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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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leiten ben ihnen aufkommen, waren vom Haupt bis aufdie fussegeharnischt. Sie führeten lange schwere degen ohne spitze/ abervon schlechter schärfe, daß die schneide auf den ersten hiebstumpf wurde. Sie fochten mehrentheils mit dem ober-leibegantz nackend. Die Waffen der reuterey waren lantzen und äxte,des fnß-volcks / wnrf-spiesse , piquen , bögen und schleudern.Vornehme Herren fochten auf wägen/ so durch 2. oder 4. Pferdegezogen wurden , und an der achs mit fenfen versehen waren.Ihre art zu streiten bestund darinnen, daß sie hin und wiederführe«/ häufig mit pfeilen um fich warfen , um zu sehen / daß fiedie feindliche ordnung möchten aus einander trennen. Manch-mal stiegen sie ab, und fochten mit dem degen. Die trouppenvon jeder provintz stelleten sich in der schlacht-ordnung beysam-men. Wenn die armee in bataille stund, hatte jeder soldat einbund stroh oder eine fafchine, darauf er sich indessen fetzte. Sieverschantzten sich niemals in ihrem lager / welches denn nach derschlacht bey Avarico / so heul zu tage Bourges genennet wird/am ersten geschah/ indem fie es den Römern nachkhaten. Wennsie eine stadt belagerten , so umgaben sie selbige mit allenihren trouppen / und nachdem sie eine Wagenburg um sich ge-schlagen / fiengen sie an stürm zu lauffen , die schilde über dieköpfe haltende. Sie bedienten sich auch gewisser brennenderkugeln und brennender pfeile, die, wo sie hinkamen, anzünde-ten. Wenn sie in der schlacht den feint) umgebracht / schlugensie ihm den köpf ab, bunden selbigen mit den haaren an daspferd , oder steckten ihn auf ihre lantzen , und wenn es ein vor-nehmer Herr war, balsamirten sie ihn ein, um solchen denfremden zu zeigen, gaben ihn auch nicht wieder, man mochteihnen dafür bieten/ was man wollte. Sie brauchten zum öfterndie hirn-schaale, die sie in gold einfassen liessen , zu einem gefässebey ihren opfern und gast-mahlen. Sie schwuren zu den sah-nen/ welcher eydschwur unter ihnen gar heilig war. Ihre übri-gen gewohnheiten waren/ daß sie bey ihren zeit-rechnungen nichtnach dem tage , sondern nach der nacht rechneten , und mit sel-biger allezeit anfiengen , und zwar dieses darum, weil sie vondem Dite und Plutone herstammen wollten. Ihre kinder , ehesie erwachsen und Waffen zu tragen tüchtig waren / dorften nichtvor die eitern kommen. Ihren Weibern machten sie so viel gergen-vermachtnis als die Mitgift war / und wer das andere über-lebte / bekam allezeit die währenden ehestands gehabte Nutzungen.Die männer halten über weiber und kinder alle gewalt zumtobe und leben. Ihre leichname wurden verbrannt / und gienges bey ihren leichbegängniffen gar prächtig zu / dergestalt , daßsie alles, was dem todten bey seinem leben lieb gewesen war,mit ins feuer warfen, ja auch knechte und aufwärter. c*far ,de bell. Gall. lib. VI. Livius, lib. X. & XXIII. Mela , lib. III.Ramus, de mor. vet. Gall. Petra», antiquite de la nation & dela langue des Geltes.

* (Ballt / sind drey kleine infuln oder klippen im Tostanifchenmeer gegen das Gapn della Minerva in Principato Oltra, einerprovintz im Königreich Neapolis. Man hält sie vor der AltenSirenusas oder Sirenes, weil die bekannten Sirenen sich daselbstaufgehalten. Strabo , I. p. 41. VI. p. 396. Mela, II. 4. Ptole-maus, III. 1. extr. Apollodorus, bibl. I. 9. n. 2;. Ceüarius , not.orb. ant. II. 10. §. 28.

* (Ballt / (Wenceslaus) ein vertriebener Evangelischer Pre-diger aus Bohmen / war zu Pacoffden 7. april an. 1600. ge-böhren. Er kam zwar sehr zeitlich ins Ministerium , und wur-de schon in seinem 21. jähre Diaconus zu Jütschin oder Giczin/ferner an. 1625. Prediger zuKostelitz/ muste aber/ als er nochnicht völlig 2. jähre daselbst gewesen , wegen angegangener Ver-folgung den exulanten-stab ergreiffen , der ihn nach Zittau lei-tete / wo er anfänglich auf erhaltene conceßion den vertriebe-nen Böhmen auf seiner stube an den sonn-und fest-tagen einepredigt und gottesdienst hielt , hernach aber mit informirungder jugend sich eine lange weile hinbrachte / bis er endlichden 26. jen. an. 1674. sein leben beschloß. Schröter, in derexul. hist. p. 17 .

GALLIA , eines der grösten Königreiche von Europa/ , soaber nunmehro Franckretch genennet wird. Selbiges land ,so die Griechen Galatien nenneten , wurde von den Römern ein-getheilet in Cisalpinam und Transalpinam. Jenes ist ein stückvon Italien , weil es aber von Gallis bewohnet war, wurde esauch Gallia benennet/ dieses aber das eigentliche Gallien . Nachder zeit/ als die Römer Gallia: Cisalpina: das bürger-recht gaben/wurde seidiges von der Römischen bürger Habit, Gallia togatabenennet; fransalpina aber / weil die einwohner daselbst langehaare zeugten , Gallia comata. Ein theil davon gegen süden,sonst Narhonensis genannt , bekam den nahmen Braccata , weilsie Hosen trugen / die noch heut zu tage an verschiedenen ortenTeutfchlands brachen und bruchen genennet werden / da hin-gegen solche kleidung bey den Römern gar nicht üblich war.Das gantze Gallien , wie es jenseit des Alp-gebürges den Rö-mern gehörte, erstreckte sich von dem Pyrenäischen gebürge zwi-schen 2. meeren bis an die Alpen und den Rheinstrom. Dieseswurde von Iulio Cäsare eingetheilet in Celticam oder das ei-gentliche Gallien / so von dem stusse Rhone zwischen der Garon«ne / dem Ocean« und Niederlanden begriffen, auch von derSchweitz bis an den niedern Rheinstrom gieng; Belgicam , sovon bar fich anfieng , und den niedern Rheinstrom begriff, undAquitanicam , von der Garonne an bis an das Pyrenäifche ge-bürge und an Spanien . Der Kayser Augustus machte noch

eine andere ordnung, indem er Narbonensem Galliamfügte, und die grenßen anders eintheilte. Nach der reit,m-de Gallia in 17. provintzen getheilet, als Viennesischf, wor!unter auch Xarbonenüs prima und secunda ; 3. Aquitanjsche!e. Lionnesische, wenn die Sequanensische darunter beqrjssnwird; und 4. Belgische, wovon 2. die Teutschen genennet wur-den, weil sich in selbigen die Teutschen veste gesetzt hatten. Einejedwede selbiger provintzen hatte ihre Haupt-stadt, als die -Viennesischen, Vienne , Narbvnne, Air, Taramasse und Am,brun; die z.Aquitanischen, Bourges , Bourdeaux und Auch -die $. Livnnesischen, Lyon , Rouen , Tours, Sens und Besän!qon; die beyden Teutschen, Mayntz und Cöln ; die beydenNiederländischen, Trier und Rheims. Unter diesen 17. hnp,städten stunden mehr als 100. wichtige städte, woraus nach-mals meistentheils Bischöffliche sitze sind gemacht worden.Daneben hatten sie eine grosse anzahl anderer städte, welche«ppida genennet wurden , deren man 1200. zehlte , als die Rö-mer Gallien einnahmen, welche sie aber meistentheils ruinirtenDas land ist allezeit vor sehr fruchtbar gehalten worden, wiewv!die einwohner mehr auf den krieg als auf den ackerbau hielten.Julius Cäsar zog grosse geld-summen daraus, daß er damitnicht allein seine schulden bezahlen, sondern auch das grossewerck der Monarchie ausführen konnte. Wie dann sonderlichdurch Cafarem und fein kriegs - Heer eine solche menge gvldsaus Gallien nach Rom gebracht worden, daß solches daselbstvon selbiger zeit an in dem werth gegen dem silber um ein nahm-haftes gefallen ist. Das volck in diefem lande ist zu allen zei.teil sehr fruchtbar gewesen, und mehrte sich dergestalt, daß siesich genölhiget fanden , colonien in andere lande zu schicken,wie sie denn auch Italien überschwemmeren , und Rom selbstangriffen. Sie zogen sich auch in Teutschland, Spanien , En-gelland , Sclavonien, Griechenland , Macedonien, ja gar bisüber den Hellcspont in Klein-Asien , woselbst sie eine provintz,Ga«latten genannt, stifteten. Vor Christi geburt war das land inviel Staaten und völcker eingetheilet, welche theils democratisch,theils aristocratisch regieret wurden, darunter waren die 8eno.ncs in Champagne, die Aidui im Hertzogthum Burgund unddieSequani in der kranche-Gomte und dem Sundgow bis anden Rhein sich erstreckend, die bekanntesten. Diese beydeletztern suchten ein jedes das vornehmste zu seyn. In allen ihrenGerichten waren gewisse faettonen, welche jeder fache den aus.schlag gaben, und dafür sorge trugen, daß niemand unbillichleiden möchte. In gantz Gallien findet man unter den vorneh-men nur zweyerley art leuthe, die Druiden und die Rikterschafft.Das gemeine volck wurde fast den knechten gleich geachtet, undzu keiner fache gezogen , indem die meisten entweder wegen gros-ser schulden, öder wegen übermäßiger auflagen, oder, well siesonst allzu sehr aedrücket worden, sich den vornehmen Herrenunterwerfen müssen, die nicht besser, als ein Herr mit seinemknechte, mit ihnen umgiengen. Die Druiden versorgten nichtallein den gottesdienst , sondern es wurden auch, weil sie vonsonderbarem ansehen waren, von ihnen alle rechts-sachen ent«schieden , und wo jemand ihren ausspruch nicht annehmenwollte, wiesen fie ihn von dem opfer ab, hatten auch sonst grossePrivilegien. Die Ritterschafft zog allezeit zu selbe, und >e an-sehnlicher einer war, je mehr dienten nahm er mit sich. Eshatten dergestalt die völcker in Gallien ihre freyheiten bis zu desJulii Cäsaris Jetten, welcher das gantze land unter Römischebotmäßigkeit brachte, da denn bald darauf, wie gedacht, selbigesin 17. provintzen eingetheilt wurde, wovon 6. durch Bürgermei-ster , die übrigen u. aber durch dahin geschickte Präsidenten re-gieret wurden. Constantinus M. schickte Grafen in die städte,und Hertzoge in die grentz-platze. Eben dieser Kayser, als er

nachmals das gantze Römische Reich in 4. Pratfesturas Pmoriieintheilte, setzte auch eine» über Gallien , welchem er 3. Vicarioszuordnete, einen in Franckreich selbst, einen in Spanien , undeinen in Groß-Britannien, welche regierung also geblieben ist,bis die Francken im V. feculo sich des aantzen landes bemächti-get. Von Kayser Augusto an bis auf Gallienum sind diese lau*de nur zwey mal durch innerliche empörungen beunruhiget wor-den, nemlich an. 23. burch die revolte des Sacroviri und Flori,und an. 70. durch die revolte des Civilis Tutoris und Claßici.Nach des Decii tobe aber fiengen allerhand fremde völcker an i»selbiges land zu streifen. Anfänglich waren es nur die Franckenund die Teutschen, wenn sie über den Rhein giengm. Nach die-sem kamen die Vandali, 8ucvi, Alani, West-Gothen und Burgun-dier, und riß ein jedes volck einen strich landes zu sich, daß also meiner zeit 4. unterschiedene regierungen in Gallien waren,die Rö-mische , Fränckische, Burgundische und Gothische, bis zu endedes V. feculi keilt Römischer Gouverneur mehr dahin geschicktwurde, und die Francken gantz Gallien unter sich brachten, auchsolches nach ihrem nahmen Franckreich nenneten. ( SieheFranckretch.) Strabo . PtoUmaus. Julius Cajar, lib. VI. Tucitus.Plinius . Pomponius. Mela. Diodorus Siculus . Abr. Ortelii, Galliavetus. Hadr. Valeßus, notit. Galliae. Ceüarii notitia orb. antiq.Philipp. Labbeus, in Pharo antiquae Gall. &c. *

(Balltct, (Lanciarottus) ein Rechtsgelehrter, gebürtig ausAlessanbria della Paglia im Mayländischen. Er starb den ro.dec. an. icyz. und hinterließ unterschiedene schriften, als: mGonsuetudinern Alexandrinam prohibentem Maritum ultra cer-tum modum Uxori relinquere Commentarium ; Patrociniumpro Republ. Alexandr. contra MedioL Statum; Conliliorum.