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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Siebzehntes Kapitel.

Von der tumpheit zum zwifel.

Mein Weg als Autographensammler.

In der Zeit trübseliger Wüstenwanderung, in welche der grauen-volle Friedensschluß vom 28. Juni 1919 das deutsche Volk hinein-gehetzt hat, schweift der Blick unwillkürlich in die glücklichereVergangenheit zurück und wägt prüfend Zeitalter gegen Zeitalter ab.

Wohl bedeuteten die anderthalb Menschenalter zwischen denbeiden letzten großen Kriegen eine Epoche beispiellosen nationalen,geistigen und wirtschaftlichen Aufschwungs. Dennoch hat es fürden einzelnen kaum je eine glücklichere Zeit gegeben als das zweiteDrittel des 19- Jahrhunderts.

Allerlei Neues hatte sich damals dem Schoße der Natur ent-rungen. Dampf und Elektrizität traten in den Dienst der Kultur,deren Neuschöpfungen die Welt mit atemloser Spannung verfolgte.Befreit von den Fesseln Metternichscher Einschnürung strebte dasdeutsche Volk aus der Ohnmacht staatlicher Zerrissenheitt herausnach Verwirklichung langgehegter Ideale: vivere iuvat es wareine Lust zu leben!

Der Strom geistigen Lebens, der sich von dem Weimarer Musen-hof aus ergossen hatte, durchdrang trotz der Eindämmungs-versuche seitens desJungen Deutschland alle Schichten derBevölkerung und weckte allenthalben Gemütserhebung und Freudeam Schönen. Zeitschriften und Tageszeitungen gab es damals nurin den größeren Städten; wenn sie sich in die kleine Stadt und aufsLand hinaus verirrten, so flatterten sie höchstens den Begütertenins Haus. Die einfachen Leute waren auf das Wochenblättchenangewiesen, das ihnen notdürftig kündete, was sich draußen in derWelt abspielte. Aber Goethe und Schiller waren bei Reich und