Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
JPEG-Download
 

354

Zehntes Kapitel.

es belanglos, ob die Besucher sich eigenhändig eintrugen odereiner gleich für mehrere. Dem Eisernen Kanzler nahm häufigsein ihn begleitender Sohn, Graf Herbert Bismarck, diesePilicht ab, indem er wie Abb. 69 S. 353 einschrieb.

Eine Fälschung bedeutet solch ein Blatt selbstverständlichnicht. Es ist aber ebensowenig einechter Bismarck.

Wie mit dieser Bismarck-Autotypie verhält es sich mit Litho-graphien.

Dr. Hans Brendicke erzählt:Ein großer Unbekannter legtemir kürzlich ein sauber lithographiertes Schriftstück vor, .Königs­ berg , den l9ten Januar 1808, mit der angeblich eigenhändigenUnterschrift des Königs ,Friedrich Wilhelm* nebst fünf Zeilen vonderselben Hand: ,Das Cürassier-Regt. wird sich jederzeit und beyallen Vorfällen der erneuten militärischen Auszeichnung würdigzeigen.* Das Schriftstück ist ,An die Cürassier-Brigade* unterKommando des Majors v. Cunow gerichtet. Es wird dem Feld-marschall Graf Kalkreuth aufgetragen, zwei alte Standarten desRegiments von Quitzow aus dem Zeughause der neuformiertenBrigade zu übergeben. Nun hat ja Senefelder bereits 1794 dasSteindruckverfahren erfunden, aber nur für Noten und Landkartenverwendet und erst 1808 in München seine Anstalt erweitert. AufBriefe, Urkunden, amtliche Schriftstücke wurde die Lithographieerst 1820 bis 1830 ausgedehnt und in Staatskanzleien eingeführt,so daß der Text echt und später lithographiert sein kann, die Unter-schrift ,Friedrich Wilhelm* aber sicher von fremder Hand hinzu-gefügt worden ist.

Wellington hatte eine so ausgebreitete Korrespondenz, daßer sich gezwungen sah, sich lithographierter Formulare zu bedienen.Diese geben die Handschrift des Feldmarschalls so täuschend wieder,daß diese Rundschreiben, Danksagungen, Beileidskundgebungenusw. vielfach als Originalbriefe in den Handel kamen. Der Ankaufsolcher Nachbildungen war nicht erforderlich, da man angesichtsder ungeheuren Menge von Wellington -Autographen einen eigen-händigen Brief des großen Feldherrn für einen sehr geringen Betragbekam.