412]
Zwölftes Kapitel.
ein Duplikat der Rechnung. Zu seinem größten Erstaunen ant-wortete die Firma, sie bezahle nur, was sie bestellt habe — nämlichdie beiden Zeitungsjahrgänge, für die sie später 2 Dollar einsandte.Die Autographen habe sie nicht bestellt, drum sei sie zu ihrer Be-zahlung nicht verpflichtet.
Autographen sind nach dem Empfang sogleich einem Behältnisaus Stahl oder Asbest anzuvertrauen. Auf dem Schreibpult dürfensie nicht liegen bleiben, besonders wenn sie — anderen Leuten ge-hören.
Über die Saumseligkeit amerikanischer Antiquare — kleinerenStils — in der Erledigung der aus Deutschland eingehenden Auto-graphensendungen mußte ein Berliner Händler in einem seinerKataloge öffentlich Klage führen; daß sie ihn nahezu ein Jahr langauf Antwort warten ließen und ihm somit manches andere aus-sichtsvolle Geschäft verdarben, gehörte nicht zu den Seltenheiten. —
Wie den Reichen oft genug die Sorge anwandelt, ob seine Nach-kommen auch den mühsam erworbenen Wohlstand treu hütenwerden, so beschäftigt den Autographensammler größeren Stils dieFrage nach dem Schicksal seines kostbaren Besitzes, wenn diesereinst in andere Hände übergeht. Welch ein beruhigendes Gefühlfür ihn, wenn er in dem Bewußtsein scheiden darf, daß verständnis-volle Nachkommen das Erbe pflegen und mehren!
Wie bedauernswert aber ist ein Sammler, der sich aus wirtschaft-licher Not seines handschriftlichen Besitzes entäußern muß! Karl von Holtei ist es so gegangen.
Trotz der Regellosigkeit seiner Lebensführung bewahrte Holteialle an ihn gerichteten Briefe bedeutender Persönlichkeiten —voran von Goethe und seiner Familie — sorgsam auf. An die An-legung einer systematischen Autographensammlung ging er erstum 1850, auf Veranlassung seines Schwiegersohnes, Dr. JosefPotpeschnigg in Graz . Dank seiner vielfachen Beziehungen zu denführenden Persönlichkeiten der Literatur wuchs seine Sammlungbald zu einem wahren Schatz an. Doch traf der Dichter strengeAuslese: nur „Deutsche Literatur “ fand Gnade vor seinen Augen.Als die Trewendtsche Verlagsbuchhandlung in Breslau die hinter-