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Viertes Kapitel.
Melanchthon -, Reuchlin-, Erasmus- und Scaligerhandschriften *)unbekannter Herkunft.
Bemerkenswerte Lutherbriefe besitzt die Ratsschulbibliothek inZwickau . Diese Schule ist 1546 von dem damaligen Zwickauer Rektor und späteren Ratsherrn M. Roth, einem Freunde Luthers ,begründet worden. Die erste wertvolle Bereicherung erfuhr dieBibliothek dadurch, daß 1622 der Zwickauer Arzt Dr. PetrusPoach, dessen Vater in Gemeinschaft mit Justus Jonas die Refor-mation in Halle eingeführt hatte, seine reichhaltige Bibliothek derStadt Zwickau vermachte. Im Jahre 1687 wurde der Ratsschul-bibliothek auch die Bücherei des Rektors Christian Daum mittelsdessen letztwilliger Verfügung einverleibt. Auf diese Weise sind inden Besitz der Stadt Zwickau eine Reihe von Lutherbüchern über-gegangen, welche einstmals Luthers Eigentum waren; fünf vonihnen tragen Randbemerkungen von Luthers eigener Hand. DieRatsschulbibliothek besitzt ferner ein von Hans Sachs geschrie-benes Generalregister seiner sämtlichen dichterischen Werke sowiesechs Spruchbücher von der Hand des Dichters.
Weder in Deutschland noch in England oder in Frankreich galtdie Aufhäufung von Handschriften für eine Liebhaberei oder garfür eine Modetorheit. Während La Bruyäre in seiner „Galerieder Originale des Jahrhunderts“ sich über den Siegel-, Medaillen-und Pflanzensammler belustigt, übergeht er den Autographen-freund mit Stillschweigen: Handschriften zu sammeln erschien ihmeben als ein ebenso ernster Gegenstand wissenschaftlicher Be-tätigung wie der Erwerb wertvoller Bücher.
Der erste französische Sammler, der pietätvoll Andenken anliebe Persönlichkeiten zusammentrug, scheint der große EssayistMichel Montaigne gewesen zu sein: „J’en conserve 1’ escriture,le seing, des Heures et une espece pdculiere qui leur a servi. Je lesconserve pour l’amour d’eux“, bekennt er (Vgl. S. 28).