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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Zehntes Kapitel.

Er versuchte den Nachweis zu führen, er habe die Handschriftenaus solchen Quellen bezogen, welche deren Echtheit, d. h. ihrenUrsprung von Schiller selbst, zu verbürgen schienen. Als solcheQuellen bezeichnete er den verstorbenen Bibliotheksdiener R ö m -hild in Weimar , den gleichfalls verstorbenen Buchhändler Rodeckin Jena und Schillers Haushälterin, Frau Netze, eine angeblicheFreundin von Gerstenbergks Mutter.

Gerstenbergks Behauptung, Römhild habe beim Verpackenvon .Büchern aus dem Nachlaß des verstorbenen ObermedizinalratsFroriep viele Schiller -Handschriften gefunden und entwendet, ent-kräftete Römhilds Gehilfe Wiegand: ihm sei von Schiller-Fundenseines verstorbenen Chefs nichts bekannt; am allerwenigsten habeer dem Angeklagten gegenüber von solchen Papieren Mitteilunggemacht.

Auch dem jungen Römhild war von den Schiller -Handschriften,die sein Vater angeblich beiseite gebracht hat, nichts bekannt.Die von Gerstenbergk behauptete Unterredung mit seinem Vater,betreffend Verkauf dieser Blätter, bestritt der junge Römhild aufsentschiedenste.

Besonders schwer fiel die Aussage des Geheimen Rates Froriepins Gewicht: sein Vater habe vielleicht ein paar vereinzelte Blättervon Schillers Hand, aber keinesfalls einen erheblichen Vorrat anSchiller-Autographen besessen, da er seine Handschriftensammlungin besonderen Mappen verwahrte und andererseits von der Ver-packung jener Bücher alles Schriftliche ausschloß.

Von Rodeck behauptete Gerstenbergk, dieser habe eine MengeSchiller -Autographen aus dem Nachlasse des Geheimen Kirchen-rats Griesbach und aus der Göpfertschen Druckerei in Jena , mitwelcher Schiller arbeitete, erworben.

Nach Aussage glaubwürdiger Zeugen war Rodeck weder einintellektuell noch sozial hochstehender Mann. Er hat vielleichtunter der Hand Bücher an Studenten verschachert; auf Autographenhat er sich schwerlich verstanden, am allerwenigsten hat er damitHandel getrieben. Der gegenwärtige Besitzer der GöpfertschenDruckerei erklärte, es sei allerdings üblich, daß die Setzer sich nach