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Viertes Kapitel.
„Echtheit oder Fälschung?“ in allen Tonarten abzuwandeln. DerVorschlag, die kleine Vereinigung auf eine breitere Basis zu stellenund einen möglichst großen Interessentenkreis heranzuziehen, fandzunächst allgemeine Ablehnung: die „Socidtd“ kümmerte sich nichtum die Öffentlichkeit und wünschte daher auch nicht, daß das großePublikum mit seiner Spottlust und seiner Neugier von ihr Notiznehme. (Infolge des Krieges 1870/71 ist die Gesellschaft ein-gegangen.)
Wie das Autographensammeln vom Auslande her seinen Ausgangnahm, so ward im Zeitalter der „Autographendämmerung“ jederFortschritt auf dem Gebiete des Sammelwesens zunächst in Frank reich verzeichnet. Dennoch schreiten fast gleichzeitig mit derfranzösischen Sammlerorganisation Dr. Johannes Günther (alsHerausgeber) und 0. Deistung in Jena (als Verleger) in Deutsch land zu einer erlösenden Tat: sie lassen eine Monatsschrift, „Organfür Autographensammler und Autographenhändler“, er-scheinen. Diese Zeitschrift, an der Hoffmann von Fallersleben ,Ludmilla Assing , Bechstein, Preusker usw. mitarbeiten,will „ein Repertorium alles für den Autographensammler und-händler Wissenswerten darstellen“. Es will ferner „die Auto-graphenkunde allmählich wissenschaftlicher begründen, anderer-seits dem einzelnen die Erwerbungsart von Eigenschriften mehrerleichtern helfen“.
Mit Bedauern stellt das Geleitwort des Organs die Tatsache fest,„daß sich in Paris verhältnismäßig mehr Autographenliebhaberfin-den, als in unserem Gesamtvaterlande, und daß bei den in Deutsch land stattfindenden Autographenauktionen ein großer Teil wert-vollster Reliquien unserer eigenen Geistesgrößen aus Mangel an in-ländischer Konkurrenz für fremde Rechnung, zumeist im Auf-träge französischer, italienischer und amerikanischer Sammler er-standen, dem Vaterlande also für immer entzogen werden“.
Trotz der Gediegenheit seines Inhalts — wenigstens im erstenJahrgang — und der Notwendigkeit seines Erscheinens ging das„Organ“ bereits nach zweijährigem Bestehen ein. Die vater-ländische Tat, welche die kostbaren autographischen Schätze dem