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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Achtzehntes Kapitel.

Nachfrage paarte sich wie gesagt eine unerhörte Preis-steigerung. Wertvolle Stücke aus älterer Zeit verschwanden inMuseen, Archiven und Bibliotheken. Aber auch Stücke, die frühermit vier, fünf oder zehn Mark bezahlt wurden Geliert, Gleim,Friedrich Schlegel , Hebel, stiegen teilweise auf das Hundert-fache ihres Vorkriegspreises. Häufig wurden diese Preise von Händ-lern entrichtet, die ihre Antiquariate durch Angliederung von Auto-graphen auf eine höhere Stufe zu heben trachteten, oder solchen,die erst eine Etablierung ins Auge faßten.

In diesen Nachkriegsjahren waren Autographen von internatio-nalem Werte zwecks Exportes nach valutastarken Ländern sehrgesucht.

Bereits in der Mitte der achtziger Jahre kam (bei der Versteige-rung Bovet-Paris 1884) ein Ludwig II. , doc. s., der in Leipzig 4,10 M. gekostet hatte, auf 12 Fr. zu stehen, ein Marlborough(12 M.) auf 25, ein Admiral De Ruyter (29 M.) auf 50, ein Sweden-borg (62 M.) auf 100, ein Beranger (40,50 M.) auf 82, ein Moses Mendelssohn (20,50 M.) auf 55, ein Young (44,50 M.) auf 100 Fr.

Aber auch deutsche Sammler füllten mit Autographen ausländi-scher Berühmtheiten gern ihre Mappen. Allerdings für dieS i g n er svon 1776 war kaum Interesse vorhanden. Dennoch brauchte mankein universeller Sammler zu sein, um neben der GruppeDeutsche Literatur auch eine ReiheDichter des Auslandes zu verwahren;von den Meistern des Tones und der Palette, von den großen Ge-lehrten ganz zu schweigen. Voltaire, Rousseau , Alfred de Vigny , Chateaubriand, Beranger, Lamartine , Alfred deMüsset, Georges Sand , Victor Hugo , Flaubert , Balzac ,Zola , Coppee, Mistral mußten zum eisernen Bestände jederAutographensammlungLiteratur gehören.

ln Frankreich werden keine Autographen so hoch bezahlt wiedie der berühmten Kurtisanen der französischen Könige. Währendin Preußen kaum ein Sammler nach einem Autograph der Gräfin Lichtenau , in Bayern ebensowenig ein Handschriftenfreund nacheinem Blättchen von der Hand der Lola Montez geizt, werden inFrankreich Autographen der Agnes Sorel , der Madame Pompa-