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Eandershetm, eine Braunschweig -Wolffenbüttelifche stadtund Amt, nebst einem sogenannten Kaystrlichen freyen welt-lichen Reichs-Stifl, a. Meilen von Einbeck und 7. von Braun schweig gelegen , hat den nahmen von dem Gand-fluß, wel-cher nicht weit von der stadt in die Leine fällt. Die gegendselbst hieß unter den allen Sachsen Gandesemigou ; wiewolauch das gedachte wasser Ettcherna und die gegend Flencchi-gou geheissen. Den ersten anlas zu diesem Stift gab in dermitte des IX. Ibculi Hertzog Ludolphus zu Sachien, indemer an dem ort, wo jetzt das kloster Brunshausen liegt, einehalbe stunde von Gandersheim ein Stift für standes - frauen-zimmer angelegt, und mit den cörpern der beyden canonisir-tc» Päpste, Innocentii und Anastasii, als künftiger Stifts-Patronen/ versehen. Doch wenige jähre darauf, nemlich an.8zs. als das gebäude zu Brunshausen zu enge werden wollte,legte Hertzog Ludolphus ein neues zu Gandersheim an, undüberließ Brunshausen andern Nonnen Benedictiner - ordens ,welches doch von Gandersheim dependirt, und noch an. 1694.von der dasigen Aebtißin Hcnriette Christina, Hertzogin zuBraunschweig , reparirt, und mit einer Doinina und 4. Lu-therischen Nonnen besetzt, der Superintendent zu Grena aberzum Probst darüber bestellt worden. Hertzog Ludolphus hatalso, wie gedacht, das Stift zu Gandersheim , da vorhernichts als eine capelle und viel gebüsch gestanden, angelegt,und reichlich botirl , welches nachgehends besser ausgebautworden. Ja, die stadt selbst ist bey solcher gefegenheit ent-standen , welche von einigen vor die älteste und äusserste stadtin Nieder- Sachsen disseits der Weser gehalten wird. DasStift ist an. 97;. 1--87.1172- und 1597· abgebrannt, und finddas letzte mal von Anna Ehrica, Gräfin zu Waldeck, damali-ger Aebtißin, aus ihren eigenen Mitteln die vornehmsten Abtey-häuser wieder aufgebaut worden. Das kloster ist mit vielen re-liquien Christi, seiner Mutter,der Apostel, und anderer Heiligen,und, was am wundersamsten, mit einem stucklein von dem stabMosis, ingleichen mit gar ansehnlichen ablaß und indulgentzien,wie auch andern vielen Päpstlichen privilegien versehen gewe-sen. Das vornehmste darunter war, daß dieses Stift und sämt-liche Stifts-personen sonst niemand, als dem Papst, unmittelbarunterworffen gewesen, so, daß es von keinem andern Bischoff be-straft, oder in den bann gethan werden kan, und noch darzudie Aebtißin stch, ihre Canontßinnen und Stifts - gebäude vondemjenigen Bischoff einweyhen lassen können, welcher ihr be-liebet. Diese freyheit haben zwar die Blsthoffe zu Hildesheim angefochten, aber das Stift hat dieselben in einem weitläufti-
S en proceß, der an. 1210. ausgegangen, glücklich behauptet,richt weniger ist das Stift mit vielen Kayserlichen und ande-rer Fürsten schenckungen und privilegien -begnadiget worden,wodurch es zu solcher «nacht gediehen, daß es wieder vieles vonseinen güthern lehens-weise hingegeben; wie denn, wol ?o.Adelicher qeschlechter zu geschweigen, so dieses Stifts Vasallenfind, selbst der König in Preussen die Herrschaffl Derenburg und andere zum Fürstenthum Halberstadt gehörige stucke, derChurfürst zu Hannover aber und jetzige König von Engellanddas Grubenhagische schloß, stadt undAmt Elbingeroda von demStift zu lehrn nimmt, und ist noch an. 1706. den 28. apr. der-gleichen actus vorgenommen worden. Ja selbst die stadt Gan dersheim ist von dein Stift ehedessen zu lehrn gegangen. Leuck-feld macht auch i;. kirchen und capellen namhafft, so demStiftlehnbar, und ii. kirchen, worüber es das ^us Patronawshat. Das Hospital zu Gandersheim stehet auch unter demStift. Das Barfüsser-kloster zu Gandersheim tst an. i;?i.zu einem Paedagogio von Hertzog Heinrich Julio gemacht, unddie daran gelegene Wilhelms-burg zum Auditorio aewiedmet,nach verlauf 4. jähren aber das werck nach Hclmstadt verlegt,und in eine Universität verwandelt worden. Das Barfüsser-kloster wurde darausdem Stift wieder aufgewisse bedingungenabgetreten; das Marien-kloster aber, so gleichfalls zur Gan«dersheimischen Abtcy seit an. 940. gehöret, ist bey der religions-änderung eingezogen, und zu Unterhaltung des Paedagogii zuGandersheim nachgehends der Universität zu Helmstadt ange-wendet worden. Das kloster Cluß, so im XII. feailo gestiftetworden, und ebenfalls nach Gandersheim gehöret, ist bis an.1,96. mit einem Catholisthen Abt besetzt geblieben, worauf eszwar gantz reformirt, aber doch einiger Massen, im stand er-halten Wochen. Das recht, eine Aebtißin zu erwehlen, kommtin diesem Stift durch conceßton König Ludwigs und der 3. Ot-tonum den Capitularen zu, welches sie auch beständig exercirt,doch so, daß die Kayserliche confirmation und belehnung darzukommen muß.
Die erste Aebtißin war Kathumoda, welche unrecht von an-dern Amadca und Habundis genennet wird, des Stifters,Hertzoqs Ludolphi andere tochter, welcher ihre schwestera. Gernbergis gefolget, und dieser an. 896. die dritte schwester3. Christiana.
4. Roswitha, Hertzog Ottonis M. tochter, und also des Stif-ters enckelin.
?.Lulhqardis, die an. 924. gestorben, war Kaysers HenriciAucupis schwester.
6. Windelgardis, unbekannten doch hohen geschlechts, starban. 959.
7. Gernbergis II. Hertzog Heinrichs in Bayern tochter, Kay-sers Henrici Aucupis enckelin , die lehrmeisterin und patro-Htstor. Ltxivm in. Theil.
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nin der berühmten Canonißin Roswitha, von der ein besonde,rer artickul handelt.
8. Sophia, Kaysers Ottonis III. schwester, (Kayser HeinrichII. nennet sie auch wegen der nahen freundschafft seine schwe-ster) hatjähr voller unruhe regiert, welche bey gelegenheitdes obgedachten privilegii entstanden, daß die Stifts - Perso-nen freyheit haben sollten, sich einkleiden und einweyhen zulas-sen, von wem sie wollten. Ihr folgte an. 1038. ihre schwester
9. Adclheidis I. die an. 1044. verstorben.
10. Beatrix, Kaysers Conradi II. tochter, Henrici III. schwe-ster, starb an. 1053.
11. Adelheidis II. der vorhergehenden schwester, starb an.1087.
12. Fredeluntha, hohen doch unbekannten geschlechts, starb
an. 1104. '
13. Agneta I. Kaysers Henrici IV. schwester tochter, muß inihrem kindlichen alter mutter-stelle bey dem Stifts-frauenzim-mer vertreten haben, starb an. 1113.
14. Adelheidis III. Kaysers Henrici IV. tochter, starb an.ua;.
13. Bertha, welche an. n;o. gestorben, und
16. Lutgarbis II. sind unbekannten geschlechts.
17. Adelheidis IV. Friderici II. Pfaltzgrafen zu Sachsen toch-ter, war auchAebtißin zu Quedlinburg , starb an. 1185. oder 90.
18. Adelheidis V. eine Landgräsin von Hessen , kam bey Kay-ser Friderico I. in einige Ungnade, weil sie Heinrich den Lö-roen, aufs neue mit etlichen von ihrem Stsst gehabten lehn-stücken belehnet, und ihm die Advocatur über ihr Stift aufge-tragen, starb an. 119;.
19. Mathildis 1 . Gräfin von Woltenberge, starb an. 1223.
20. Bertha II. eine Heßische Gräfin von Nienborg , hat Her-tzog Ottoni dem bind zu Braunfchweig einige lehn-stücke con-ferirt, dagegen er sich verpflichtet, dem Stift und dessen Aeb-tißinnen treulich beyzustehen. Sie starb an. 1231.
21. Margaretha, edle von Plessen, starb an. 1304.
22. Mechthildis, eine Gräfin von Goldenberge, (nicht eineHertzogin von Braunschweig ) starb an. 1316.
23. Sophia,eineBraunschweigssche Hertzogin, starb an. 1332.
24. Judith , gebohrne Gräfin von Schwalenberg, eine Witt-we, hat stch zuerst eine weltliche Aebtißin nennen lassen, und ihrweltlich gemüth nicht nur durch weltliche kleidung, sondern auchunruhige aufführung an tag gelegt. Nach ihrem an. 1357.erfolgten tode wurde der schluß gemacht, keine Wittwe mehr indas Stift aufzunehmen, fo aber mit der 29. Aebtißin gebro-chen worden.
2;. Emergardis, eineGräfin von Spiegelberg , starb an.13^9.
26. Luthgardis, eine Gräfin von Eberstein, starb an. 1400.
27. Sophia III. Hertzog Erichs von Braunschweig -Gruben-hagen tochter, starb an. 1412.
28. Agneta II. der vorhergehenden schwester, starb an. 1439.
29. Elisabeth, die dritte schwester, eine Pommerische wittwe,die es aber nicht viel besser als die vorige gemacht, und mit ih-rem exempel andere verfuhrt, starb an. 1454.
30. Sophia IV. Hertzog Albrechts zu Braunfchweig-Gruben-hagen tochter, hatte viel Verdruß von ihrer zugleich erwehltenGegen-Aebtißin Walpurgis von Spiegelberg, über welchen pa-penkrieg zu Gandersheim , wie es der gemeine mann nen-nete, das Stift sehr zu kurtz kam. Sophia victoristrte end-lich an. 1468. und starb an. 1483. Von den meisten wird, ob-schon fälschlich, angeführt die jetzgedachte
31. Walpurgis, die seit an. 1468. Aebtißin zu Wunstorf ge-wesen.
32. Agneta III. Fürst Georg I. zu Anhalt tochter, hat demStift von der bisherigen zerrüttung wieder aufgeholffen.Sie starb an. 1304.
33. Gertrudis, Gräfin zu Reinstein, welche von einer Gegen-Aebtißin Catharina, Gräfin von Hohnstein , viel Verdruß aus-gestanden, und sich dessentwegen an. i;;o, zur Coadjutricingeben ließ.
34. Mariam, Hertzog Heinrichs des jungem zu Braun schweig tochter, welche an. 1331. durch der vorigen tod völligAebtißin ward, und an. 1539. starb.
33. Clara, der vorhergehenden schwester, resignirte die Abteyan das Capitul an. 1347. und vermählte sich an Hertzog Phi-lipp zu Braunschweig -Grubenhaqen.
36. Magdalena, aus dem Böhmischen geschlecht derer von
Clumen ober Columnen, war vorher Aebtißin zu Wunstorf .Zu ihrer zeit hat Hertzog Julius die religions-änderung in derstadt Gandersheim vorgenommen, und auch, ihres und des Ca-pituls widerstreben ungeachtet, den Lutherischen gottesdienst un-ten in derStifts-kirche eingeführet, obschon das Capitul den chvrnoch innen hatte. Sie starb an. 1; 77. „ \
37. Margaretha II. der vorhergehenden schwester, ward vondem Capitul erwehlt, aber an dem besitz durch Hertzog Ju-lium von Braunschweig gehindert, als welcher vorher vondem Kayser primarias preces für feine Printzeßin Elisabethheraus gebracht hatte. Diese begab sich zwar an. 1582. ihresrechtes, und vermählte sich an Graf Adolphen von Schauen,bürg; es wurde aber dennoch die Abtey an eine andere Marga-retha von Warberge, ohngeachtet der vrotestation des Capitüls,durch Fürstl. Commissarien übergeben, diese aber wurde wegenihres recht schändlichen und unzüchtigen lebens, auf Hertzogl.beseht, nach dem schloß Stauffenberg in verhafft gebracht,wo sie folgendes jähr gestorben. Worauf endlich Margaretha
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