bei aller scheinbar richtigenWiedergabe der Schriftzüge den Passus auf: „Mir ahnt, daß es mit