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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Geschichte des Autographenwesens.

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können, die einen Brief von Amyot, 50 Briefe von Bossuet usw.aufwies?

Der Ausbruch der französischen Revolution knickte die zartenTriebe, welche die Liebe zum Autographensammeln am Baum derMenschheitskultur geweckt hatte. Wie der Bildersturm im Zeit-alter der Reformation die köstlichsten Werke frühgotischer Kunstverständnislos zertrümmerte, so führte die Beseitigung des fran­ zösischen Königtums zu einer planmäßigen Vernichtung aller hand-schriftlichen Erinnerungszeichen an Bourbonen und Capetinger .Die Vergangenheit war abgetan, ausgelöscht ihr Andenken. Wehedem Franzosen, bei dem die Schergen der Republik ein mitLouis

Abb. 40. Katharina II.

unterzeichnetes Schreiben vorfanden! Mittels Verfügung vom5. Januar 1793 hatte der Konvent die Ablieferung aller Pergament-urkunden an das Marineministerium angeordnet. Ein Beschluß derNationalversammung vom 4. Juli 1793 setzte sogar einen beson-deren Ausschuß ein, dem die Ermittelung und Vernichtung allernoch etwa vorhandenen Verfügungen Ludwigs XVI. oblag. Beidiesem Zerstörungswerk wanderten nicht weniger als 652 Bände,Kästen und Mappen mit unersetzlich wertvollem Geschichts-material in die Munitionswerkstätten, wo man sie zur Anfertigungvon Artilleriekartätschen verwendete.

Da sich der unselige Konventsbeschluß auch auf die im Auslandebefindlichen französischen Königsurkunden erstreckte, so mußteauch der französische Geschäftsträger beim Vatikan das Gesandt-

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