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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Echtheit und Fälschung.

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Wenn dementsprechend Privatleute handschriftliche Kost-barkeiten billig anbieten, so ist äußerste Vorsicht anzuraten!

Der Sammler mit bescheidenen Mitteln wird glücklicherweiseselten das Opfer des Betruges: eine Urkunde mit der UnterschriftFriedrich Wilhelms III. lohnt ebensowenig die Mühe einerlithographischen Nachbildung wie ein Stammbuchblatt vonE. M. Arndt oder ein Brief von Gutzkow . Mit dergleichen Klei-nigkeiten geben sich die Fälscher nicht ab; Schiller, Beethoven ,Byron, Burns, Voltaire lohnen sich eher. Dagegen werdenBibliophilen , welche alte Bücher mit Widmungen oder Bemerkun-gen von der Hand ihrer Verfasser erwerben, sehr häufig betrogen.Fälschungen dieser Art sind leichter als die Nachbildung vonBriefen, Quittungen und Albumblättern, weil das alte Buch wenig-stens einwandfreies Vorsatzpapier mit Wasserzeichen und denüblichen Stockflecken bietet. Hier bedarf esnur einer Fälschungder Schriftzüge mit verblassender Tinte.

Einen nicht unwesentlichen Beweis für die Echtheit einer altenKaiserurkunde bildet das ihm aufgeprägte oder an ihm befestigteSiegel .

Bis zum Ausgange des Mittelalters wurde zum Verschluß einesBriefes Bienenwachs gebraucht wer also einen Lutherbrief miteinem Verschluß aus heutigem Siegellack anbietet, besitzt zweifellosein Falsifikat. Das Bienenwachs war entweder gelblichbraun oderrot, grün und schwarz; die rote Farbe wurde durch Beimengungvon Zinnober, die grüne durch Grünspan, die schwarze durch Zusatzvon Kienruß erzeugt. Zur Schonung des Petschafts legte man überdas Wachs ein Stück Papier , auf dem nun das Siegel abgedrückterscheint. Die Autographen der beiden Frundsberg und Ulrichvon Huttens zeigen Siegel dieser Art.

In der zweiten Hälfte des 16 . Jahrhunderts tritt an Stelle desWachssiegels der aus China stammende Siegellack. Die ältestenUrkunden mit Lacksiegel sind ein Schreiben an den RheingrafenPhilipp Franz von Daun, datiert London , 3 . August 1554, und einBreslauer Dokument aus dem Jahre 1561. Im 17- Jahrhunderthatte sich die Sitte des Lacksiegels allgemein eingebürgert.