Geschichte des Autographenwesens.
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energischen Kampf gegen die Autographenfälschungen, indem eralle Prozesse gegen die Fälscher sorgfältig registrierte, andrerseitsverdächtige Stücke rücksichtslos an den Pranger stellte.
Namentlich in Frankreich hatte das Verbrechen, Autographenzu fälschen und zu verfälschen, und namentlich Autographen ausden Bibliotheken zu entwenden, überhandgenommen, und zwardermaßen, daß 1851 ein dickes Buch, „Dictionnaire des pi£cesvolles dans les biblioth&ques“, von Lalanne und Bordier, erscheinen(vgl. S. 513) und der Justizminister an die Akademie der Wissen-schaften die Frage richten mußte, „durch welche Mittel die Ver-fälschung der Staats- und Privaturkunden am sichersten zu ver-hüten sei“.
In Deutschland erregten die Verkäufe nachgemachter Luther-Handschriften und namentlich der gegen den Architekten GeorgHeinrich Karl Jakob Victor von Gerstenbergk vor dem Kreis-gericht zu Weimar am 27. und 28. Februar 1856 durchgeführteRiesenprozeß wegen Fälschung Schillerscher Handschriften dasgrößte Aufsehen 1 ).
Auch England hatte seinen Anteil an den Sensationsprozessenwegen Handschriftenfälschungen. In London wurden nämlich im
*) Als Autographendieb größten Stils bleibt ein Italiener Guillaume Libri , der später das französische Bürgerrecht erwarb, für immer ge-brandmarkt. Als Mathematiker fand er ungehinderten Zutritt zu denPariser Bibliotheken, aus denen er in den Jahren 1835—1848 kostbareStücke entwendete, um sie an Lord Ashburnham in London — der vonder Herkunft der Autographen keine Ahnung hatte — zu verkaufen.Unkenntnis des Autographenwesens, Unordnung in den Bibliotheken,das Fehlen von Verzeichnissen und Stempeln hatte das Verschwindender Stücke begünstigt. Dazu kam, daß die Bibliotheksleiter die Ver-ringerung der Bestände um „wertlose Papiere“ stillschweigend duldeten.In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden Schritte be-hufs Zurückführung der gestohlenen Autographen nach Frankreich unter-nommen. ln neuerer Zeit kommen Autographendiebstähle kaum vor.Als im Jahre 1920 aus dem Schlosse Harnekop bei Wriezen ein aus demNachlaß des Feldmarschalls Grafen Haeseler stammender wertvollerBrief Blüchers gestohlen wurde, erregte dieser Frevel allgemeinenAbscheu.
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