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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Zehntes Kapitel.

Ein Brief Shakespeares an Southampton ? Wie konnte dieserin die Hände des Absenders zurückgelangen? Aus diesem Dilemmahalf sich Ireland, indem er am Kopfe des Briefes die Bemerkungniederschrieb:Copye of mye Letter toe hys Grace offe South­ ampton . Da Ireland die Handschrift von Lord Southampton nichtkannte, so schrieb er dessen Brief mit der linken Hand, so daß derNamenszug Seiner Lordschaft wie jener von Mr. Fraser aussah.

Und niemand schöpfte Verdacht.. .

Es folgte ein fünf Strophen langes Liebesgedicht von Shake­ speare an Anna Hathaway , dem derDichter eine seidendurch-flochtene Locke ihres Haares beifügte. Ireland belustigte sich köst-lich über die Einfalt der Leute, die sich das Gedicht mit der Lockeansahen und die Seide nicht als von den Urkunden, Patenten undFreibriefen stammend erkannten, die ihnen immerhin häufig genugunter die Augen kamen! Ja, sie waren leichtgläubig genug, auchdie Echtheit von Ringen mit Haaren der Anna Hathaway nicht an-zuzweifeln! Ireland hatte diese Locken einst von irgendeinem Mädelalsgage damour erhalten.

Nach der Fälschung einiger Briefe Shakespeares an seine Schau-spielerkameraden bereitete sich Ireland zu seinem Hauptcoup vor.

In des Vaters Bibliothek fand Ireland eine Quartausgabe vomKönig Lear aus dem Jahre 1608. Hierin sagt Kent nach demTode des Königs:

1 have a journey, sir, shortly to go:

My master calls, and 1 must not say no.

Diese Verse schienen dem jungen Fälscher eines Shakespearenicht würdig. Er änderte sie also:

Thanks, sir; but I go to that unknown land

That chains each pilgrim fast within its soil;

By living men most shunnd, most dreaded.

Still my good master this same journey took:

He calls me; I am content, and straight obey:

Then farewell, world! the busy scene is done:

Kent lived most true, Kent dies most like a man.