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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Echtheit und Fälschung.

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standhalten. Es gibt tatsächlich Nachbildungen von so verblüffen-der Übereinstimmung mit dem Original, daß eigentlich keinSammler für die Echtheit aller seiner Stücke die Hand ins Feuerlegen kann.

Nüchterne Sammler, die mehr der Verstand als das Gefühl leitet,hüten sich, den Erwerb neuer Stücke Freunden und Zunftgenossenmitzuteilen, ehe sie sich nicht zweifelsfrei von deren Echtheit über-zeugt haben. Machen sie bei der chemischen Untersuchung oderbei der graphologischen Vergleichung die Wahrnehmung, daß sieeinem Betrüge zum Opfer fielen, so brauchen sie bei dem materiellenSchaden wenigstens nicht obendrein den Spott zu fürchten.

Der Sammler hat sorgfältig zu unterscheiden zwischen einerbewußten Fälschung und einem meist zu wissenschaftlichem Zweckehergestellten Faksimile; wissenschaftlich, wenn es dazu dient,die äußere Form eines schlecht erhaltenen, mit immer blasserwerdenden Tinte geschriebenen Stückes zu bewahren, seltene undanderweitig interessante Autographen weiteren Kreisen zugänglichzu machen, sowiefür die Beurteilung der Echtheit von Schrift-stücken gewisse Vergleichungspunkte zu liefern.

Der Sammler, welchem ein Autograph zum Kauf angebotenwird, überzeugt sich im Falle des leisesten Zweifels von dessenEchtheit, indem er eine Feder in eine Säure taucht und einen Tropfender Flüssigkeit auf die letzten Buchstaben des Schriftstückes fallenläßt. Wenn die Tinte verschwindet, so ists ein Autograph; wennsie auseinanderläuft, ists ein Faksimile.

Ein Tropfen Chlorkali genügt, um festzustellen, ob eine Nach-bildung mittels Lithographie oder mittels Handschrift vorliegt:Chlorkali bleibt der fettigen Druckerschwärze und der Lithographiegegenüber unwirksam, während es die Tinte angreift.

Die Herstellung eines Faksimiles erfolgte ursprünglich mittelsDurchpausens und Übertragung auf Holz oder Stein. Das Auf-kommen der Lithographie erleichterte die Nachbildung von Auto-graphen. Aber erst die Photographie ermöglichte die Autographen-reproduktion in vollendeter Form. Daneben bedient man sich derPhototypie, der Heliogravüre und der Autotypie. Dies Verfahren