Goethe als Autographensammler.
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Auffällig ist ferner, daß Goethe auch jede Notiz über die Artdes Autographen — ob ganz eigenhändig oder nur eigenhändigunterzeichnet, ob Gedicht, Albumblatt, Quittung oder abgeschnit-tene Unterschrift — unterläßt.
Da Major von Knebel zu den vertrautesten Freunden desGoethe-Hauses gehörte, so ist anzunehmen, daß er eins der erstenExemplare des Autographenverzeichnisses erhielt. Sicher ist, daßihm Goethe am 28. Dezember einen Abdruck übersandte. In demBegleitschreiben hieß es:
„Meine Sammlung von Handschriften vermehrt sich jetzt fasttäglich. Ich lege ein Blättchen des Verzeichnisse bei, das Du jawohl gelegentlich einmal nach Nürnberg oder sonstwohin sendest.“(In Nürnberg lebte der als Autographensammler bekannte Chr.Th. von Murr!) \
Bei dem gedruckten Aufruf ließ es der Dichter nicht bewenden.Eckermann, der Anfang 1831 Goethes Briefe durchforschte undAnhaltspunkte für deren künftige Herausgabe in Paragraphen zu-sammenfaßte, stellte fest, daß in den Briefen von 1811 und 1812etwa zwanzig Stellen vorkamen, wo Goethe um Handschriften be-deutender Persönlichkeiten bat.
Diese gedruckten und brieflichen Gesuche zeitigten einen Erfolg,der Goethes kühnste Erwartungen übertraf. Die sehnlichst er-wünschten Stücke, deren er zur Vervollständigung seiner Sammlungbedurfte, gingen jetzt in Fülle ein. Herzog Karl August stelltesich als einer der ersten ein; er befahl mittels Kabinettsorder denherzoglichen Kanzleien, aus alten Urkunden, Patenten usw. dieUnterschriften herauszuschneiden, mit denen er dann den Dichtererfreute.
Von den Freunden scheint sich Friedrich Heinrich Jacobibesondere Mühe gegeben zu haben, Goethe gefällig zu sein. Ganzbegeistert dankt dieser, d. d. Karlsbad , den 10. Mai 1812:
„Deine kostbare Gabe, teuerster alter Freund, hat mich in Jena ereilt, in dem Augenblick, da ich im Begriff war, nach Karlsbad zureisen, woher Dir denn auch dieses zukommt. Die übersandtenBlätter sind mir von unendlichem Wert; denn da mir die sinnliche
Wölbe, Autographen. 14