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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
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Echtheit und Fälschung.

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dem Abdruck die Manuskripte aneignen, statt sie an den Verlegeroder richtiger an den Verfasser zurückzugeben; daß aberFrau Göpfert den Wert solcher Manuskripte erkannt und diesesorgfältig aufbewahrt haben solle, sei ausgeschlossen: dazu sei diefrühere Besitzerin eine zu einfache, zu wenig gebildete Frau ge-wesen. Bei der Übernahme der Druckerei durch den Zeugen habesich jedenfalls keine Zeile von Schillers Hand vorgefunden.

Den Nachlaß des Kirchenrats Griesbach betreffend, sagte dessenNichte aus, ihr Onkel habe ihres Wissens keine Schiller-Hand-schriften besessen und demgemäß keine verkauft.

Woher endlich Frau Netze die vielen Schriftstücke von SchillersHand erhalten habe, konnte sich Gerstenbergk nicht erklären; erhabe sie ihr eben ohne weitere Nachforschung nach der Herkunftabgekauft.

Da sich keine dieser von Gerstenbergk angegebenen Bezugs-quellen als solche erwies, durch welche glaubhafterweise eine sogroße Anzahl wirklicher Schillerscher Handschriften in Gersten-bergks Hand gekommen sein könnte, da ferner die Unechtheit dervon ihm ausgegangenen bis zur Evidenz erwiesen war, von keinerder Personen aber, auf welche die angeblichen BezugsquellenGerstenbergks zurückführen würden Römhild, Froriep, Rodeck,Frau Göpfert, Griesbach, Frau Netze auch nur mit irgendwelcherWahrscheinlichkeit angenommen werden kann, daß eine solcheNachbildung, welche in jedem Teil ihrer massenhaften Produkteeinen annähernd gleichen Grad von Geschicklichkeit, ja sogar den-selben Grundcharakter der Schrift zeigt, von drei oder noch mehrverschiedenen Personen geschehen sein solle, viel weniger glaubhaftist, als daß sie von einer und derselben Person geschehen sei, in derenHänden sich erweislichermaßen diese ganze Masse gefälschterHandschriften zusammengefunden, so erschien der Staatsanwalt-schaftder Beweis, daß Gerstenbergk selbst der Fälscher seiwenn auch nur auf indirektem Wege, doch mit einer so zwingendenNotwendigkeit, wie es nur überhaupt ein indirekter Beweis seinkann erbracht.

Genau wie Ireland, dessen Shakespeare -Fälschungen ihm sicher-

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