Geschichte des Autographenwesens.
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Beide Tische waren mit Glastafeln bedeckt, damit die Fest-genossen alles genau lesen, aber keines der Stücke berühren oderverschieben konnten.
Die Idee, unter dem Gesichtspunkte „Drei Jahrhunderte sächsi-scher Geschichte“ Autographen auszustellen, fand reichen Beifallund wurde im Jahre danach, bei der Gustav Adolf -Feier in Leipzig ,nachgeahmt. Hier stellte Weigel 375 Autographen aus seinerreichhaltigen Sammlung unter dem Gesichtspunkte „Dreißig-jähriger Krieg und Kirchenverbesserung“ im Schausaal der Stadt-bibliothek aus; E. Köhler arbeitete den Katalog aus.
Bei der hundertjährigen Gedenkfeier der Geburt Schillersveranstaltete Ludwig Bechstein im Herzoglichen Theater zuMeiningen eine Ausstellung von Autographen, Bildnissen, Medail-len usw., die auf Schiller und seine Angehörigen Bezug hatten. AuchErstausgaben und Theaterzettel Schillerscher Dramen waren ver-treten. Ein gedruckter Katalog diente als Führer.
Im Schoße der Sammler war inzwischen — zunächst in Frank reich — das Streben nach einem Zusammenschluß der interessiertenKreise erwacht.
Bereits im Jahre 1836 hatte sich Jules Fontaine für die Grün-dung einer ,,Soci6t6 d’Autographophiles“ eingesetzt. Seine Be-strebungen scheiterten an dem Mangel an dem erforderlichenAdressenmaterial. Als der Baron von Tr6mont im Jahre 1852den Plan wieder aufnahm, starb er über seiner Ausführung hinweg.Erst 1860 ging das Sehnen der ernsthaften Autographensammlerin Erfüllung, indem sich unter dem Vorsitz von Chambry undBoutron siebzehn Freunde handschriftlicher Erinnerungszeichenin Paris zu einer „Socidtd des Amateurs d’Autographes“ zusammen-schlossen. *
Zwanglos, ohne Satzungen, Aufnahmegebühren und Mitglieder-beiträge, fanden sich die Autographophilen (Mediziner, Rechts-anwälte, Baumeister, Bibliothekare, Redakteure) abwechselnd beidem einen oder dem anderen ein, um bei einer Tasse Tee einanderihre Schätze zu zeigen, ihre Erfahrungen auszutauschen, die letztenVersteigerungen zu besprechen und das damals aktuelle Thema