Echtheit und Fälschung.
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Gleichfalls auf dem Wege lithographischer Vervielfältigungwurde zu Schillers hundertstem Geburtstage ein Brief des Dichtersan seine Schwester in Tausenden von Abdrücken verbreitet. Dadie Reproduktion dem Original täuschend ähnlich sieht, so wähnensich glückliche Kinder von heute, die das Stück in alten Familien-papieren aufstöberten, als Besitzer eines kostbaren Schillerauto-graphen.
Ein eigenartiges, in der Öffentlichkeit unbekanntes Schiller-Autograph hat Friedrich Förster, der ein halbes Jahrhundertlang im Mittelpunkt des geistigen Lebens in Berlin stand, gleich-falls zu Schillers Jahrhundertfeier in Faksimile veröffentlicht: eine„Bittschrift“, welche Schiller bei seinem Aufenthalt in Loschwitz als Gast der Familie Körner an die Frau Rätin richtete, als ihnder Lärm der Wäscherinnen bei seiner Arbeit an „Don Carlos“störte. Der Briefumschlag, eine Art bläuliches Zuckerpapier mitdrei großen roten Oblaten,' trug die Aufschrift:
Unterthänigstes Pro Memoria an die Consistorialrath Körnerischeweibliche Waschdeputation in Loschwitz . Eingereicht von einem nieder-geschlagenen Trauerspieldichter.
Die „Bittschrift“ selber, in fester, deutlich leserlicher Schriftniedergeschrieben, lautet:
Dumm ist mein Kopf und schwer wie Blei,
Die Tabaksdose ledig,
Mein Magen leer — der Himmel seiDem Trauerspiele gnädig.
Ich kratze mit dem FederkielAuf den gewalkten Lumpen,
Wer kann Empfindung und GefühlAus hohlem Herzen pumpen?
Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,
Es scharrt die Küchenzofe, > ^
Und mich — mich ruft das FlügeltierNach König Philipps Hofe.
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