Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
JPEG-Download
 

Zur Psychologie des Autographensammelns. 125

zurückhaltender ist er in ihrer Vorzeigung. Mit zunehmender Er-fahrung würdigt er nur unbedingt sachverständige Besucher derEhre, an seiner großen inneren Erhebung teilzunehmen, indem erjene bei einem Rundgange durch seine Sammlung geleitet. DieEnttäuschungen, die er mit Nichtsammlern erlebt, daß nämlichLeute von Bildung und Geschmack seinen Vortrag mit der Frageunterbrechen:Ist das Autograph auch echt? oder gar mit derBemerkung:Für so was würde ich keinen Pfennig ausgeben! und:Wieviel geben Sie mir für meine Handschrift? zwingen ihn, seineSchätze gegen den Luftzug der Entweihung durch banale Be-merkungen hermetisch abzuschließen.

In Amerika werden die Sammler von Ruf häufig von Zeitungs-schreibern aufgesucht, die dann über den Besuch spaltenlangreferieren. Adrian H. Joline wurde einmal von einem solchennach seinem Lieblingsautographen gefragt.

Das ist schwer zu sagen, antwortete der Sammler.Wenn Siewissen wollen, auf welches Stück ich am längsten fahndete, welchesmir am meisten Sorge und Aufregung verursachte, dessen Be-schaffung mir am meisten Mühe bereitete und meine Börse amfühlbarsten erleichterte, so will ichs Ihnen sagen, aber Sie werdensicherlich nicht wissen, wer der Mann war.

Da bin ich gespannt

Button Gwinnett .

Wer war denn das? Den kenn ich ja gar nicht.

Der Interviewer konnte freilich nicht wissen, daß Gwinnetteiner der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von 1776war. Autographen von ihm waren bis dahin kaum je auf den Marktgekommen. Daher der große Wert, den Joline diesem Stück bei-maß!

Enttäuschungen und Belästigungen dieser Art bestärken denernsthaften Sammler in seinem Entschluß, sein Museum nur einemKreise treuerprobter Gesinnungsgenossen zu öffnen. Äußerungender Verständnislosigkeit, der Gleichgültigkeit oder gar der Gering-schätzung würden den Sammler in seinem heiligsten Empfindenverletzen, unter Umständen seine Sammelfreudigkeit herabmindern.