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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Geschichte des Autographenwesens.

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Personen zu verehren, war diesen Sammlern fremd. Dies Gefühls-moment klang erst von Deutschland her in die Symphonie desAutographensammelns hinein.

Hier hatten sich am Ende des 16. Jahrhunderts Studenten diealte Rittersitte, Stammbücher zu führen, zu eigen gemacht. DieEintragungen galten ihnen als teure Erinnerungszeichen; rührtensie vori der Hand einer gefeierten Persönlichkeit her, so umwob diePietät das Autograph mit einem Heiligenschein. Aus Deutschland stammt demgemäß die später zu einer wahren Seuche ausgearteteSitte, an Berühmtheiten mit der Bitte um ein Autograph heran-zutreten.

Luther beantwortete das Ersuchen eines gewissen Hirsfeldermit dem Autograph:

Manum meam petiisti, Ecce manum habes.

(Du willst meine Handschrift haben? Da hast du sie.)

Lucas Cranach zeichnete Luther , Melanchthon, Justus undBugenhagen und sandte jedem der vier Theologen das entsprechendePorträt mit der Bitte um eigenhändige Unterfertigung.

Luthers Autographen wurden in Deutschland besonders pietät-voll aufbewahrt. Die Ratsbibliothek zu Danzig besitzt das Froben-sche Psalterium, welches Luther als Handexemplar benutzt hat,sowie einen eigenhändigen Band Traktate, die der große Reformatorwährend seiner Verborgenheit auf der Wartburg ausarbeitete;einer von diesen wurde in der Fassung des vorliegenden Manuskriptszum Druck befördert, wie die am Rande befindlichen Bemerkungendes Setzers beweisen.

Seinem eigenen verdeutschten Wittenberger Psalter von 1533hat Luther handschriftlich einenUsus Psalterii mit seinenInitialenM. L. 1536 beigefügt; in der Mitte des 18. Jahrhundertsbefand sich das kostbare Autograph im Besitze des AugsburgerArztes Dr. G. Ulrich Schmid. Luther -Autographen betreffend, seihier eingeschaltet:

Bereits um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts verfügtedie Berliner Staatsbibliothek über eine ganze Reihe von Luther -,