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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Ungarn , und ließ sich den 28. oct. 1527. davon gleichfalls zumKönige crönen. Der Woymode Johannes, welcher wohl sahe,daß er an macht dem Könige Ferdinande unterliegen raufte, be-klagte sich deswegen bey dem Papste, dem gesamten Reiche, undden Königen von Franckreich, Engelland und Polen . Well eraber durch anzügliche reden nur Verbitterung der,gemuther an-richtete,und wohl erkannte, daß er ohne fremde hulffe nicht lan-ge würde bestchen können, nahm er seine zufluchl zu dem Turcki-schen Kayser Solymanno, dem er, so fern er ihm zu dem König-reiche vcrhelffen würde, jährlich einen grossen tribut zu erlegenversprach. Solymannns ergriff diese gelegenheit, und gienq miteiner armee von 300000. mann an. 1329. vor die Haupt-stadtWien , muste aber endlich, nachdem ihm 20. haupt-stürine mitVerlust 60000. mann abgeschlagen worden, bey anrückung derChristlichen armee die stucht ergreiffen. Doch, weil die eifrigefortsetzung des kriegs in Italien nöthig war, wurde er nicht ver-folget ; dahero den Ungarischen Unruhen nicht völlig abgeholf-en werden konnte. Jmmittelst gienq Johannes, Graf vonZws, der bisher als Konig in Meder-Ungarn regieret, und sichvor kurtzem mit dem Könige Ferdinando dahin verglichen hatte,daß nach seinem absterben das gantze Königreich an Ferdinan-dum Heimfallen sollte, mit tobe ab. Die wlttwe, welche ih-ren söhn gern auf dem thron erhalten hätte, begab sich in Soly-manns schütz, welcher darauf die Haupt-stadt Ofen, nachdem erFerdinandum, welcher es belagert hielte, davon abgeschlagen,unter dem schein der freunbschafft einnahm, den jungen Grafenvon Zips aber nebst seiner mutter ins elend schickte. Dieses ge-schahe an. 1340. Das nächstfolgende jähr bekam er durch per-rätherey Gran nebst einem grossen theil von Ungarn , und setzteden krieg mit grossem Vortheil fort. Als auch der König Fer-dinandus mit des Johannis wittwe sich dahin verglichen , daßsie ihm Siebenbürgen abtreten sollte, bemächtigten sich dieTürcken dieser gantzcn landschafft, dahero Ferdinandus, solchesunglücklichen krieges abzukommen, mit ihnen endlich einen frie-den schloß. Inzwischen, da dieses in Ungarn vorgieng, wurdeer, derChur-Sachsischen prolestation ungeachtet, an. 1531,. zuCöln zum Römischen König erwehlet, und zu Aachen gecrönet,damit er in abwcsenheil des Kaysers Caroli V. den Reichs-ange-leaenheiten mit desto grösserm Nachdruck vorstehen könnte.Dren jähr hernach erkannte ihn der Churfürst von Sachsen gleichfalls für einen Römischen König, nachdem ihm Ferdi-nandus gewisse conäitioneb eingegangen, und den Hertzog vonWürtemberg, Ulricum, wieder restituiret. Hierauf befand ersich an. i? 47. bey dem treffen, in welchem der Churfürst Jo-hann Friedrich in Sachsen gefangen wurde. Weil nun dieBöhmen , welche die alte erb-verbrüderung vorschützten, sichwider Sachsen nicht wollten gebrauchen lassen, nahm Ferdi-nandus nach so glücklichem verlauf der fachen eine schwere exe-cnlion wider die Böhmen vor, und beraubte absonderlich diestobt Prag fast aller bisher gehabte» freyheitrn, wiewol sie diemeisten nach und nach wieder erhalten. Doch war er aus ver-schiedenen Ursachen gegen die Auqspurgische Confeßions-ver-wandten in Teutschland noch etwas besser, als sein bruder Kay-fer Carolus, gesinnet; wie er denn zu dem bcruffenen Passaui-schen friedens-schlusse alles mögliche beygetragen. Deswegenerhielt er um so viel leichter die besteigung des Kanserlichen thro-nes, nachdem ihm fein bruder an. 1 336. das Römische Reich abgetreten. Doch wollte der Papst mit dieser Kayser-wahl garnicht zufrieden seyn, und weigerte sich ihn zu crönen; von wel-cher zeit an auch kein Römischer Kayser mehr an die crönungdencken wollen. Weil Ferdinandus wohl sahe, was vor grossenschaden die bisherige Uneinigkeit in der religion angerichtet,und wie gleichwol solchem durch keine gemalt abzuhelffen, woll-te er es auf andere weise versuche», und durch eine von dem be-rühmten Cassandro verfertigte schrift den gründ zu der so oftvergeblich gesuchten einigkeit legen. Allein der tod nahm ihnan. 1364. den 23. jul. hinweg, ehe noch etwas davon zu ständegebracht werden konnte. Er halte bereits 2. jähr zuvor seinensöhn Marimilianum II. zum Römischen Könige crönen lassen,welche würde er seines brudern söhn Philippo II. vorhero abge-schlagen hatte. Im übrigen war er ein sehr kluger, sanftmüthi-gcr, aber dabey dre gerechtigkeit liebender Herr, wohin auch seingedenck-spruch zielete, nach welchem er lieber den grösten schadenleiden wollte, als etwas der gerechtigkeit ;un> Nachtheil thunlassen. Seine erb-länder regierte er ausser dem, was in Un­ garn und wegen des Schmalkaldischen bundes in Böhmen vor-gegangen, in ziemlicher ruhe, und mit vergnügen der Untertha-nen. In Böhmen nahm er an. 133». die Jesuiten zum erstenein, und erneuerte an. 1362. das Ertz-Bißthum zu Prag , welchesseil dem Hußiten -kriege nur durch Administratores verwaltetworden. Von seiner gcmahlin, deren bereits gedacht worden,und die an. 1347. in der geburt mit ihrem i3ten kinde verstor-ben, hatte er 4. söhne, Marimilianum II. , so nach ihm Kayserworden, Ferdinandum, Johannem und Carolum, desgleichen11. töchter, als Elisabetham und Catharinam, welche beyderseitsdes Königs Sigismundi Augusti in Polen gemahlinnen wor-den, ferner Annam, Mariam, Maqdalenam, Eleonoram, Mar-garctham, Barbaram, Ursulam, Helenam und Johannam, dieausser Magdalena, Margarctha und Helena, welche sich in dengeistlichen stand begeben, und Ursula, welche in der kindhcit ver-storben , allerseits vornehmer Teutscher und Italiänischer Für­ sten gemahlinnen worden. Seidan. de statu relig. üb. I. VI.VIU. IX. XII. XIII. xxv. & XXVI. Tbmn. hist. lib. XIII.&tj \9x. Lex1eon in. Theil»

XVII. & XXXVI. Bonfin. Hungar. Fugeeri djtmfpieeiel, lib.VI. c. 21. Bat>bt. epit. rer. Bohem. lib. V. c. 12. miscell. dec.I.f. 7. sect. 6. c. 1. descript. rei contra Turcas geftae an.

1366. apudSchard. tom. II. Hortleder, vom Teutschen kriege.Godelevaus, hist. abdicat. Imperii a Carolo V. factas. Später.Möge p. 70.

ferdinandus II. , Römischer Kayser, war ein söhn Ertz«Hertzogs Caroli von Steyermarck, Kärndten, und Crain, undMariä, einer Bayerischen Printzeßin. Er war zu Grätz den 9.jul. 1378. qcbohren, und ward von jugend aufzu erlernung al-lerhand wissenschassten gehalten, wie man ihn denn im 11. jähreseines altersauf die Universität nach Jngoistadt schickte, allw»er 3. iahr verharret, da mittler zeit sein vatter verstorben. DerKayser Rudolphus führte die vormundschafft bis an. 1396., daFerdinandus die regierung selbst übernahm. Nachdem er an.1398. eine reise nach Italien gethan, hat er bey der rückkunft al-sobald zu reformiren, und den gottesdienst nach dem Augspurgi,schon glaubens-bekänntnis, dessen freye Übung von seinem vattervormals war verwiüiget worden, abzuschaffen angefangen, auchdarinnen mit bewehrter Hand fortgefahren, bis er seinen zweckerreicht. An. 1600. hat er die vestung Canischa vergeblich bela-gert, und ist es bey dem abzuge so unordentlich zugegangen, daßder Ertz-Hertzog etliche stunden aus dem lager ohne seine lc»b-wache zu fuß, gehen müssen,hingegen hat er in den folgenden jah,ren,als dieTurcken in seine lander eingefallen,denselbigen tapferncinhalt gethan. An. 1608. ward er vom Kayser als Principal-Commissarius auf den Reichs-tag nach Regenspurg geschickt, aufdem aber wenig ausgemacht worden. An. 1610. hat er sich derstreitiqkeiten halben, so zwischen Kayser Rudolphen und,nig Matthia entstanden waren, nach Prag begeben,den vergleichstiften helffcn, und nebst dem Ertz-Hertzog Maximiliano die ab-bttte im nahmen Matthiä verrichtet. Von diesem ward er an.1613. währenden Reichs-tags zu Regenspurg,um Statthalterin der Oesterreichischen regierung verordnet; Allein er bekambald in seinen erblanden vor sich selbst genug zu thun, indem dieunter seinem gebieth stehende Uscocken den Venetianern feindse,lig begegneten, und der Hof zu Grätz dazu stille schwieg, so daßes schien, als ob man es gern sähe, wenn die Republick etwaszu thun bekäme, welches den Spanischen anschlügen beygemestscn ward , denen daran gelegen war, daß sich Venedig in denSavoyischen krieg nicht mengen könnte. Es hatte sich biß We-sen bereits an. 1612. angesponnen, war aber damals durch be.strafung der Uscocken beygelegt worden. Als sie aber an. 1614.von neuem zu rauben und zu plündern anfiengen, und bey Fersdinando bemeldter Massen keine hülffe zu haben war, mustensich die Venetianer selbst helffen, und damit kam es zum krie-ge, der bis an. 1617. währte, da mit zuthun der Spanierselbst und des Kaysers, meistentheils aber durch Vermittelungder Cron Franckreich, der friede zu Paris geschlossen ward, inwelchem Ferdinandus den Venetianern wegen der Uscocken eini-ge genüge leisten muste. Daß man mit diesem Handel zumschlusse eilte, geschahe wol meistentheils um der wichtigern an-schlage willen, welche zur selben zeit Ferdinandus im köpfe hat-te , indem er sich auf einrathen und mit Vorschub der Spanierder folge in den gesamten Oesterreichischen erb-landen, die durchMatthiä tod auf dem falle stunden, sowol als in der Kayserli-chen würde zu versichern gedachte. Ob nun wol der KayserMatthias anfänglich nicht gern bey seinen lebzeiten einen nach,folger bestimmen wollte,brächten es doch die Spanischen Vorstel-lungen endlich dahin, daß er ihn, nachdem vorher die Ertz-Her-tzoge Albertus und Maximilianus nebst dem Könige in Spa­ nien sich ihres erbfolq-rechts begeben, an. 1617. an'sohns stattannahm, auch noch im selbigen jähre zur Böhmischen Crone be.förderte, dabey jedoch Ferdinandus ausdrücklich versprechenmuste, so lange der Kayser noch lebte, mit dem blossen titul zu-frieden zu seyn , und sich in keine regierungs - geschäffte zumengen. Eben auf dergleichen bedingungen und nach geschehe-ner bestätigung der religions-freyheit erhielt Ferdinandus auchan. 16,8. die Ungarische Crone. Jedoch enthielt er sich nichtgäntzlich der staats-sachen, gestalt denn die gefangennehmungdes Cardinal Clöscls als ein eingriffin das Kayserl. ansehen undregierung betrachtet ward, wiewol ihm nach Matthiä kurtzhernach, nemlich an. 1619., erfolgtem tode ohne biß alle gewaltzufiel, da ihm denn auch der Ertz-Hertzog Albertus nunmehr»Oesterreich abtrat. Im anfange zwar sahe es gar schlecht vorihn aus, indem ihn fast keines von den zugefallenen ländern, vorseine» Herrn annehmen wollte, die Böhmen ihn auch so gar inWien belagerten. Jedoch änderte sich dieses alles bald , indemdie Böhmen solche belagerung aufzuheben gezwungen wurden,und Ferdinandus luft bekam, auf den wahl-tag nach Franck-fnrt zu ziehen, da er denn gegen den Widerspruch der Böhmen vor einen Mit-Churfürsten angenommen, und bald daraus zumKayser erwehlt ward. Mittlerweile hatten die Böhmen denPfaltzgrafen Friedrich zu ihrem Könige erwehlt, so waren auchdie Ungarn abgefallen, und ward also Ferdinandus , der imanfange gerne friede gemacht hätte, nunmehro genöthiget, sei-nen Widersachern mit gewalt zu begegnen. Er zog also bey zei-ten von Franckfurt über Augspnrg und Grätz nach Wien , aufwelcher reise ihm von seinen feinden allerhand gefabr soll seynzugeschnitten gewesen, zum wenigsten war es um Wien herumselbst, wegen den Bohmen und Ungarn nicht sicher, allermassendenn gleich den andern tag nach seiner ankunft die feinde allezufuhr um die stadt versperret. Ob nun wol das jähr 1620.

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