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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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goa

Gnossus, war vor Zeiten die berühinteste stadt in Creta ,und zwar sonderlich wegen der fabel von Minoe und dem Mi-notauro; heut zu tage aber ist es ein elendes dorf, Ginosa ge-nennet. Herodotus, lib. I. Virgilius .

GNOSTICI , sind gewisse ketzer der alten kirche, welchesonderlich im II. sxculo viel unruhe anrichteten. Sie führtendiesen nahmen daher, daß sie sich einer grossen wissenschafftund erkänntniö rühmten, und deswegen sich nicht allein andernvorzogen, sondern auch eine freyheit dasjenige zu thun anmaß-ten , welches andern nicht erlaubet war, wodurch einige unterihnen die grösten laster und sünde» unter diesem deck-mantel zubegehen, anlas nahmen. Die unterschiedene meynungen derGelehrten von dem Ursprünge der Gnosticorum entspringen da-her , daß dieses Wort bey den Alten nicht auf einerley art ge-braucht wird, sintemal einige, als Theodoretus mit diesemnahmen alle ketzer, die aus der schule Simonis des zäube-rers entstanden, beleget, wie denn auch Epiphanius und Au-gustinus dieses wort, wie einige wollen, bann und wann indieser bedeutung nehmen. Bisweilen wird eine besondere st-ete der Simonianer, als der Nicolaiten, der Basilidianer undanderer mit diesem nahmen bedeutet, und ist wol kein Zwei-fel , daß allen diesen steten gewisser Massen derselbe könne bey-gelegt werden, dahero einige aus die gedancken gerathen, daßkeine besondere stete der Gnofticorum jemals zu finden gewe-sen. Allein andere behaupten das gegentheil, und verstehenunter dem nahmen der Gnosticorum diejenigen, welche zwardie irrthümmer des Simonis, Menandri, Saturnini, Basilidis,Carpocratis , Valentini und anderer behalten, dabev sichaber einer grossen und sonderbaren erkänntnis berühmt, wo-durch sie von allen andern unterschieben waren. Ja es wirdauch von einigen der Alten dieses Wort in einem guten ver-stände genommen, und den wahren Christen beygelegt, alswelche durch die heilfirme erkänntnis der Göttlichen Wahrheitihr Hertz von aller bosheit reinigen, und also mehr und mehrnach der Vollkommenheit streben. Dannenhero sie zu einemsolchen Gnostico z. stücke erfordert, erstlich, daß man die fachewohl erkenne, zum andern, was man weiß, vollbringe, unddrittens zugleich darlegen könne, was in der Wahrheit auf gött-liche art verborgen ist. Doch diese Gnostici sind von den kctzern,so diesen nahmen führen, sehr unterschieden. Im übrigen istaus vielen gründen sehr wahrscheinlich, und erhellet sonder-lich aus dem Irenäo, daß sich zuerst des Carpocratis und Pro-dici discipul diesen nahmen angemasset. Diesem ist nichtentgegen, daß er auch einigen, so noch vor ihnen gelebet,von den Alten gegeben wird , sintemal daraus nicht folget,daß sie denselben geführet, sondern , daß sie wegen gleichheitder lehr-puncten nur von den Alten alst sind benennet worden ;und ist also nicht zu verwundern, daß in den schriften der Apo-stel und derer die älter sind als Irenäus , der nähme der Gno-Iticorum nicht zu finden. Zwar wollen einige behaupten, daßin den schriften der Apostel hin und wieder auf die Gnostlcos ge-zielet werde, und daß der Apostel Paulus durch die falsch be-rühmte kunst, i. Tim. VI. 20. nichts anders als die falscheerkänntnis der Gnosticorum verstehe. Wiewol nun ausserzweifel gesetzet ist , daß hin und wieder gegen die falscheniehrer und ihre wissenschafft, damit sie sich groß machten,geredet wird; daß aber der nähme der Gnosticorum bereitszu derselben zeit sollte gebräuchlich gewesen seyn, ist darausnicht zu beweisen. Was nun die lehr-puncten der Gnostico.rum anlanget, so werden ihnen gemeiniglich folgende irrthüm-mer beygelegt: daß sie zwey Götter, einen guten und einenLösen, geglaubet, davon jener der Ursprung alles guten, dieserder Ursprung alles bösen; daß Christus durch die Jungfrau Ma-riam nur den menschen gezeuget, nicht aber von derselbigenwahrhafftig gebohren worden, auch keinen wahrhafftigen leibgehabt hätte: daß sie den cngeln fremde und entsetzliche nahmenbeygelegt, und sowol von GOtt als der natur aller dinge vielwunderliche und Heydnische fabeln vorgebracht, daß sie dasWesen der fielen für das Wesen GOttes gehalten, und daß sie mitandern luft-seelen begleitet in die leider der menschen kamen ,worzu noch einige hinzufügen, daß sie die auferstehung der tod-ten geläugnct. Hierbey sollen sie alle ersinnliche laster undgreuel in ihrem leben ausgeübet haben. Die unzucht, so manihnen beymiffet, ist entsetzlich. Sie haben von mäßigkeil undchrbarkeit, wie man berichtet, nichts gehalten, das fastenverworffen , und diejenigen vor thvren angesehen, welche sicham der Wahrheit willen martern oder tödten liessen; Desi-derius Heraldus aber will, daß man ihnen viel ohne gründschuld gegeben. Man hat ihnen noch unterschiedene anderenahmen meist zu ihrer beschimpfung beygelegt; denn sie sindLorbnritD oder Borboriani, Barbeliotx, Cadariani, Phibioni-t;e , Stratiotici, Zachaei, &c. genennet worden. Ire»aus ,lib. I. c. 54· Epiphanius , hxr. 25. seq. Theodoretus , lib. I.haer. fab. c. 15. & homil. 18. in 1. Epist. ad Timoth. TertuOia-nus , de pradcript. adv. hasres. c. ij. Augußinus , de hxres.c. 6. Baronius , annal. ad an. 160. aoo. & alibi. Thomaßus ,in schediasm. bist. de defin. Philosoph. §. ;o. Hammondus , adEp. Pauli. Jovius , in specim. conject. ad loca quxd. Origenis.Colhergius , de origine hxres. c. 2. z. Ittigius, de hxreiiarchis

c. 6. Arnolds ketzer-historic, P. I. üb. II. c. 4.

Gnure, ein König in Scythien, welcher, so viel man ab-nehmen kan, kurtz vor der Tomyris regieret, wiewol unter dessen

successoren diese Königin nicht gefunden wird, welches entw-y»von den unterschiedenen theilen von Scythien herkommmm^über wttche diejer oder jener regieret, oder von der schlechtenwissenschafft, welche die auctores von den alten Köniae« tf«Scythen gehabt. So viel soll gewiß fivn, daß Gnur! £ £des Lyci gewesen , welchem er in dem Königreiche der Scvtbmsuccedwet. Seme;. söhne waren, Saulias, Caduidas/Nchen emlge amhores mit seinem ältesten confundiren , unb üCcharsis , der weife Phdosophos , welcher zu den zeiten SvlMund Crösi in Griechenland kam , woraus man sehen kauftesem valter Gnure vor der Tomyris regieret habe, wei Änach gemeiner erzehlung der alten scribenten Cyrum, den üb»,minder Crosi, geschlagen , und getödtet haben soll. Suidas . *

Goa , eine der Cron Portugall gehörige stadt in dem Könia.reiche Decan, m Ost-Indien, auf einer kleinen insul, welche2. flusse Mondoua und Guari machen. Sie ist groß, hat anstatt der mauren 6. citadellen, und einen der beste» Häfen a,ncanal. Sie hat einen Ertz-Bischoff, der Prinias von Indien ist, eine Universität und ein scharfes Offieiwn InquilitionisSie ist der vornehmste ort unter allen, welche der König vonPortugall in Ost-Indien besitzt, der auch einen Vice-König unddas Raths-Gollegium von Indien daselbst hat. An. i z-o. er-oberten sie die Portugiesen unter anfsthrung Alphvnsi von Albu-querque, welche sich nach der zeit so veste darinnen gesetzet, daß,ungeachtet sie ihre nachbarn ziemlich beunruhigen , es dennochfast unmöglich scheinet, sie daraus vertreiben zu können. Dasallda befindliche Hospital ist eines der schönsten in der gantzenwelt, welches das sogenannte Hospital der Heiligen zu Rom , unddas Intirmarium oder krancken-hauS auf der insul Malta nochweit übertrift. Die kirchen zu Goa sind sehr kostbar gezieret,unter welchen eine von Paulo IV. zu einer Dom-kirche gemachtwurde, als er das Ertz-Bißlhum daselbst stiftete. Die finsierin der kirche sind insgemein von perlen-muschel. Ausser derstl-bigen giebts auch allda 7. Pfarr-kirchen und unterschiedene klö-ster. Der pallast des Vice-Königs ist sehr prächtig , auf dessensäten verschiedene gemählde zu sehen. Wenn die stadt von denbergen nicht so enae eingeschlossen wäre, so würde sie noch weilmehr bewohnet, und solcher gestalt die lust weit gesunder sey»;aber so verhindern die berge, daß die luft nicht dcykommenkan , woraus den» eine allzuhcflige Hitze entstehet. Ob gleichdie stadt am ufer des meers gelegen , sind doch die fische sehrrar, man hat aber allda trefliche confiturcn. Die Jefiiten sinddaselbst unter dem nahmen Paulisten bekannt, sie tragen keinehüte oder mutzen mit Hörnern, wie in Europa , sondern ande«re mützen, welche wie hüte aussehen ohne rand. Sie haben dar-innen 5. Häuser, das Gollegium St. Pauli, das 8emmaniim,das Profeß.haus , das Noviciat und das von Bon-Jesus. Dieemählde dieser letztern kirche sind vortregich. Sonst war dieadt eine von den schönsten postm in der welt vor einen Vice-Kö-

nig von Goa. Derselbe hatte 5. Gouvernemens oder provintzmunter sich, woraus er so viel elnkünfte zu heben hatte , als manaus den ansehnlichsten Gouvernements in Europa ziehen konnte.Selbige waren das Gouvernement von Mozambique in Africa ;das von Mascate an den Arabischen küsten ; das von Ormus ander Persianischen küste; das von Ceylan gegen das vorgebürgevon Comori zu, bey der spitze der Halb-insul des Jndi , unddisseit des meer-bufins von Bengala; letztlich das Gouverne.ment von Malaga gegen die südliche gegend der halb-insul bcSJndi zu , auf der andern feite des meer-bufins. Ausser demhatte er auch viel stellen, sowol in Goa , als auch in andern In-dianischen städten zu vergeben. Allein, nachdem die Holländerund Engelländer ihm einen grossen theil der vorigen Handlungabgeschnitten haben , sind die Portugiesen bey weitem nichtmehr so mächtig in Indien , als sie sonst waren. Man sagt,daß der leichnam St. Thomä in selbiger stadt verwahret wer-de , und findet man einwohner von allerhand religivn; dieeinheimischen sind götzcn - dicner, und viel von ihnen trageneine grosse ehrerbietung gegen die äffen, daß sie ihnen zu eh-ren Pagoden oder tempel bauen, und sie anbäten. Alchus Me-nezez, Ertz-Bischoff dieses ortS, und Primas in Indien , hielledaselbst an. 1584. ein Loncilium. In einem andern, so an.1589. oder i zyo. gehalten wurde, thaten die Christen ,, welcheman von St. Thomas nennet, proftß von der Römischenreligion , und gaben ihre bücher alle dem Ertz-Bischoff ielbigcrstadt zu corrigiren, damit er alles austhun mochte, was etwa»nachdem Nestorianismo schmettere. Herbert, initin. p ; i48·Le Btanc , P. I. c. 7. Inqwßtion de (Ha, SchUltzkNö OilJw

dianische reise-beschreibung. Bald*] beschreib. der'Malab. reue.

(Foad, (Thomas) ein Englischer Theologe , welcher zuansang des XVII. soculi und hernach floriret. Er war Psarr-herr zu Hadleigh in der provintz Suffolck, hernach Prxcenwr inder Cathedral - kirche von Sr. Paul in Londen , und heiligerSchrift vodkor und Professor , in welcher qnalität er auch vondem Englischen KönigeJacobo I. auf den bekannten 8vnoclmn zuDordrecht an Dr. Halls stelle, (welcher seinen abschied von tcrVersammlung begehret und genommen) als ein mitglied desiei-ben gesandt worden, wie er dann den 17. jan. an. 1619. m oer62. fißion feyrlich darein aufgenommen worden. Allbier mmtrug er das fiinige zu Verdammung der Remonstranien Mei-nungen redlich bey, und unterschrieb seinen nahmen mit omübrigen Deputirten den satzungen des 8>nodi, obschon er ve»seinem abschied die Holländischen Theologos zu der modirano»