Geschichte des Autographenwesens.
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Deutschen Reiche erhalten wollte, wurde ebenso wenig gewürdigtwie das Streben des Herausgebers, durch einen zu billigem Preisefür den Interessenten durchgeführten Tauschmarkt dem deutschen Sammler die Anschaffung von Autographen zu erleichtern, in denmeisten Fällen sogar erst zu ermöglichen, gab es doch in denLändern deutscher Zunge noch keine Spezialgeschäfte für Auto-graphen.
Der Gedanke einer Sammlerzeitschrift größeren Stils wurde zweiJahre danach wieder aufgenommen, allerdings in Frankreich . Hierhatte bereits in den zwanziger Jahren eine kleine Zeitschrift„L’Autographe“ das Sammeln zu demokratisieren versucht. DieZeit war aber noch nicht reif gewesen für eine Verbreitung des Auto-graphensammelns auch in den minderbegüterten Familien.^ DieZeitschrift ging deshalb nach kurzem Bestehen wieder ein.f Als nun Jacques Charavay (18H—1867) in Paris sich vomSammler zum Händler entwickelt und 1843 die Firma Charavaygegründet hatte, erkannte er die Notwendigkeit einer dauerndenregelmäßigen Verbindung zwischen Sammler und Händler und ließ1845 zum ersten Male sein „Bulletin mensuel“ erscheinen,d. h. einen erweiterten Lagerkatalog. Im Juni 1864 erschien bereitsdie 136. Nummer; im September 1922 erschien die 548. Nummer,wie seit Jahren als Lagerkatalog der Firma.
Die Bulletins enthielten ursprünglich fortlaufend eine voll-ständige Liste der bis zur Herausgabe der gerade vorliegendenNummer erschienenen Kataloge, eine alphabetische Liste aller bisdahin im Handel vorgekommenen Autographen, eine Liste un-edierter Stücke (denen oftmals ein Faksimile beigegeben wurde),eine chronologische und analytische Liste der Kataloge seit dem17. Jahrhundert, Notizen über die öffentlichen und Privatsamm-lungen des In- und Auslandes, eine Totenschau über die beim Er-scheinen der Nummer als verstorben gemeldeten Sammler undHändler und endlich eine allgemeine Chronik des Autographen-wesens.
Obwohl die deutsche Autographenzeitschrift ihr Erscheineneingestellt hatte, blieb dennoch auch in Deutschland das Interesse
Wölbe, Autograpben. 12