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Viertes Kapitel.
Familienarchivs und sonderte aus diesen sowie aus den ihnen über-gebenen handschriftlichen Nachlässen der Familien Nevers undMontmorency am Anfänge des 17- Jahrhunderts die Originalbriefeberühmter Persönlichkeiten aus und stellte sie chronologisch —nach den Herrschern geordnet — zusammen. Heute bilden die170 Bände dieser ersten systematischen Autographensammlungeine Zierde der Pariser Nationalbibliothek.
Als der „Meister“ im Kindheitszeitalter des Autographen-sammelns darf Roger de Gaignidres (1644—1715) gelten. Unterallerlei Merkwürdigkeiten, die er sammelte, seltene Bücher, Land-karten, Kupferstiche und Handzeichnungen, bereiteten ihm dieAutographen die meiste Freude. Allerlei glückliche Funde ermög-lichten es ihm, eine ansehnliche Sammlung von ganzen Korrespon-denzen und einzelnen Pergamenturkunden aufzuhäufen. SeinKammerdiener Barth die my R6mi, der mit der Zeit zum Bibliothe-kar emporstieg, unterstützte ihn hierbei. Vermutlich ist es demSpürsinn dieses Vertrauten zu verdanken, daß Gaignidres diePapiere von Jean Bourrd, dem Sekretär Ludwigs XL, in seinenBesitz brachte und im Laufe der Jahre die stattliche Zahl von25 000 Autographen vereinigen konnte. Auch diese Sammlung gingin # den Besitz der Nationalbibliothek über, wo sie 80 Foliobände„Erzbischöfe und Bischöfe“, 20 Bände „Abteien und Provinzen“,160 Bände „Fürsten und Staatsmänner, auch des Auslandes, vonKarl VH. bis Ludwig XIV. “, 110 Bände „Memoiren und diplomati-sche Aktenstücke“ füllt.
Fast gleichzeitig verbreitete sich auch in England das Streben,Autographen zu sammeln. Hier besaß am Ende des 17. JahrhundertsJohn Evelyn eine große Sammlung. Im Jahre 1700 stiftete SirJohn Cotton seinen Bestand an handschriftlichen Schätzen demenglischen Parlamente, aus dessen Besitz ihn das British Museum übernahm. 1753 erwarb das Parlament zwei weitere Sammlungen,die des Botanikers John Stoane und des Robert Harley , Grafen vonOxford , 1817 die vom Marquis von Lansdowne angelegte Samm-lung. Allen diesen Sammlungen lag ein wissenschaftliches Prinzipzugrunde; der Gedanke, Handschriften als Andenken an berühmte