Geschichte des Autographenwesens.
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Souveräns, Kaiser Alexanders I., zahlte der russische Gesandteallein 250000 Fr.
Sicherlich überwies Napoleon viele Autographen aus seinenMappen seiner Schwester Carolina Murat , die eine kostbare Samm-lung verwahrte. Auch der Herzog von Aumale besaß einengroßen Handschriftenbestand, dessen Grundstock ein Vermächtnisder Familie Condd bildete. Ebenso kannte der neue BelgierkönigLeopold I. kein größeres Vergnügen als das Durchblättern seinerAutographensammlung.
Dem hohen Reigen der Handschriftensammler gesellten sich inDeutschland Goethe, in Österreich der Staatskanzler Metternichzu, beide auf Geschenke ihrer nichtsammelnden Freunde angewiesen.Für Goethe besorgte mitunter der Buchhändler Weigel ein Auto-graph, für das sich der Dichter durch Überlassung einer Dublettezur Vervollständigung der Sammlung des jungen Weigel erkenntlich- zeigte („Für die Sammlung Ihres lieben Sohnes lege ich wenigstensEinen höchst bedeutenden Namen bey“. Brief vom 19- Januart820). Versteigerungen und Autographenhandlungen waren damalsin den Ländern deutscher Zunge unbekannt.
Nötigenfalls mußte der Sammler seinen Bedarf in Frankreich decken.
Hier hatte sich inzwischen die Liebhaberei für das Handschriften-sammeln, die man in vielen Kreisen als „drölerie“ oder „spieen“bespöttelte, zu einer Wissenschaft veredelt. Die Autographo-philen sahen in ihrer Sammlung zum mindesten eine Magd derWissenschaft, ein Hilfsmittel für Geschichts- und Literaturforschung.Die breite Öffentlichkeit fing an, sich an die Wertung des Auto-graphensammelns als einer „affaire reelle“ zu gewöhnen.
Zu diesem Umschwung in der öffentlichen Meinung trugen haupt-sächlich die wissenschaftlichen Werke über Autographen bei, diein den zwanziger und dreißiger Jahren in Paris erschienen.
ln den Jahren 1827—1830 veröffentlichten Duchesne undChateaugiron in 30 Heften eine mit 644 faksimilierten Hand-schriften ausgestattete „Isographie des hommes cdlebresou collection de fac-simile, de lettres autographes