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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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thauen, zumal da er so viel gnade an ihnen erwiesen , und setzet«folglich nicht das mindeste mißtrauen in sie. Bald darauf kameiner von dem lande, wo sie sich alle aufhielten, nach Edin-burg, dem König lerne aufwartung zu machen; es war den 6.aug. an. iSoo. da er seinem erstbemeldten Herrn vorgab , daßein gewisser ntann zu ihm gekommen, und ihn versi-chert habe, es sey in ihres vatters des Grafen Gaurighaust noch ein unsäglich reicher schätz verborgen; undda er glaubwürdig dessen versichert zu seyn vorgab, bar er denKönig bey dessen entdeckung gegenwärtig zu seyn, denn seinebrüder hätten sich alle mit ihm entschlossen, denselben nicht an-ders als in beyseyn des Königs und zu seinen diensten anzu-greiffen. Nebe» dem bat er den König die fache geheim zu hal-ten , und zu dem ende so wenig leurhe, als möglich, mit sich zunehmen. Der König war von natur ossenhertzig, und nicht arg-wöhnisch, darum machte er sich kein bedencken, ihnen beyfall zugebe», und versprach ihnen dem zu folge auf den morndrigen tag,unter dem vorwand der iagd , zu ihnen zu kommen. Er hieltes auch, und nahm nicht mehr als 7. Personen mit sich. DerKönig wurde prächtig empfangen, und zu. einer reichen Mahl-zeit eingeladen, und fpeisete ohne furcht. Indessen , da er ei-ne zeitiang bey der tafel gewesen, schlug ihm der vbgemeldteGraf Gaurig vor, alldieweil seine leuthe gar abspeisen würden,in der stille mit ihm zu gehen, und den mann zu besprechen,welcher den schätz offenbaren wurde; mit welchem der Königabermal zufrieden war, und einwilligte. Diese böswichte mach-ten ihn durch verschiedene zimmer gehen, und schloffen immerallgcmächlich die thüren hinter sich zu, endlich kamen sie inein klein cabinet, wo der bestellte meuchel-morder des Königserwartete, und ihm den letzten streich beyzubringen gedachte,wann nicht das schicksal die Königliche Person wunderbarlich er-halten hätte: denn der mördcr, welcher gerade zuvor alle Verwe-genheit gezeigt, seinen bösen vorsatz auszuführen , ward so be-stürmt, da er des Königs Person ansichtig worden, daß erweder reden noch sich seines mord - dolchens bedienen konnte.Der Graf Gaurig, der sich dessen im geringsten nicht versehen,und seines verruchten Vorsatzes sich versichert glaubete, hatteschon angefangen , mit harten Worten dem Könige seinesvatters tod vorzuhalten, und ihm die Ursache seiner nunmeh-rigen raache schimpflich anzukünden , damit er sein müthlein,noch ehe er umgebracht würde, an ihm kühlen möchte. Ja ergedachte in der ersten Hitze noch weiter zu gehen , und -lveil erden bestellten Königs-morder unbeweglich sahe, wollte er selbstden streich wagen, die kräffte aber fehlten auch ihm. Indes-sen erholte sich der König von seinem ersten schrecken , ergriffden begen, tödtele damit den treulosen Grafen, und eilte zumsendet um hülffe zu ruffcn ; die leuthe, so den König begleitethatten, verliessen auf das eilfertigste die tafel, liefen in allempeilte, öfneten mit gemalt alle thüren, andere trachteten demKönige zu den fenstern hinein zu hülffe zu kommen, und erhiel-ten denselben. Also fehlte diesen undanckbaren und treulosenVasallen ihr verruchter streich, und etliche davon hatten dasglück, in diesem tumult selbsten das leben zu verlieren; dieübrigen aber wurden gefangen gesetzet, und hernach mit allenerßnnlichen martern nach verdienen abgethan, das schloß aberdemolirt. Dieses merckwürdige beyspiel giebt neben anderndergleichen ein neues beweisthum ab , wie daß das gesttz widerdie linder derjenigen, so des Hohen verraths sind schuldig wor-den, so hart es anfangs klinget, dennoch seine in der ersah«rung gegründeten Ursachen habe, ob es schon mit der billichkcitzu streiten, ia grausam zu seyn scheinet. Vide Leti , vit. R. Eli-sabeth. Siehe droben den artickul Lrsmwel (Heinrich) circafinera.

Gauricus , (Lucas) gebürtig von Gifani aus dem König-reich Neapvli, war Protonotarius Apostolicus, Professor zu Nea-pvlis, und nachmals Bischoff zu Civita Ducale, und lebte unterdem Papst Julio II . Leone X . Elemente VII. und Paulo III.welche viel auf ihm hielten , sonderlich der letzte, der ihn öftersan seine tafel zog, und zum Bischoff machte. Er war ein be-rühmter Pbilosophus , und sonderlich in der Astrologia judicia-ria und nativltät-stellen erfahren. Thuanus versichert, es habeihn Catharina von Medicis wegen ihres gemahls des KönigsHenrici ll. gefragt, da er denn geantwortet: der König würdem einem duell von einer bleffur am äuge sterben. Anfangs habeman sich zwar darüber mocquiret, der ausgang aber habe gezei-get, daß Gauricus nicht aefehlet, wiewvl Gastendus das Wider-spiel versichern will. Seine prophezeyunaen wurden auch inder that öfters falsch befunden , als z. e. daß er Paulo Iovio ei-nen Cardinals-Hut prophezeyet. Er muste auch endlich überdieser kunst sterben; denn als er Johanni Bentlvoalio prognosti-cirel,er sollte von seinem vatterlande und Herrschaffl verjagt wer-den, wurde er von ihm ergriffen, an einen strick gebunden und;.mal von einem hohen orte auf die erde gestürtzet, daß er den 6.marlii an. 8. elendiglich umkam, da er 8r. jähr, n. Mo-nate und 12. tage geledet. Er hat viel geschrieben , woruntervornemlich bekannt sein Tractatus de Conceptu Natorum &scptimestri Partu; super Diebus Decretoriis live Criticis; Libel-lus Ifagogicus, quo duce perdiscent Pueri , Juvenesque Senes-que horis tercentum Dogmata Grammatica ; Ars Mystica deQuantitate Syllabarum ; de Astronomie Inventoribus,Ütilitate,Fructu & Laudibus; Sphaerae Coelestis Descriptio ; de EclipstMiraculofa in Paffione Domini , und viel andere bücher mehr.

Histor. Lexicon lll. Theil.

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Thuanus , Üb IV. histor. p. gg. & Üb. XXII. ad fisl. Mirius ,de script. focuh XVI. Vojjius , de Mathematicis. Tollii appen*dix ad Plenum de infeheitate litt. p. 17. Toppii bibl. Neap.Teijjier , eloges tom. I. p. 176. & tom. III. p. 117. Naudaus % mjudicio de Gardano.

Gauricus, (Pomponius) des obigen Lucä bruder, war einberühmter Poet, hat auch verschiedene poetische wercke ediretund geschrieben , als de Architectura , Physiognomia und VitasPoetarum Griecorum. Auch saget man, daß er nicht ohne nutzenin der Chymie gearbeitet habe. Allein um das jähr i; ,o. ist erauf der reife von Surento nach Stadia, fo über dem Golf» vonNapoli gelegen, wegkommen, daß niemand erfahren können wo-hin. Man will, er habe eine liebes-intrigue mit einer vornehmenfrau gehabt, deren freunde ihn hinrichten, und seinen cörper insmeer schmeissen lassen. Jovius, in elog. Doct. n. 7;. Tollius, inappendice ad Pier. Valerianum de infel. litterat. p. ri.

Gaurus , ein berg in Campanien, nahe bey dem berge Mastsico, )o von den einwohnern Gerro oder Garro aenennet wird,und wegen des vortreflichen Weines, so darauf wachset, berühmt

Ist. Ferrar .

* Gaus, ein söhn Tamus, welcher sich, wider den willen sei-nes vatters, an Artaxerxis partey gehencket, und seine armeencommandiret hat. Diodorus Siculus in seinem r;. buche nen-net ihn Gaos. Er war auch Admiral über die Persischen flottenwider Evagoram. Nach der Hand aber machte ihm das grossegluck Tiribazis, dessen eydam er war, einige unruhe und förcht,deswegen nahm er sich vor, Artaxerxis dienste zu verlassen. Daer aber daran war, seinen Vorsatz zu vollführen, ward er aufbefchl dieses Printzen, bey welchem er verrathen worden, umge-bracht , so geschehen im zweyten jähre der XGIX. Olympias.Fornus, üb. VII. dieser aber nennet ihn schlechthin Gos. Gonf.

Dioit. Siculum , loco citato.

* Gauelinus, (Bernardinus) ein Italiänischer Dominica­ ner -Mönch aus Feltri in der Tarviser-Marck, wurde Prior Pro-vincialis , und starb den 4. april an. 164z. zu Udine als Priordes dasigen Profeß -Hauses. Sein leben hat Marc.Ant. Sterni be-schrieben. Man hat von ihm Miscellanea pro communi omniumReligiosorum utilitate collecta , Venedig 1618. in 8. Acta,Vitam, Elogia & Miracula AlbertiM. Episcopi, ib. i6;o. in 8.Quasstionem, quo Missarum Obligationes non negligantur,Udine 1640. lN 4. Vita e martirio di Giov. Andr. Carga,ib. 1626.in 4. Sommario della Vita e Miracoli dei B. Ambrogio de San-sedoni, Bracciano 1622. in 4. Orationem de Eaudibus D.Thomas Aquinatis, Padua 1604. in 4. Er hat auch Vitam &Acta Thomas de Lemos; Elogia varia und Constantini AI. Veri-tatem donationis geschrieben , so aber noch im manuscript, undbeyde letztere zu Forli , erstere aber zu Cividadc bey seinen Or->dens-brüdern befindlich. Echard, bibi. Domiu. tom. II. p.sji.

* Gaussenuo, (StepHanuS) ein Reformirter Theologus imXVII. saeculo , legte den gründ seiner studien zu Saumur inFranckreich, und wurde allda bey annoch jungen jähren an.IÜÜI. zum Professore Logicas und Metaphysicae , an. 1665. aberzum Professore Theologias bestellt. Die zeit seines tvdes ist un-bekannt. Man Hat von ihm verschiedene Dissertationes Theo-logicas , welche an. 1727. zu Halle mit Ioh. Iac. Rambachirvorrede wieder aufgelegt worden. Gaujjenus ipse in cit. diss.Heumanni pcecile, tom. II.

* Gauterius, (Thomas) von Villareto aus dem Delphi-nat, war an.;8. gebohren, und studirte zu Genf , warddarauf Prediger zu Fenestrelles, und hierauf Pastor und Profes-sor Theologias zu Dien , muste aber, als das edict von Nan­ tes revocirt wurde, an. 168?. weichen, worauf er sich nach Mar-purg wendete, und daselbst an. 1687. Professor Theologi» undPrediger der geflüchteten Franzosen wurde, und an. 1709. im71. jähre seines altcrs starb. Er schrieb: Tractatus contraEaverotonem ; Theologiae Didacticas Principia, Marpllkg 1701.in 8. Disputationes, und andere schristen. Tt.emurn. vitae Pro-fess. Theol. Marpurgens. Unschuldige Nachrichten, 1728.p. 942 .

* Gauterius, ein Franzose, der sonsten auch Galterius,oder Gualterus der Cantzler genennel wird, begleitete Go-dofredum von Bouillon auf dessen zuge nach dem gelobten lan-de , da er denn bey der belagerr-ng von Antiochie» nicht allemzugegen gewesen, sondern auch selber gefangen worden, undvon den ungläubigen viel ausstehen müssen, weswegen er sichauch an einem andern orte beklaget, daß ihm der köpf davonschwach worden. Valerius Andreas giebt vor, daß er ein Gano-nicus und Archidiaconus zu Terouanne gewesen; dahero einigevermuthen, daß er von dem Gualtero nicht unterschieden sey,welcher als Ganonicus um das jähr nzo. zu Terouanne gelebt,und Vitam ac Martyrium Caroli, cognomento Boni , Flandri»Comitis, so JacobusSirmonbus an. rsix. heraus gegeben,geschrieben hat: wiewvl bierinn andere anderer meynüng sind.Man hat von ihm eine Narrationem de Obsidione Antiochenaan. in;, welche in den gestis Dei per Erancos befindlich ist.Andrea bibl. Bt lg. VoJJtus , de Hist. Lat. Üb. III. Cave , bist.litt. Oudin. de script. eccl. tom. II.

* Gautier, oder walther, Gualterus, Ertz-BischoffvonSens, lebte gegen dem ende des IX. sasculi, und im ansangdes X. An. 887. gelangte er zur Bischöfflichen würde allda.Er sacrirte Enden den Grafen von Paris , welchen die Stände

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