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Zehntes Kapitel.
gelegten Pascal-Briefe weichen von denen im Manuskript der„Pensees “ erheblich ab. Ferner soll Pascal in einem seiner an-geblichen Briefe an Boyle im Jahre 1652 geschrieben haben, esstehe fest, daß die Lichtwellen, die auf eine Tasse Kaffee fallen,vermöge sichtlicher Anziehungskraft an die Ecke eines Schiffesgeleitet werden. Nun war aber zur Zeit Pascals der Kaffee in Frank reich noch unbekannt: erst sieben Jahre nach seinem Tode (1669)hat der türkische Gesandte am Hofe Ludwigs XIV., Soliman Aga,den Kaffee in Paris eingeführt!
Eine Anzahl von Galilei -Autographen, die Chasles späterhinvorlegte, wurde als Fälschung abgelehnt, weil der große Astro-nom nicht Französisch konnte und hauptsächlich, weil er zur Zeit,aus der sie angeblich stammten, blind war. Einen einzigen, initalienischer Sprache abgefaßten Brief erklärte die Akademie derWissenschaften in Florenz , welcher das Stück übersandt wurde,für unecht, weil das erste Wort „avrei“ („ich würde haben“) zurZeit Galileis „havrei“ hieß. Das nächste Mal brachte Chasles den-selben Brief, abermals in italienischer Sprache, diesmal aber mit„havrei“ beginnend; der erste Brief sei nur eine Abschrift gewesen,meinte Chasles. Nun hieß aber zu Galileis Zeit die Form nicht„havrei“, sondern „haverei “ — also war der zweite Brief gleichfallsfalsch. Als endlich Chasles einen dritten Brief übergab, der endlichdie Form „haverei“ aufwies, verzichtete die Florentiner Akademieauf jede weitere Erörterung.
Die Pascal-Newton-Galilei-Frage hatte bald eine literarischeFehde zur Folge. Faugere ließ eine diesbezügliche Broschüre gegenChasles ausgehen. Die Behauptungen dieses ganz zweifellos ingutem Glauben handelnden Gelehrten wurden aber durch an-gesehene Franzosen gestützt, die unter allen Umständen für Frank reich die Ehre der Entdeckung des Gravitationsgesetzes rettenwollten. Der Rufer im Streit auf dieser Partei war Adolphe Thiers . Chasles wurde aufgefordert, seine Quelle zu nennen. Erlehnte dies ab, unter Berufungtauf seine Autographensammlung,die Hunderte von Briefen aus der Feder von Rabelais , La Bruyere ,Montesquieu , Moliere und sogar Shakespeare aufweise.