Geschichte des Autographenwesens.
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Nach seinem Hinscheiden ging die Sammlung laut letztwilligerVerfügung in den Besitz seiner Nichte Ludmilla Assing über, dieihr die autographischen Nachlässe der Dichter Apollonius von Maltitz (f f870) und Fürst Hermann Pückler (11871) an-gliederte. Nach dem Tode der Ludmilla Assing wurde die Samm-lung 1880 von Florenz nach Berlin überführt und in einem be-sonderen Raume der Staatsbibliothek als „Sammlung Varnhagen“aufgestellt. Als Nachtrag wurden ihr Rahels Familienpapiere lautVermächtnis des Kaiserlichen Bibliothekars Walter Robert Tornow (fl895) überwiesen.
Die wenigen Stücke, die Varnhagen in einem Zeitraum vonfünfzig Jahren zu seiner Sammlung käuflich erwarb, lieferte ihmdie Berliner Buchhandlung Georg Reimer bzw. Richard Zeune.
Zeune hatte Varnhagen im Hause seines Vetters, eines Herrnv. Platen, kennen gelernt. Wie Varnhagen , legte sich auch Buch-händler Zeune ein Stammbuch an und unterbreitete es alserstem dem erfahrenen Sammelkollegen zur Eintragung. Zeune sammelte, aber hauptsächlich um die Stücke weiterzuveräußern— der erste marchand-amateur in Deutschland ! Als er eine hin-reichende Anzahl von Autographen beisammen hatte, übergab erdie Kollektion seinem Freunde E. Mecklenburg zur Versteige-rung. An- und Verkauf größerer Stücke setzten den jungen Zeune bald in die Lage, sich zunächst in Leipzig , später in Berlin selb-ständig zu machen. Als Zeune sich zur Ruhe setzte, ging das Ge-schäft in den Besitz von August Spitta über, dessen Autographen-bestände die Berliner Antiquare Stargardt und Liepmannssohn1908 meistbietend liquidierten.
Die Firma J. A. Stargardt besteht seit 1834 als Buchhandlung.Während sie in den ersten Jahren und Jahrzehnten Autographennur nebenher führte,' hart sie diesen Geschäftszweig in den letztenJahren in den Vordergrund gerückt, namentlich nachdem ihr dieVersteigerung der gewaltigen Sammlung des Bankiers Meyer Cohn(1905) übertragen ward.
Leo Liepmannssohn ist gleichfalls aus dem Buchhändler-Stande hervorgegangen. Während des zweiten Kaiserreichs hatte er