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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Marbach. P. IV. Der dritte war Wilhelm, gebohren den 2.nov. ward anfänglich Professor Artiurn auf der Univer-sität zu Tübingen ; hernach an. 1559. P»Ror zu St. Leonhardin Stuttgard, und dann endlich an. 156z. Doctor Theologie,Consistvrial-Rath und Stifts-Prediger dafelbst. An. 1569. wur-de er nach Straßburg zu einer theologischen Profession beruf-fen. Obwol er nun sich entschlösse, solches anzunehmen, wur-de er doch nicht entlassen. Er soll im übrigen ein moderaterund frommer Theologus gewesen seyn; gcriethe aber auch end-lich in eine melancholey, und fiel in derselben den 6. apr. an.1572. zu Bebenhausen von einem hohen thurn herab, undstarb. Seine vornehmsten schriften sind: Consensus Jesuita-rum & Christianorum; Responsio ad Jesuitas; Epistola» IX.ad Marbachium ; Das verlqugnete Papstthum; Das ersteEvaimelium rc. Erklärung der paßions-geschichten; viele Lon-Llia Theol. welche sein söhn, Felix, herausgegeben. Dieserwurde an. 1564. den 8. september zu Stuttgard gebohren. Erstudirte auch in dem Fürstlichen Stipendio zu Tübingen , underhielte daselbst primant & secundam Lauream. An. 1586.ttnirb« ec Diaconus zu Waiblingen , und an. 1590. zu Stutt-gard , zwey jähr hernach Consistorias-Rath und Hof-Prediger,an. 1604. Dort. Theol. an. 1606, Prälat zu Adelberg , und Nlchtlang hernach Abt zu Maulbrunn, General-Superintendent undLandschaffts-Assessor, bey welcher stelle er auch bis an seinen todverblieben. An. 1610. wurde er nebst dem Tübingifthen Cantz-ler, Andr. Osiandro, auf das Golloquium zu Regenspurg ge-schickt. In dem folgenden jähr half er die in Schwaben entstan-dene religions-strcitigkett zu Schwäbisch-Hall beylegen. An.16x2. in dem jenner wurde er in einer ansehnlichen Versammlungzu Bebenhaufen von dem schlag getroffen, wovon er starb. Erwar ein tochtermann des jünger« Brentii, und hinterließ einensöhn, der nachgehends Abt zu Adelberg worden. Seine für-nehmste schriften sind: Prorntuariurn Gonnubiale, Exequiale, &Poenitentiale; Manuale Ministrorum Ecclesise; Tr. de CausisMatrimonialib. Consilior. Theolog. Decades X. in welchemwerck sein druder, Joh. Mauritius , Passor zu Owen , geholf-fen; Epistolse II. ad Marbachium jun. bey Fechtio; Auslegungdes Psalters, aus L. Osiandri Gornrnent. verteutscht; Bericht,wie mit krancken und sterbenden; item mit schwermüthigen zuhandeln. Wittenh memor. Theol. dec. VII. it. Diar. ad an.1612. Mayeri bibliotheca Theol. Moral. p. 504. Buddei isa-goge üb. II. Fiscblini memoria: Theol. 'Würtemb. [ M. Stem-wig.manuscr.]

* Bidencapp, oder Biedencapp, eine kleine stadt und al-tes verwüstetes schloß in Nieder-Hessen , an der Lohr , 3. wei-len von Marpurg , an der Wittgensteinischen grentze. Ihrennahmen soll sie von den köpfen oder Hügeln, welche in grossser menge da herum liegen, bekommen haben. Sie gehöretdem Landgrafen von Hessen-Darmstadt, und nicht weit von derstadt sind die berühmten eisen-hütten und schmeltz-öfen, in wel-chen das beste eisen bereitet, auch grobes geschütz gegossen wird.Zeilers Reichs-Geogr. VIII. 1142. Rotheus memorab. Eu-rop. Dicel. gevgr. Diction.

BIDFNTAL , hieß bey den Römern ein ort, da der donnereingeschlagen hatte. Denn derselbe wurde von dem Priester miteiner bidente oder hacke bezeichnet, und hernach verwahret, daßniemand darauf treten durfte; wiewol andre sagen, es kommevon einem ove bidente her,welches ein Priester deswegen schlach-ten müssen. Die 8aeerdotes bidentales hatten daher ihrennahmen, weil sie auf den donner achtung geben, und die gotterdeswegen mit opfer versöhnen musten. Bulmger. de fulm. Lo-

meier. delustrat.

* Vidima , ist eine der Inf. Eatrvnum auf dem Oeeanoorientali in Asien . Sie wird auch Sahavedra genannt. DieEuropäer haben sie wol entdecket, aber nicht erobert. Maty,

Diction.

* Bidloo, (Gottfried) ein berühmter Medieus, war zuAmsterdam den 12. mertz an. 1649. von Mennonitifchen eiternLebohren. Nachdem er den gradum eines Doctoris erlanget,ward er erstlich an. 1688. Professor Anatomias im Haag, an.1694. aber Pros. Anat . und Chirurgie zu Leiden, und fol-gend s auch Wilhelmi III. Königs von Engeüand, Leib-Medi.cus. Wie er aber diese letzte stelle mit der bedingung übernom-men, daß ihm seine Profession dennoch verbleiben sollte: al-so kehrte er auch nach Wilhelmi tobe an. 1702. wiederum nachLeiden, und starb daselbst im monat apr. an. 17,,. Er hatsich insonderheit durch sein vortrefliches werck: Anatomia huma-ni corporis , 105. tabulis ad vivum deüneatis demonstrata,bekannt gemacht; sonsten aber auch noch Diss. de AntiquitateAnatomes ; Vindicias quarumdam delineationum Anatomie,contra ineptas Er. Ruyschii animadversiones; Gul. Cowpercriminis litterarii coram tribunali Societatis Britanno-Regisecitatum ; Exercitationum Anatomico-Chirurgicarum decades

II. u. a. m. heraus gegeben. Nach seinem tobe hat man auchan. 1719. eine sammlung von seinen Niederländischen getich-ten an das licht gestellet. Im übrigen hinterließ er einen ei-nigen söhn, gleiches nahmens, welcher Doctor Juris und Fiscalvon der militz der Staaten von Holland worden. Sein bru-der Lambertus aber, welcher zu Amsterdam als ein apotheckeran. 1724. gestorben, und sich gleichfalls durch einige schriften,insonderheit durch seine viele Holländische getichte, bekannt ge-macht , war »in vatter Nievlai Bidloo, welcher des Czaars

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von Rußland , Petri I. Medieus , und Infpector des Hospitalszu Moscau worden. Nicerou, mem. tom. VII. & X. b.

* Bidourle, ist ein kleiner fluß Franckreichs, welcher in Nie-der-Languedoc fleußt, Svmmieres benetzet, und sich ohnfernMontpellier in das Mittelländische meer crgeußt. Maty,Diction.

Bidouse, siehe Bidache.

* Bidoux, (Pregent von) ein aus Gascogne gebürtiger Rit-ter des ordens St. Johannis von Jerusalem , Groß-Prior vonSt. Aegidius, und General der Französischen galeen, wird voneinigen scribenten für den ersten gezehlet, welcher mit diesemamt, das unter die ämter der Crone gezehlet wird, beehret wor-den ist. Sie steuren sich darauf, weilen diese General - stelleerst seit der Vereinbarung der Grafschafft Provence mit derC.ron, welches zu end des 1480. jahrs geschahe, platz habenkönnen. Dieses ist die meynung Äntonik von Rufst in seinerHistorie von Marseille . Dennoch findet man einen General-Hauptmann über die galeen, nahmens Jean de Chambrillac,in dem jähr 1410. Dem seye nun, wie ihm wolle, so wurdePregent von Bidoux in dem jähr 1407. mit dieser würde be-ehret, und in den jähren 1502. und 1509. mit einigen garleen das Königreich Neapolis zu bekriegen geschicket. Er com-mandirte in der in dem jähr 1507. von diesem Monarchenvor die stadt Genua gelegten belagerung neun galeen und achtgrosse kriegs-schiff, jagte die schiffe dieser stadt bis in den Ha-fen , und trüge sehr vieles bey, um solche Jhro Majestät zuunterwerffen. Er befände sich bey dem rinzug dieses Fürsten in diese stadt gegenwärtig , wie auch bey dem einzua des Kö-nigs von Neapolis und Aragonien in Savona , als er sich dahinin dem brachmonat an. 1507. zu dem König Ludovico XII.begäbe. Er brachte nachgehends in dem jähr 1513. hülffs-völcker naher Genua , begäbe sich von bannen in den Ocea-num , griffe die Engelländer, welche die Französischen kä-sten verheereten, an; richtete acht ihrer grossen schiffen zugründ, und verlohre in einem scharmützel ein aug. Nach-dem man mit Engelland frieden gemacht, begab er sich in demHerbstmonat des jahrs 1514. naher Marseille zurück, und gien-äe kurtz darauf in das Genuesische gebieth, um solches land, desssen einwohner eine aufruhr erweckt hatten, zu verwüsten. Erlegte nachgehends sein amt ab, um seinem orden zu hülff zukommen; befände sich bey der belagerung Rhodes und Marserl-le wider den Hertzog von Bourdon. Nach seiner rückkehr ausSpanien , wohin er aus befehl seines ordens den Cardinal Cam-pege begleitet hatte, griff er in dem jähr 1528. ein TürckischeSkriegs-ruder-schiff an, eroberte es, und brachte es zu Nice ein.Er empfieng aber in dem treffen so schwere Verwundungen, daßer in dieser stadt in dem augstmonat gleiches jahrs in dein 60.jähr seines alters starb. Ruß, bist. de Marseille . P. Anfeirnus,bitt. des grands Offic.

* Bieck, (Christian) ein Leipziger, wurde Professor zu Stet­ tin und Weissenfels , hernach aber Stadt-8vndicus zu Halle,und starb den 15. jan. an. 1706. Er übersetzte einige poesienAloysii Iuglaris, eines Spaniers, unter dem titul: PoetischesPaßions-Memorial, schrieb auch von der Huldigung FriedrichWilhelms in Halle : De Pileo &c. Neumeisters diss. dePoetis German. p. 15.

* Blecz, lat. Becia, eine kleine stadt in einer landfchafftgleiches nahmens in der Woywodschafft Cracau, in Klein-Po-len, auf einer ebene 15. Polnische Meilen von Cracau, und 5.von Sandecz gelegen. Sie ist mit einer ring-mauer umge-ben , und wird von dem fluß Rapa bewässert, aus dessen schäumman guten schwefel machet.

Biedermann, (Jacob) ein Jesuit, gebürtig von Ehingen in Schwaben , lehrte die Philosophie zu Dillingen , und hernachdie Theologie zu Rom , woselbst er an. 1619. starb. Seine schris-ten sind: Gorollaria Philosophica lib. VIII.; Opuscula Theo-logica lib. X.; Heroum Epistolse lib. III.; Utopia, Deliciae sa-erse, Poemata, &c. Alegambe , bibl. ser. S. J. Uendreicb.

Biedermann, (Laurentius) gebürtig von Zerbst , ward zuWlttenberg Magister , zu Basel Doctor, und hernach zu DessauCantzler, welcher bedienung er bis in das 16. jähr vorstund.An. 160;. ward er von einem meuchel-mörder, welcher in ei-nem walde auf Christianum II. Churfürsten zu Sachsen , einenschuß gethan, beschuldiget, als ob er und ein Obrist-Lieute-nant, Heinrich von Dünau oder Thünau , ihn darzu veran,lasset, indem sie ihm ein gutes röhr zugestellet, und 8. thaleraus die Hand gegeben, nebst der Versicherung, daß er nach voll-brachter that nicht allein sichere wohnung in dem Anhältischen,sondern auch 200. thaler zur erkenntlichkeit haben sollte. Es er-suchte hierauf gedachter Churfürst den Fürsten zu Dessau , daßer beyde beschuldigte, um selbige mit dem meuchel-mörder undseinem mttgestllen zu consrontiren, innerhalb einer Sächsi­ schen seist nach Dreßden schicken möchte. Allein der Fürst woll-te sich hierzu nicht verstehen, sondern verlangte, daß die confron-tation in seinem, oder eines benachbarten lande, wozu sich nach-gehends Chur-Brandenburg offerirte, geschehen möchte; in-dessen ließ er beyde beschuldigte auf das ftl-loß Groß-Alsleben inVerwahrung dringen. Hierüber kam die fache in eine solcheweitläuftlgkeit, daß in sieben viertel jähren nichts ausgerichtet,und dieselbe endlich an den Kayserlichen Hof gebracht wurde;welcher zwar so fort begehrte, daß die beyde gefangene nachDreßden sollten geliefert werden; wogegen man aber von