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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Vom Wert der Autographen.

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Käufer, die einzelne Unterschriften auf Versteigerungen inDeutschland kauften und hierfür auch noch unverhältnismäßig hohePreise bezahlten, erregten bei den Auktionsteilnehmern meist einmitleidiges Lächeln falls es sich nicht gerade um einen Studentenoder eine Lyzealschülerin handelte, deren unerfahrene Jugend jenetörichte Geldausgabe einigermaßen entschuldigte.

Unverständig wie die Käufer abgeschnittener Unterschriftenhandeln auch die nichtsammelnden Verkäufer von Autographen,die sich in ihrem Besitz befinden. Warum verlangen sie unver-hältnismäßig hohe Preise? Weil die Tageszeitungen nur von denauf den Auktionen erzieltenfabelhaften Preisen berichten. Selbst-verständlich denkt der Nichtfachmann.wennFriedrich der Große viertausend Mark brachte, dann ist mein Friedrich Wilhelm I. fünftausend wert, er ist ja älter! Daß es sich imersten Falle um eine vollunterschriebene mehrzeilige, kennzeich-nende Nachschrift, beim Soldatenkönige nur um einen 1. s., wie siedutzendweise Vorkommen, handelt, bedenkt der kluge Autographen-verkäufer nicht.

Von den häufig recht bescheidenen Preisen, zu denen man innormalen Zeiten Handschriften erwerben konnte, schweigen dieZeitungsberichte. Wenn demgemäß ein Gerstäcker, 1. a. s., 2 S.,30 Pf., ein Fürstprimas Dalberg, 1. a. s und ein Kaiser Karl VI. ,1. s., bei der Versteigerung Halm (1882) je 20 Pf. erzielte, so bliebdas der großen Öffentlichkeit ebenso unbekannt wie die einmütigeZurückweisung eines Julius Wolff , Poeme a. s., den Liepmanns-sohn im Jahre 1921 für 5 M. ausbot (was einem Vorkriegszeit-Geldwerte von 25 Pf- entsprach). Ein Laie, der einen ähnlichenJulius Wolff von einem längst verklungenen Presseball her besaß,hätte für seinen Schatz mindestens 500 M. beansprucht.

M.t dergleichen minderwertigen Stücken gibt sich der großzügigeSammler von heute nicht ab.

Die Nachkriegszeit, zunächst die Jahre 1920 und 1921, habeneine vorher nie dagewesene Nachfrage nach Autographen gezeitigt.Glücklicherweise waren die Händler in der Lage, der gesteigertenKauflust zu genügen. Abrn leider Gottes, mit dieser gewaltigen

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