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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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einzubringen. Als Ertz-Hertzog Sigisninndus Franciscus vonOesterreich an. 1665. das Bißthum Trieut resignirte, ward erdamals zu einem Bischoff erwehlet, und von Kaystr Leopoldsfeiner aus Spanien kommenden ersten gemahlin der JnfantinMacgarethä nebst dem Fürsten Ferdinand Jacob von Dietrich-stein an. 1666. entgegen geschickt, da sie beyde die neueKay-serin den 8. oct. zu Rouerdo von dem Hertzoge von Albuquerque annahmen, und dem Kayser zuführten. Als der Papst Alexan­ der VII. an. 1667. starb, that er abermals eine reise nach Rom ,und wohnte Clementis IX. wähl bey, ließ auch seinen bisheri-gen Cardinals-titul St. Praxedis fahren, und nahm des St.Laurentii in Lucino an. Er war zwar nebst dem CardinalFrancisco Barberino damals der älteste Cardinal, so, daß ihmdas Bißthum Porto oder St. Ruffina, so jedesmal der andereCardinal besitzet, gebühret hätte; weil er aber zu Rom nicht re-sidiren wollte, kam er niemals unter die Cardinal-Bischöffe. Beyseiner rückreise von Rom erkranckte er, kam also den n. oct. zuWien an, und starb daselbst den 15. darauf an. 1667. Er soll,wie Weingarten schreibet, bey seiner über 44. jähr geführtenErtz - Bischöflichen regierung 600. kirchen eingeweyhet, und10000, Priester consecriret haben. Crugert vitae. Carafa , 6er-man. sacra. Weingarten, Fürsten-spiegel des Hauses Oester-reich. Balbinus, miscell. Boh. dec. I. lib. VI. p. 72. A. Harrach

, (Frantz Albrecht, Graf von) Kayferlicher gehei-mer Rath, und Graf Carls von Harrach fünfter fohn, wurdeKaysers Ferdinandi III. Cammer-Herr, und erlangte an. 1649.an Graf Michael Johannis von Althan statt, das amt einesOber-Land-Jägermeister in dem Hertzogthum Oesterreich unterder Ens, wurde auch nachmals Ober-Jägermeister, an. 1631.aber Ober-Stallmeister. Er vertrat auch den 16. jan. desselbi-gen jahrs, als Leopoldus die Huldigung von Nieder-Oesterreichannahm, die stelle eines Hof-und Erb-Stallmeisters. Er wur-de zwar nachmals dieses amts erlassen, blieb aber Kayferlichergeheimer Rath und Cammer-Herr, gieng auch als Gesandter inFranckreich und folgends in Spanien , woselbst ihm Carolus II.den i. dec. an. 1663. den Ritter-orden des goldenen Vliesscs gab.Er starb aber bald darauf den 14. may an. 1666. und verließvon seiner gemahlin , Anna Magdalena , Helmhard Jörgers ,Freyherr» zu Tollet tochter , keine männliche erben. Gen. Au -

ßriacie.

* Harrach , (Ferd. Bonaventura, Graf von) ein söhn Otto-nisFriderici,war an. 1637. gebohren, und ward nach undnach an dem Kayserlichcn Hofe an. 16^9. Reichs-Hof-Rathund Cämmerer, an. 1677. geheimer Conferentz-Rath, an. 1684.Ober-Stallmeister, und an. 1699. Ober-Hofmeister und Di-rector des geheimen Raths. Er ward einmal an. 1668. an.den Französischen , und zweymal an den Spanischen Hof gesen-det , und ist insonderheit wegen der letzten Gefandtfchasst nachMadrid berühmt. Zu derwaltung derselben ward er vielenandern deswegen vorgezogen·, weil er nicht allein der Spani­ sche » spräche vollkommen kundig, sondern auch seit seiner er-sten Gesandtschafft in Spanien sehr beliebt war, »ahm auchsolche an. 1697. ungeachtet seines alters an, und sollte die suc-ceßion des Hauses Oesterreich in der Spanischen Monarchiezu stände bringen. Es wurden ihm aber bey diesen Handlun-gen unzehlich viel Hindernisse in weg gelegt, die theils von denIntriguen des Französischen Gesandten, des Marquis von Har-court , theils von der uneinigkeil des Spanischen Ministern,theils von dem haß , den dasselbe und die gantze nation gegendie Teutschen gefasset, hauptsächlich aber von der Unbestän-digkeit unb dem bezeigen der Königin gegen ihn herrührten,welclxe man nebst vielen andern schlimmen einbildungen, soman ihr von dem Grasen beygebracht, beredet, daß er gerathen,sie üis kloster zu thun , und den König zu einer anderweitigenVermählung zu bewegen , daher sie auf das äusserste miß-träuisch gegen den Grafen ward, ihm alle geheimnisse des Ho-fes verbarg, die andientz versagte, und überhaupt sehr verächt-lich begegnete. Ob er nun gleich , da er sahe, daß seine bcmü-hungen an diesem Hofe allesamt unfruchtbar seyn würden, öf-ters um seine zurückberuffung anhielt, auch an. 1698. sein söhnLudovicuS oder Aloysius Thomas als Gesandter nach Spa­ nien geschickt ward , so erhielt er doch befchl noch eine zeitlangals ordentlicher Ambassador zu Madrid zu verbleiben, und be-kam erst an. 1699. erlaubnis wieder zurück zu kommen, wor-auf ihm der Kaystr, als seinem ältesten und vertrautesten Mi-nister , die Verwaltung der meisten und wichtigsten StaatS-ge-schäffte auftrug. Der Graf starb endlich an. 1706. im junioim 69. jähre seines alters im Carlsbade. Es haben ihn zwareinige beschuldigen wollen, daß er bey der letzten Spanischen Gesandtschafft sich überhaupt zu forchtsam, und gegen gewisseleuthe, da er nicht ursach gehabt, mißträuisch erwiesen, dieumstände nicht recht zu gebrauchen gewußt, sich allzu genau anseine instruction gebunden, und es vornemlich darinnen ver-sehen , daß er es mit des Cardinals Portocarero seinem 8e-crecario Urraca , ingleichen dessen Beicht-vatter und andern ver-trauten dieses Prälaten verderbet, die ihn hernach bey ihremHerrn auf verschiedene weise in übel» credit gesetzet. Alleines wird seine aussührung von andern, sowol durch die umstän,de der damaligen zeit, und die neigung des Hofes, als durchseine instructionen entschuldiget, welche ihn ausdrücklich an dieKönigin und derselben crcaturen gewiesen gehabt. An. 1720.hat de la Force memoiren von den Handlungen des Grafen

von «arrach rm Haag m zwey theilen heraus gegeben. Rinckrleben Leopold!.

Harrant, eine familie in Böhmen , siehe Haranr.

. Harras, eine adeliche familie, welche von uralten zeiten anm Thunngen und selbiger gcgend floriret. Heinrich von Bar-ras Siebt man schuld, daß, als seiner schwester söhn, Heinrich vonKuider, Bischoff zu Mer,eburg, der an. 1293. solche würde er-halten , ihn an seine statt regieren lassen , er sich sehr bereichert,und das Stift in grossen schaden gesetzet. AIS er einsmals aufdie iagd ritte, wurde er von MarggrafÄietzmann zu Meissen der ihn univaldc rencontrirt, gefangen, und nach Leipzig qe,bracht; der Blfchoff aber ruhete nicht eher, als bis er ihn wie-der los bekam. Hermann und Werner von Harras haben sichim treffen wider die Hußiten bey Brüx an. 1438. wohl gehalten,dahero sie zu Rlttern gefchlagen worden. Georg von HarrasaufOsmanstadt muste an. 1336. seine güther verlassen, weil erLutheri lehre nicht annehmen wollte, seine nachkommen aberhabenc wieder erhalten. In dem XVII. feculo hat diese fami-lie auch Lichtcnwalde bey Chcmnitz in Meissen besessen, aüwo sieaber abgestorben. Übrigens stehet dieses geschlecht mit den Böh-mischen Grafen Hrzan von Harras, von welchen an seinem orte,in keiner verwandtschafft.

Harravad, (JsaacBen) ein vornehmer Rabbi zu ende deSXII. ürcull , hat etwas geschrieben , doch weiß man nicht, wases ist. Man sagt von ihm, er habe alsofort erkennen können,ob ein menich eine solche seele habe, die schon vorhero eines an-dern leib animirl hätte, oder, ob er eine neue seele erhalten; auchsoll er an der luft gewußt haben , ob ein mensch, der nächst beyihm lag, annoch lebe, und desselben tod in dem augenblick, da ererfolget, durch den geruch entdecket haben, da er in dem übrigenblind gewesen. Rabbi Rekanati apud Uartoioccium , bibl. kab-bln. wni. III. p. 888- Bayle. *

Harrten, Harrland, ein gewisser strich landes in der Lief-lanoischen provuitz Esthland an dem Finnländischen meer-busen,ist 16. Meilen lang, und 8. breit.

Harrington, (Jacob) aus einer edlen Englischen familie inRullandshire entsprossen, und im jan. an. 1611. gebohren, zeig-te von jugend auf eine grosse lust zum studiren, und reifere, nach-dem er eine zeitlang zu Oxford auf der Academie gewesen, nachHolland , da er denn bey der vertriebenen Churfürstin von derPfaltz bekannt, und wegen seines aufgeweckten und artigenUmgangs so beliebt wurde, daß ihn der Churfürst erst mit nachDänemarck nahm, auch hernach zu Versorgung feiner geschäff-te nach Engelland schickte. Doch blieb er da nicht lange, son-dern fieng bald wieder an zu reisen, gieng erstlich nach Franck-reich und von dar nach Italien , allwo er sich weigerte des Papstsfuß zu küssen, welches doch feine reife-gefährten thaten. Alsihm nun bey seiner rückkunft der König zu verstehen gab, erhätte dem Papst diß wohl als eine welsliche ehrerdietung able-gen mögen, gab er zur antwort, daß er bedenckcns getragen,eines andern Fürsten fuß zu küssen, nachdem er einmal Sr. Ma-jestät Hand geküßt, welches dem Könige so wohl gefiel, daß er ihnalsbald in dienste nahm. Doch brachte er seine meiste zeit mitstudiren zu, und nahm sich der öffentlichen bedienungen wenigan. Als aber der König durch des Parlements Commiffariosvon New-Castle nach Londen sollte gebracht werden,wurde Har-rington von deniselben beruffen, ihm aufzuwarten, auch mitdes Königs gutem willen zu ftinem Cammer-diener gemacht,dem er denn sehr angenehm war , und oft mit ihm redenmuste. Er, machte sich jedoch uachgehends der Parlements-partey verdächtig, weil er in unterschiedenen dem Könige rechtgab, und sich durch keinen eyd verbinden wollte, dem Könige zurflucht nicht behülflich zu seyn,noch dieselbe allenfalls zu verhcelcn,weswegen er nicht allein seines diensts erlassen, sondern auchnoch darzu gefangen gesetzt, aber durch seine gute freunde baldwieder entledigt wurde. Nach dem tobe des Königs, den er zumschavot deglei'iet, brachte er seine zeit in grösserer einsamkcit undmeistens unter seinen büchern zu, da er sich denn blos milderbetrachtung des weltlichen regiments beschäfftigte , und davonein buch schrieb, welches er Oceana nennte, welches nichtsanders, « eilte Respublica Idealis nach art des Platonis ist.Er wies darinnen, daß er ein blosser Republicaner sey, undmißfiel dieses werck sowol den Königlichen , die vor die Monar-chie waren, als den Cromwellischen, weil er dem volcke wies,daß der Lroceclor, an statt eine Repudlick aus Engellaud zumachen, würcklich monarchisch regierte. Es ward solchesdemnach, als man erfuhr, daß es unter der presse sey, ausder druckercy weggenommen, doch erhielt er es durch Cromwelstochter, bey der er sich angenehm gemacht, wieder, und zugleichdie erlaubnis, es drucken zu lassen. Er lebte hernach bey allenVeränderungen,, die durch Cromwels tod, und Cars ll. crhe-bungaufden vätterlichen thron sich ereigneten , ruhig in seinemHause, bis er an. 1661. unvermulhet auf Königlichen befehl inden Towr gesetzt wurde,da man ihn denn einer heimlichen verrä-therey beschuldigte. Nach 5. monatlicher gefangenschafft, daman nichts rechts auf ihn bringen können, ward er erst auf eineinsul unweit Pleymouth, und hernach gar nach Plevmoulh ge-bracht. Daselbst wollte er die schärfe feines geblüts, die ihn fehrbeschwerte,durch das sogenannte 6»ajacum oder Franzoscn-Holtzcurircn, tranck aber davon so viel, daß seine Phantasie darübergantz verwirret wurde, in welchem zustande er sehr viel von guten

und