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zugleich ein geschickter Mathematlcus gewesen. Er ward den7.'dec. 1667. zu Lindau gebohren, aüwo sein vatter zwar einfeilet , aber von grossem vermögen und gutem verstände war,wie er denn auch ein Mitglied deS innern Raths wurde. Manließ ihn anfangs in seiner vatter-stadt unterweisen. Hieraufward er an. 1632. nach Ulm abgeschickt. Nachdem er allhierdrey jähr gewesen, reisete er in Dachsen , und studirte zuJena , wo er auch Magister worden. Er hatte damals nochan die Mathematic nicht gedacht; ward aber zu diesem Studiovon Joh. Andr. Schmrdiö aufgemuntert, von welchem er auchdarin» unterrichtet worden. Än. 1639. kam er wieder in seinvatterland zurück. Bald aber darauf begab er sich nach Aug-sburg. Von bannen wendete er sich nach Altorf, und höret«den berühmten Joh. Christoph Sturm. Zu Nürnberg warder mit Erhard Weigeln bekannt, der ihn mit sich nach Jena nahm. An. 1690. blsputirte er öffentlich unter demselben,und vertheidigte seinen traetat, welchen er ausgegeben hatte,unter dem titul: Globorum ch^eigelianorum correctorum &perpetuorum noviilima Descriptio. In dem folgenden jähre
S icng er nach Franckfurt am Mayn , und darauf nach Am.erdam; von wannen er nach Londeu kam. Durch Vorschubdes Teutschen Predigers daselbst Esdrä Edzardi, eines sohnsdes berühmten Hamburgischen Gelehrten dieses nahmens, warder hin und wieder bekannt. Er legte die von Weigelio em,pfangene briefe und comnnßion bey der Königlichen Societät indem Collegio Greshamensi ab. Im sept. 1692. kam er wiederzu Amsterdam an, gieng von bannen nach Hamburg , undward mit Joh. Jac. Zimmermann bekannt, welcher Scriptu-ram Copernizantem geschrieben hat. Endlich kam er an.169z. wieder zu Weigelio, und ferner in sein vatterland. Indem folgenden jähre bekam er schon eine stelle in dem Miniitc-rio daselbst, von welcher er an. 1728. auf die oberste stieg.Neben seinen predigten übte er sich immer in bei» mathema.tischen wlssenschafften , sonderlich in der Astronomie und Gno.monic, darinn er unterschiedene junge leuthe angeführet. Er1 kam mit vielen gelehrten Mathematicis in brtef-wechstl. Sei-ne Lpkemerides und Obscrvationes fanden bey den Gesell-fchafften in Paris und Berlin vielen beyfall, wurden auchzum theil ihren sammlungen einverleibet. Er soll der erstegewesen seyn, der die bifferentz des verbesserten und neuen ca»lenders in der Ostern an. 1724. wahrnahm , und seinen corre.spondenten entdeckte, fand auch bey dem Lorpore Evang. mitftinc» dißfalls gethanen vorschlügen gehör. Er hat seine in-strumente zum theil selbst verfertiget, auch-ein Observatoriumangelegt. Er starb an der Wassersucht den 17. may 1738. Erhat einen söhn hinterlassen, gleiches nahmens, welcher DoctorMedicin*, Physicüs primarius, und Rathsherr zu Lindau ward. Neben einigen predigten hat er auch verschiedene schrif-ten ausgefertiget, darunter auch seine häufige calender gehö-ren, und verschiedene beschrcibungen von finsternissen. Fer-ner ist von ihm heraus gegeben worden : Gnomonica Mecha-nica univerialis, in 4· i7°8. und verschiedene schriften aus an-las der obgemeldten Oster-differcntz. AH* bist. ecci. tom. III.pag. 583.
* Gaura, eine insul auf dem Archipelago, der meer-engevon Negroponte gegen über , zwischen den insuln Billa undZea gelegen, ist sehr klein, bergicht und übel bewohnt. Manhält sie vor des Strabonis X. p. 743. Melä II. 7. Plinii hist.nat. IV, ir. Slephani und Demosthenis de Republ. extr. Cyth-NUs. Eaudrand. Cellariui , not. orb. ant. II. 14. §. 42.
Gavre, ist eine Grafschafft in der Französischen landschajstGascogne, welche zwischen Quercy, Armagnac, Estarrac,Cvminges und Ober-Languedoc mitten inne liegt. Sie wirddurch die flüsse, Garonne, Save und Guimone, fruchtbar ge-macht. Es befinden sich darinnen die kleinen städte und ortetGrenade, Gimont , Verdun , Mas de Verdun, I'Jle Jour-dain, welches die Reformirten ehemals sehr bevestigt hatten,und andere mehr.
Gavre, ein vrt in Flandern , zwischen Gent und Oudenar-de, an der Scheide gelegen. In dem XV. feculo war er sehrvest, und machte an. 1433. dem Hertzoge von Burgund , Phi-lippo dem gütigen, viel zu schaffen, ehe er ihn durch eine for-male belagerung den aufrührischen Gentern entziehen konnte.Diese letztern wurden bald nach der eroberung, nahe bey diesemort, in einer ordentlichen schlacht erlegt. Der Kayser CarolusV. hat nachmals dieses Gavre zu grinsten des Hauses von Eg-mond, mit dem titul eines Furstenthums beehrt. Annales deFlandres perEman. Sueyro, k. II. p. 37;. seqq.
GAURI, sind ein durch gantz Persien und Indien zerstreue-tes volck, und haben eine gantz absonderliche reltgion, in wel-cher, was sonderlich die Verehrung des feuers anbelanget, kla-re reliquien des ältesten Persischen und Asiatischen aberglaubenssich bemercken lassen. Diejenigen, welche sich in Indien aufhal-ten , sind insgemein helfenbein-drechsler; die von Caramanienaber, welche in Persien wohnen, allwo ihrer mehr als 10000.sind, treiben wollene manufacturen. In derjenigen provintz, wosich ihr Hoherpriester aufhält, stehet ihr vornehmster tempel,wohin alle Gauri einmal bey ihren lebzeiten wallfahrten müs-sen. Es giebet auch einige Gauros zu Jspahan, der Haupt-stadt in Persien . Sie geben vor, sie hätten 7. bücher, dieihnen Edrahrm-Zer-Ateucht aus dem Paradiese geschicket, siern der wahren religion daraus zu unterrichten, wie auch noch
andere 7. worinnen die auslegung aller träume stehen soll. Vi-sagen , baß der vatter ihres Propheten seiner tJ.J
lassen, und nach Babel gekommen, daselbst unter ihnen mwohnen, habe er allda ein weib geheurathet mit nahmen Doa.Von,. welche von einem enget aus dem Paradiese besuchet, undmit einem himmlischen lichte erfüllet worden, woraus sie de»Ebrahim-Zer-Ateucht empfangen und gebohren. Ferner mel.den sie, daß die damaligen natur-kündiqer diese geburl zuvorgesehen, und einem gewissen Könige, mit nahmen Neubrvut,davon Nachricht ertheilet, welcher sodann gleich einen besohlausgehen lassen, daß alle schwangere weider in seinem ge-biethe umgebracht werden sollten. Weil es aber niemand indie äugen gefallen, daß des Propheten mutier schwanger ae.wesen, so sey,sie der gefahr entgangen, und des Propheten zurechter zeit glücklich genesen. Als hernach der Konig zu Ba-bel ihre Niederkunft vernommen, habe er einige zu ihr geschult,das kind abholen zu lassen, und es alsoforl umzubringen; al-lein GOtt habe zur strafe seinen arm verdorren lassen. Nach.dem er nun hierüber gantz rasend worden, habe er das lindin ein schreckliches feuer geschmissen, worinnen es aber nichtanders als auf lauter rostn geruhet habe. Diejenigen nun,welche diesen jungen Propheten zu verehren angefangen , sol,Jen von diesem feuer etwas genommen, es heilig aufgehoben,und bis auf ihre nachkommen erhalten haben, damit dieseswunderwerck bey jederman in frischem andencken bleiben möch-te. Ais aber endlich gar nichts den gottlosen König zu über-zeugen vermocht» habe ihn GOtt seines Unglaubens wegenalso gestraft, daß er sein volck mit gewissen fliegen plagen las-sen , deren stächet tödtltch gewesen, und da es nun auch ge-schehen , daß eine von denseldigen in des Königs ohr gesto-chen, sey er in der raserey gestorben. Sein Nachfolger, Cha-Glochtes, soll anfänglich auch willens gcwcstn seyn, den jun-gen Propheten zu verfolgen, nachdem er aber gesehen, wasderselbe vor wunderwercke verrichtet, habe er ihn letztlich glei-cher gestalt angebätet, als wie das übrige volck. Endlich '.sa-gen sie) habe sich der Prophet von der weit entzogen, oder wieandere wollen, soll er mit leib und seele gen Himmel geholelworden styn. Noch andere sagen, daß er sich selbst in eineneisernen kästen nahe bey Bagdad geleget habe, worauf ervon den engein im trtumph weggeführet worden sey. Sieglauben, baß noch endlich alle völcker ihres Propheten rcligwnannehmen, und baß eben dieses die allgemeine auferstehunqseyn werde. Man siehet hieraus leicht, daß diese Gaur, eineconfuse wissenschafft von den geheimnissen der Christlichen reli-gio» müssen gehabt haben. Von ihren büchern geben sie vor,daß Alcrander M. nachdem er ihr land unter sich gebracht, dieersten sieben verbrennen lassen, weil sie niemand auslegen kön-nen , die üdrigm aber zu seinem eigenen gebrauch mit sichhinweg geführek. Endlich setzen sie noch hinzu, daß die Pnc-ster und Lehrer, welche bey den damaligen unruhigen zeilciyum ihr leben zu erhalten, sich in das gedürgc rctirirel, nachAlexandri tobe zusammen gekommen, ein neu buch verfcr-tiget, und alles dasjenige hinein verzeichnet, was sie sich »ocherinnern können, in den vorigen gelesen zu haben. Diesesist ein sehr groß buch, und mit gantz andern duchstabcu,als etwan die Persische, Arabische oder Indianische sind, ge-schrieben. Ihre jetzigen Priester verstehen aber solches buchselbst nicht, ausser den Lommentariis, so ihre vorigen Leh-rer darüber geschrieben. Sie haben zwar einige vencrationvor das feuer, wissen aber sonst nur von einem einigen GOtl,Schöpfer Himmels und der erden. Ihre Priester, die sie Cazinennen, theilen von solchem heiligen feuer monatlich einmalaus, und sie nehmen solches zum zeugen an bey ihren eyd-schwüren, da denn sich niemand unterstehet, vor diesem himm-lischen feuer, wie sie es nennen, einen mcineyd zu thun.Sie haben bey ihnen die beschneidung nicht, aber gleich nachder gedurt tauchen sie die kinder ins wasser, worein sie eini-ge blumen gethan, da indessen der Priester einige gcdalespricht, und dieses dienet ihnen anstatt der taufe. Die ccrc«monien der trauung bestehen darinnen, baß der Priester diestirne des bräuligams und der braut mit einem wayer, wel-ches er vorhero durch einige gebätc gesegnet hat, bestreichet.Ob gleich die Gauti fünf weiber nehmen können, jo ist dochnur eme die vornehmste, welche auch über die andern zu ge-biethen hat. Ttvunnier & Cbardtn, voyages dc Perle, siehtGhebres.
* Gaurig, (der Graf) einer der grösten Herren in Schottland, ward gegen dem ende des 16. jahrhunderts verschiede-ner laster wegen zum tobe verdammet: der König Jacobus VI.ließ gewöhnlicher «nassen alle seine güther conftfctren, erbarm-te sich aber der kinder, deren der Graf eine schone anzahl hm-te, und gab ihnen die güther wieder. Dieser großmuth dc,Königs ohngeachtek, brennete in ihnen der gcist der raachc wi-der den König. Der älteste unter den söhne» dieses Grafen,da er nunmehro fast gantz Europam durchreifet hatte, kam wie-der zurück zu den seinigcn; er versammelte bald fünfvon seinen brüdern, und schlug ihnen vor, daß fie Mittel fucnenwollten, an dem Könige den lod ihres gemeinen vatlers zu n>eben. Diese gierigen es so fort ein. Der Konig vcrfahe siwnichts wrnigers, und hielt sie für die treucsten ltlner imra