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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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land räumen muffen, also ffürtzte sie sich einen seifen herabzu tobe, dem Eunoffo aber wurde eine capelle erbauet, inwelche durchaus kein frauen-volck kommen durfte. AUermas-sen auch des Eunoffi geiff nach der zeit dem Cleidamo erschien,und sich beklagte, daß dergleichen nur in dessen hayn gekom-men sey, wannenhero denn die zu Tanagra auch sehr sorg-fältig lvaren, das weibs-volck davon abzuhalten, und da ih-nen einiges Unglück zustieß, genau nachforscheten , ob sich et-wa» eines ditzfalls vergangen habe. Plutarcbus , quaeit.Grase. 40.

EUNUCHI , waren bey den meisten alten völckern diejenigeverschittene, welchen sie die aufsicht ihrer Weiber anvertraneten,damit ihnen niemand zu nahe kommen möchte. Sie mustenallerhand weibische Verrichtungen vornehmen, z. e. den frauendie haare zu rechte legen; wenn sie schliefen, den stiegen wehren,auch wenn sie ausgiengen, mit einem Wedel neben ihnen herge-hen. Es hatten dergleichen nicht allein Kayser und Könige,sondern auch andere vornehme leuthe. An den Höfen waren siemeistentheils im grösten ansehen, indem sie stets um die Herr-

e herum waren, und mit ihnen sehr vertraut lebten. Zumtinopel waren Eunuchi so viel als Cammer - Herren.Brijjon. de Regno Pers. Kobierzycki, de luxu Rom.

Eunus, ein sclav, welcher A.U. 619. eine grosse aufruhrin Sicilien erreget, war aus der gegend der stadt Apamea inSyrien gebürtig , dienete zu Enna in Sicilien bey einem ge-wissen Antigenes, bediente sich der gelegenheit des grossenWiderwillens, den die sclaven in Sicilien gegen ihre Herren,von welchen sie fast durchgehends sehr scharf gehalten wurden,bezeugten. Zu beförderung seiner fache stellte er sich, als ober weissagen könnte, und mit einigen göttern, sonderlich derDes Syiia , vielmal gesprache hielte. Über dieses wußte erauch unter dem reden feuer aus dem munde zu blasen, ohnedie allergeringste beschädigung davon zu empfangen , welchekunst zu selbiger zeit noch bey weitem nicht so gemein war, alssie seither gewesen. Doch dieses alles erregte er eine gefährli-che aufruhr; der ansang wurde um die stadt Enna gemacht,welche diese sclaven einnahmen , und bey nahem alle ihre vo-rige Herren mit gröster marter hinrichteten. Eunus wurdealfobald zum König ausgeruffen, nahm alle Königliche ziera-Ihen an, ließ auch sein weid , so er schon im sclaven-stande ge-heurathet, und ebenfalls von syrischer anknnft war, zurKönigin crönen, wollte dabey nicht mehr Eunus , sondernAntivchus , nach dem nahmen einiger berühmter SyrischerKönige genennet werden. Als dieser bericht durch die gantzeinsul erschollen , hatte er einen ungemeinen zulauf, so daßrr in kurtzem bey 60000. mann um sich hatte; sonderlich wardarunter ein gewisser Cleon aus Cilicien , der sich zuvor langeauf das rauben geleget, und Achäus aus Achaja gebürtig,deren ersten Eunus zu feinem Feldherrn, den andern aber,samt noch mehrern, zu seinem Rath machte, worzu sie auchin der that sehr tüchtig waren. Ohnaeachtet es nun anfangsdieser canaille an bequemen Waffen fehlete, so erhielten sie dochziemliche Vortheile wider die Römische trouppen, so unter demcommandv Manilii, Lentuli, Hypsai und Fulvii stunden, schaff-ten sich dadurch die nöthige Waffen, eroberten alle orte, dienicht wohl bevestigt waren, und giengen mit den Herren, soihre knechte nicht wohl gehalten, sehr unbarmhertzig um. Alsauf solche weise ihre fachen ein jähr lang ziemlich wohl gieri-gen , fieng sich blat an zu wenden, als der Bürgermeister T.Calvurnius Diso , mit dem zunahmen Frugi, wider sie zuselbe zog, und die vorherige schlechte krieas-zucht der in Sici-lien gestandenen armeen mit fleiß verbesserte. Dieser schlugsonderlich die sclaven von der belagerung der Mamertinorummit vertust von mehr als 8000. mann weg; welcher stadt dieseum so viel aussätziger gewesen waren, weil aus deren alleinniemand zu ihnen gefallen war, welches der gute und mildig-keit der dortigen burger gegen ihren sclaven zuznschreibenwar. Nach Pisone folgte P. Rupilius, (an dessen statt Flo-rus fälschlich M. Perpernam setzet) welcher dem krieg völligein ende machte ; Massen die rebellen , nachdem sie einmalmit Nachdruck geschlagen und zerstreuet wurden , sich theilsunter einander selbst umgebracht, damit sie nicht in der Rö-mer Hände fallen müssen , theils, wo sie von diesen gefangenwurden, ohne gnade niedergemacht , mehrentheils auch auscreutz gefesselt worden. Der saubere König Eunus hatte sichin gewisse hölen versteckt, wurde aber mit vier andern, alsseinem koch, becker, bader, und schalcks-narren, (woraus manabnehmen kan, welche art von Ministern dieser seltsame Königam meisten werth hielte,) ergriffen, und in den kercker der stadtMorgantia geschmissen, allwo ihn bald die läuse-sucht überfiel,an deren er auch elendiglich gestorben. Diod. Sie. lib. XXXIV.elog. 2. Liv. epit. lib. LVI. LVIII. LIX. Flor. lib. III. c. 19.Jbnm. Marcell. üb. XIV. *

EVOCATI, wurden zu Rom diejenige soldaten genennet,die ihre gesetzte jähre ausgedienet hatten. Sie wurden deswegennicht gezwungen, sondern nahmen freywillig kriegs-dienste an,durften auch nicht alle dienste, so andern soldaten zukommen,verrichten; und wurden eingentlich nur zu den schlachten vorbe-halten. Denn es waren mehrentheils alte und versuchte solda-ten , die das ihrige schon gethan hatten, und nur diesem oderjenem Lonüili oder General zu gefallen mitgiengen. Sie warenauch mehrentheils um den General herum, weil er sich auf sie

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am besten verlassen konnte. Siehe hievon ein mchreres in hm,art. EMERITI . Lipßus , de mil. Rom . * m

Evodius , ein Patriarch zu Amiochien, wird für ben nach.folger Petri in dieser würde gehalten, welche ihm an. 4° ob»44. soll ertheilet worden seyn. Syncellus will, daß er sie mcephorus aber,daß er sie 2;. jähr besessen,und sein leben mit einemMartyrer-tode beschlossen habe. Nicephorus Callistus legt ihmCommentarios , absonderlich aber einen brief bey, welcher hmtitul des lichts geführet. Es ist aber bey den Gelehrten schonlangst ausgemachet, daß derselbe von einem solchen mann und soalten kirchen-scribenten nicht seyn könne. Viele, sowol unter denGriechen als Lateinern, glauben, daß er mit Evvdia, deren Daulus in dem 4. capitel der Epistel an die Philipper gedenckel, ei.nerley sey. Es kommet aber diese einbildung lächerlich heraus^massen die Evvdia bey dem Apostel Paulo eben so gewiß ein weidgewesen ist, als Evodius der Patriarch zu Antiochien ein mannNictpbor. Callißi histor. eccles. lib. II. c. 3. Eufeb. in chron*an. 4;. & lib. III. still. c. 16. Baronius. Cave &c. *

Evodius, ein Bischofs von Uzalis i» Africa, welcher an42 °. florit, und mit Augustino sehr wohl gestanden. Orofiushat ihm einige reliquien von deM H. Stephans verehret, weswe-gen er eine grosse kirche auferbauet; und als durch selbige vielwunder geschahen, ließ er die gantze Historie aufzeichnen. Er hatviel briefe an Äugustinum geschrieben, die unter des letzter» wer.cken befindlich. Man leget ihm auch ein buch bey von dem glau-ben oder von der einigkeit der dreyen Personen in der Gottheitwider die Manichäer. Cave, still. lit.

Evodius oder Evodus, ein Lateinischer Poet, welcher sehrgute Epische verse geschrieben, die aber schon zu des Suidä zeltenverlohren waren; er lebte unter Kayser Nerone. Suidas . *

* Evoli, oder Eboli, lat. Ebolus, Ebolum, eine kleine stadtim Neapolitanischen in Prindpaco citra, mit dem titul einesHertzogthums, sechs weilen von dem Golfo di Salem» gelegen.

Descrittione di tutta lItalia, p. 199. Martiniere.

Evora , lat. Ebora , ist die Haupt-stadt in der provintz Alen-tejo in Porlugall, welche von Paulo III. auf des Königs vonPortugall, Johannis III. , anhalten, in einen Ertz-Bischöfflichensitz verwandelt worden; nachdem von den ältesten zelten her all-da ein Bifthöfflicher sitz gewesen war, davon die Verzeichnis derBischöffe bis auf den letzten bey Resendio zu finden ist. Siewird vor die andere stadt des Königreichs gehalten. Der Cardi-nal Henricus war der erste Ertz-Bischoss, und gelangte von die,sem amt nach dem tobe des Don Sebastian zur Königlichenwürde. Gedachter Henricus hat allhier die Academie angeleget.Über dieses ist auch daselbst ein Officium Inquisitionis zu finde».Resendio, de ant. Eborse; Edovard Nunnez, desc. dePort. Mi-

raw, geogr. eccles. Schauplatz von Spanien und portu,

gall. *

Evoramonte, eine stadt in Portugall in der provintz Alen-

tejv , vhnweit Evora . Colmenar, delic.

* Eupatoria , eine alte Paphlagonische stadt in Klein-Asten ;sie hat diesen nahmen von Mithridate Eupscore bekommen,welcher sie zu bauen angefangen hat, hernach ließ sie Pom-peius Magnua Magnäpolis nennen. Sonsten ist noch eine an-dere stadt, die gleichfalls, wie diese, Eupatoria heiffet, welcheder nemliche Mithridates auch hat aufbauen, und nach seinemzunahmen also nennen lassen; diese liegt sehr nahe der stadtAmisis, und ist so wie daran angehenget, und fast als eine ihrerVorstädte anzusehen gewesen: sie hat auch in Veränderung ihresnahmens, wie die erstgemeldte, das nemliche geschicke gehabt,dann sie nach einem Pompejo (welches ohne zweifel der grosseist,) hernachmals Pompejopolis genennet worden. 7 bomasCorneille , Dict. Geograph.

* Euphaes, folgte dem Androcles in dem Königreiche derMessenier, zur zeit als Theopompus zu Lacedämon regierte, undAechmis in Arcadia den scepter führete. Unter diesem Königefieng der bekannte und langwierige krieg zwischen den Lace«dämoniern und Messeniern an, und zwar im zweyten jähre derIX. Olymp. 74,. jähr vor Christi geburt. Alcamenes, welcherzu dieser zeit König der Lacedämonier gewesen , nahm Am-phium, eine stadt ohnferne von Messeniern gelegen, weg, wes-wegen sich Euphaes mit einer Messenischen armee wider ihnheraus machte, und den Lacedämonier» eine schlacht lieferte,welche beyderseits so hartnäckig geivesen, daß nichts als dienacht beyde armeen trennen konnte. Diese schlacht fiel indas dritte jähr der erstgemeldlen Olymp. Das folgende jährschlüge sich Euphaes noch einmal mit Theopompo und Polvdo-ro, dem söhn Alcamenis; sie giengen aber wieder mit fast glei-chem Vortheil aus einander. Endlich wurden die Meßenier dtskriegens müde, und bevesiigten Ilome, und zogen sich wiederzurücke in ihr land. Im zweyten jähre der XII. Olymp,giengen die Lacedämonier diese stadt anzugreiffen, und die zweyarmeen wagten noch ein treffen mit einander, stritten aber wic-drum so hartnäckig, daß der sieg auf keine seile fiel, und dadie nacht sie zum dritten mal aus einander setzete, hatten siewiederum beyderseits das vergnügen, sich des bessern Vortheils zurühmen. Euphaes aber hatte das ungluck, in dem treffen so hartverwundet zu werden, daß er daran etwas zeit hernach sterbenmuffe, da er 13. jähr regieret hatte. Fausamas , m Messemacis.Marshami canon chronicus. Du Pin , bibhotheca umverl.

histor. profan. EuplM-