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Zehntes Kapitel.
Ich steige mutig auf das Roß;ln wenigen Sekunden
Seh’ ich Madrid — am KönigsschloßHab’ ich es angebunden.
Ich eile durch die Gallerie
Und — siehe dal belausche
Die junge Fürstin Eboli
ln süßem Liebesrausche.
Jetzt sinkt sie an des Prinzen BrustMit wonnevollem Schauer,
In ihren Augen Götterlust,
Doch in den seinen Trauer.
Schon ruft das schöne Weib Triumph 1Schon hör’ ich — Tod und Hölle!
Was hör’ ich? — einen nassen StrumpfGeworfen in die Welle.
Und weg ist Traum und Feerei,
Prinzessin, Gott befohlen 1
Der Teufel soll die Dichterei
Beim Hemdenwaschen holen 1
Gegeben in unserem jammer-vollen Lager ohnweit dem Keller.
Haus- und Wirtschaftsdichter.
Frau Rat Körner hat später dies Gedicht mit dem Umschlagihrem Freunde Förster verehrt, der es in seiner Autographenmappetreulich hütete. Häufig genug wurde er ersucht, seine handschrift-lichen Kostbarkeiten zu zeigen, und hierbei hat ein pfiffiger SammlerSchillers Urschrift gegen die eben erwähnte Uithographie aus-getauscht und in das dem Besitzer verbliebene echte Kuvert hinein-gesteckt! Friedrich Förster schließt die Erzählung dieser Tragi-komödie mit der Erklärung: „Sollte früher oder später einmal dasOriginal zum Vorschein kommen, so würde ich es als mein Eigen-tum beanspruchen.“
Ja, ja, die Lithographie!