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Zehntes Kapitel.
Über die Echtheit der Namenszüge Karls V., Colberts usw.vgl. S. 222.
Vorsicht empfiehlt sich ferner beim Ankauf von eigenhändiggeschriebenen Besuchskarten, da auch diese oft genug Nachbildun-gen in Lithographie darstellen.
Aus Gründen der Bequemlichkeit, keineswegs um ein Faksimileals Urhandschrift auszugeben, haben vielbeschäftigte Dichtereinen Denkspruch in Lithographie nachbilden lassen und das Blattallenfalls mit ihrer eigenhändigen Unterschrift versehen, Auto-graphensammlern übermittelt, z. B. August Wilhelm vonSchlegel:
Indischer Spruch.
Des Lebens gift’ger Baum bietet zweierlei süße Früchte doch:Edel gesinnter Freund’ Umgang und der Dichtung Ambrosia.
Bonn , d. 24sten Januar 1838. A . w . von Schlegel.
Sonderbarerweise lassen sich gerade verständnisvolle Sammleram ehesten täuschen. Einerseits besticht sie der geringe Preis desStückes, dessen Ankauf sich somit als ein vorteilhaftes „Geschäft“darstellt, andererseits sind sie in die angebotene „Kostbarkeit“gleich beim ersten Anblick so verliebt, daß sie gegen deren Be-schaffenheit blind sind. Der Sammler ist von der Reellität desberufsmäßigen Händlers, der die Echtheit der Autographen garan-tiert, so felsenfest überzeugt, daß er auf Treu und Glauben auchbei den Gelegenheitshändlern kauft. Der geschulte Antiquar lehntnicht nur den Ankauf jedes irgendwie verdächtigen Stückes ab, ernimmt auch jedes verkaufte Autograph bei dem geringsten Zweifelan dessen Echtheit bereitwillig zurück. Daher droht die Gefahrdes Betruges niemals von seiten des Händlers — er müßte dennselber das Opfer eines Betruges geworden sein! — wohl aber häufigvon dem verkaufenden Nichtfachmann, der von dem Wert der„Kostbarkeit“ keine Kenntnis zu haben behauptet und sich deshalbmit dem vereinbarten — im Verhältnis zu einem echten Auto-graphen geringen — Preise „gern begnügt“.