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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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andern hatte sie zu dem lractat zu St. Germain zwischen demFranzösischen Hos und Hertzog Carl von Lothringen an. 1641.anlas gegeben, dafür ihr anfangs dcyde theile danck mußten.Aber da sie hernach den Hertzog warnete, Franckreich gedächteihn beym köpfe nehmen zu lassen, schickte dieser ihren eigenenbrief an den Cardinal de Richelieu , welcher sich deswegen sosehr entrüstete, daß er die Charlotte auf eines ihres manns gu-thern verweisen ließ, und ihm selbst, der damals in Lo­ thringen für den König commandirte, nicht mehr recht trauenWollte. Heuuvau , memoires. Bayle. *

Essars,(Petrus des) war Intendant von den finanzen desKömgs von Franckreich, Philippi Valesii , gewesen, und hattesich in solchem amte mit Nachtheil des gemeinen Wesens garsehr bereichert. Da nun einsmals gedachter König geld von-nöthen hatte, ließ er an. 1,46. nach vorhergegangener Über-zeugung ihn zu erkanssung der verdienten todes-strafe in einesumme von 10200c,. gülden verdammen, wovon ihm auf desGrafen von Flandern vorbitte die helfte erlassen ward. Einanderer Petrus des Essards, vermuthlich ein söhn oder vetterdes vorhergehenden, war noch unglücklicher. Dieser hatte desKönigs von Franckreich, Caroli VI., finanzen unter den Hän-den gehabt; da nun die stadt Paris und sonderlich die Univer-sität daselbst inständig anhielt, daß man ihn nebst andern Fi,nanciers bey dem köpfe nehmen mochte, salvirte er sich in dieNormandie . Nachdem er aber vernommen, daß der Hertzogvon Burgund, Johannes, (welchen er sich durch entdeckung ei-ner von demselben wider die 3. Printzen von Orleans vorge-habten verrätherey zum feinde gemacht hatte) mit dem Dau-phin zerfallen war, kam er nach Paris zurück und begab sich un-ter dieses letztern protection. Kaum war er 2. tage da gewe-sen , so ließ der gedachte Hertzog unter dem volck ausstreuen,daß der Dauphin bey gelegenheit eines turniers ,oo. lantzenierSdurch diesen des Essards in die stadt zu vracttciren < und selbi-ge plündern zu lassen gesonnen wäre. Wi 'wol er nun bey demheftigen tumnlt, welcher hierüber entstund, sich in die Bastille rekirirte, so belagerten ihn doch die austührische Pariser dar-innen , und brachten es durch ihre drohungen bey der desa-tznng so weit, daß dieselbe ihn dem Gouverneur von Paris ,Helion von Iaqueville, auslieferte. Selbiger ließ ihn etlichetage hernach enthaupten, seinen köpf auf eine lantze stecken, sei-nen cörper aber zu Montfancon aufhencken. Dieses geschahean. 1411. Mezemy, hist. de France tom. II. p. 417. ,63.

* Essars, (Nicolaus des ) ein Französischer Edelmann,lebte zu den zeiten Francisci I. und Henrici II. und machte sichdurch die Übersetzung des Josephi de bello Judaico, der 8.ersten bücher des Amadis , des Guevara horologii Princi-pum, und einiger romanen bekannt, welche zwar wohl nochzu selbiger zeit von einigen gelesen worden , aber heut zu tagegantz in Vergessenheit gerathen sind. Du Mume & du VeräierVuupriva bibl. Franc;. Bullet, jugem. des traducteurs.

Ess-, Cdj siehe Montlambert.

* Esse, ein kleiner siuß in Hessen , bey Fritzlar, welcher demausßuß der Eder über in die Fulda flieffet. Ayermann in dereinleitung zur Heßischen Historie der ältern und mittlern zeit-adtheil. II. c. 1. p. 106. muthmasset, daß vielleicht hzevon, weiler eben in der gegend des alten Pagi Hessen sey, das land Hes.sen den nahmen habe.

* Esse, oderEssa, ein kleiner ffuß in Nieder-Hessen, wel-cher bey Hohenkirch am Rheinhards-walde entspringet, die bey-den städtlein Grebenstein und Geißmar, wie auch andere ortevorbey gehet, und hernach bey Drengen-Aldekirch, nachdem erdie Leupe zu sich genommen, in die Dymel ausgehet. ZeiUersRerchs-Geogr. VIII. p. n,8· »170. Schneiders befchreibungdes alle» Sachsenlandes, p. 96. scq. Vielleicht mag von dem-selben das land Hessen seine benennung haben. Ayermannseinleitung zur Heßischen histor. der ältern und mittlern zeit, ab-theil. II. c. 1. p. 10S. not. **

* Essechie, oder Varia 8chirim, ein see in der Asiatischen landscvafft Georgien , Erivan und Gängen. Er hat 20. stun-den im umfang; in dessen mitte ist ein Armenisches klosterauf einer insnl, dahin diejenige Mönche, welche ein unordent-liches leben geführet, vom Patriarchen relegirt werben.

Esseck, tat. Meevm, eine stadt in dem östlichen theile vonSclavonien, an der Drau gelegen, wobey eine brücke anzutref-fen , die 8563. schuh lang und 17. breit ist, und über gedachtensiuß, einen langen morast, und den siuß Terms von besagterstadt bis zu dem kort Darda, welches auf der ander» feite ,gehet. Die stadt liegt niedrig, und die straffen sind init bäu-men besetzt, wie Brvwn berichtet. Auf der einen fette desthors ist ein theil von einer Römischen inseription, die sich mitdiesen Worten anhebt: M. iEIi. &c. auf der andern aber istein steinerner menschen-kopf. Die stadt ist groß und volck-reich wegen der guten handelschafft, die allda getrieben wirb,weil die öffentliche Passage vorbey gehet, jedoch nicht veste,weswegen es die Turcken sonderlich wegen dem lucken undmorastigen doden ehemals viel geld und mühe gekostet hat,sie zu bevestigen. An. 1,37- erlitten hier die Christen durchdie siucht ihres Feld-Marschalls des Freyherr» Johann Cazia-ners von Kazenstein, (welcher nach Valvasors beucht, durchdie untreue der Ungarn dazu verleitet worden ,) eine grosse

Niederlage, darinnen etliche tausend blieben, auch vielevornehmsten Generalen gefangen, und nach Cvnstanlinovel a,bracht wurden. Was am meisten bey diesem oit «?betn, ist, wie bereits gedacht, die drücke über die sC»und die moraste zu beyden feiten. Es ist solche von demTürckischen Kayser Solimanno an. 1,28. so bald er Griechy^Weissenburg einbekommen, erbauet worden. Sie ist so brestbaß 3. oder 4. wagen neben einander drauf fahren können!und von lauter eichen holtz. Graf Nicolaus Serini hat siibi!ge an. 1664. abgebrannt, allein die Türcken haben sie nach.gehends in 17. tagen wieder zu einem guten stand gebrasstAn. i68;. verbrannte sie zum andern mal Graf Leslie, undbemächtigte sich der stadt Esseck ; da aber das castell bestän-dig aushielt, sprengte er ihre Magazinen in die tust, plündertedie stadt, und verließ sie. An. 1686. fienqen die Türcken ansie auf eine andere art zu bauen, daß sie viel eichen-bäumein die erde hinein trieben , und so dann selbige mit erd«überdeckten, damit sie also nicht möchte von neuem durchfeuer zernichtet werden; nichts destoweniger ruinirte sie an1687. der Hertzog von Lothringen , trieb die Türcken über dieDran, und machte innerhalb wenig tagen dasjenige, woran8000. mann viele monate hatten bauen müssen, oäntzlich zu-nichte. Nachdem die Türcken an. 169°. Griechisch-Weißen,bürg wiederum erobert hatten, liessen sie sich mit einer ar.mee von 1,000. mann vor diesem orte nieder, zogen aber,ohne etwas auszurichten , wieder zurücke. Wbwnfius , hist.Hungar. Krekvtiz. in descr. Hangar. Valvasors Gratn,lib. XV. *

ISSF.DARII , waren eine art von Gladiatoribus, welcheauf einem wagen stehen , und theils mit andern ihres glei-chen , theils auch mit solchen , die zu fuß waren, streiten wü-sten , sie konnten auch, wann sie ihren Vortheil ersahen , vomwagen abspringen und zu fuß fechten; daherv sowol alsauch aus andern umständen erscheinet, daß sie knechte vorsich auf dem wagen gehabt, welche denselben regiert haben,eben so, wie es Homerus und andere alte Poeten von ihrenHelden beschreiben. Sie halten ihren nahmen von Fileäum,welches bey den alten Römern und Galliern einen offenen wa-gen bedeutet. Scbeffe;. de re vehic. Lipßus, Saturn. *

F.SSEDONES , oder 1 SSED 0 NES, waren gewisse wies«in dem Europäischen Scylhieu ohnfern der Paläste Matotis,wiewol sie Herodokns noch in Asien gegen den fluß Arares se-tzet; diese sollen die verstorbenen leichen ihrer eitern besun,gen, hernach viel opfer von Vieh dabey geschlachtet, alsdanndas fleisch des opfer-viehs mit dem fleisch der todten - cörpervermischet, und mit ihren Nachbarn sie aufgefressen haben, aus-genommen den köpf, welchen sie in gold einfassen liessen, undals eine gotlheit mit jährlichen opfern und anderm religivns-gepränge verehrten. Herodot. üb. I. & IV. Pmv. AM«,lib. II. c. i. *

Essen, lat. Estendia, eine stadt, an den grentzen des Her-tzogthums Bergen und der Graffchaffk Marck, zwischen denbeyden flüsscn Roer oder Ruhr und Emser, ungefehr 4. Teut.sche weilen von Düsseldorss, nord - ostwärts gelegen. Sie istziemlich klein, geniesset aber grosse freyheiten, deren bestäti-gung sie von dem Kayser Carolo V. an. 1,32. erhalten. Ammeisten ist sie berühmt wegen eines gantz nahe dabey befindli-chen Kayserlichcn freye» weltlichen Stifts, welchem eineAeb-tißin als Oberhaupt vorstehet. Dieselbe ist ein unmittelbarerStand des H. Röm. Reichs, wird zu dem Westphälischen krei-se gerechnet, und hat macht, auf der Rheinischen Prälaten,banck, gleich nach der Aeblißin von Quedlinburg , bey allge-meinen Reichs-versammlungen ihr vo um ablegen zu lassen.Vormals waren die Hertzoge von Bergen des Stifts Schutzher-ren ; allein an. iüoy. ,st solches recht nebst der GrasschafftMarck auf die Churfürsten von Brandenburg gekommen. DasStifts-kloster ist Benedictiner-ordens, und soll um das jähr8üo. durch den heiligen Alfridum , Bischoff von Hildesheim ,zu erst seyn erbauet worden. Nachgeheuds hat es an reich-thum dergestalt zugenommen, daß ,r. Stifts-Fräulein, undausser denselben noch 20. Stifts-Herren, nnler der Aeblißin auf-sicht, ihren überflüßigen unterhalt daselbst finden können. Al-lein es ist »ach diesem gar sehr wieder ins adnebmen aekom.men, bis endlich Theophania, eine tochler Pialtzgraf Ehren-fricds von Braweiler, es aufs neue in gute» stand qeletzet.Es pflegen keine, die nicht nun wenigsten Freyherrlichcn stau»des sind , unter die Kloster-Fräulein aufgenommen zu werben;diesen aber stehet frey, nach ihrem gefallen den geistlichen standwieder zu verlassen und sich zu vermählen. Imoof. notit. Proc.Imp. lib. III. c. 22.

* Essenay, eine stadt in Ober-Egypten, jenseit des Nist, wo-selbst man noch die Überbleibseln von einem alten EgYPtiM"temvel antrift, der durchgehends mit hieroqlyphische» sigurenbemahlet ist, aber heut zu tage vo» den Hirten dazu gebrauchtwird, daß sie über nacht ihre cameele, schaafe, ziegen rc.dahinein stellen. Die Covtijchen Christen haben hier auch einekirche, welche St. Helena , Kaysers Constantini mutter, denMärtyrern zu ehren erbauet haben soll, d«e unter Kaystr Di»cletiano den tod ausgestanden. Martinis c.

* Essenfeld, Essefeld, Eselsfeld, Essclfeld, oder Estfesfeld, eine stadt, welche Carolus ltt. an. 809. wider dieDa-